Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 10°C

Film-Blog: Erinnerungen aus Lateinamerika

Wer sich regelmäßig auf Festivals tummelt, der (oder die) verzweifelt zuweilen an der Fülle von Filmen, die jedes Jahr auf der ganzen Welt gedreht werden, und die nie in die Kinos kommen. Oder nicht bei uns ins Kino kommen oder nur einmal kurz in einem Programmkino zu sehen sind... Festivals bieten daher auch immer die Gelegenheit, den Blick zu erweitern, den das Mainstream-Kino oft schon arg verengt. Gerade auch, wenn es um Filme aus anderen Ländern oder gar Kontinenten geht. Gut, dass Frankfurt so viele kleine Festivals zu bieten hat, die einen Blick in fremde Welten erlauben. Ganz aktuell etwa Días de Cine, das bereits zum fünften Mal im Kino des Deutschen Filmmuseums die Leinwand zum Leuchten bringt und das aktuelle Filmschaffen Lateinamerikas vorstellt.

Ein Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf den Themen Erinnerung und Identität, etwa in Joel Caleros LA ÚLTIMA TARDE (Peru/Kolumbien 2016), der mit einem Scheidungstermin beginnt und die Kinobesucher/innen zunächst glauben macht, hier ginge es nur um eine kleine private Geschichte, bis sie nur wenige Minuten später mitten hineingebeamt werden in den jahrzehntelang tobenden Kampf der lateinamerikanischen Guerilla gegen die diktatorischen Regime des Kontinents – im konkreten Fall Peru.
Schnell stellt sich heraus: Das Paar hat sich seit 19 Jahren nicht gesehen und vollzieht die Scheidung nur noch wegen einer anstehenden Erbschaft. Weil eine wichtige Unterschrift des Richters auf den Papieren fehlt, dieser aber erst am Abend wieder im Büro erscheint, verbringen die beiden den Tag miteinander. Erkunden spazierend Limas Straßen, trinken Kaffee, essen zu Mittag, stoppen zwei Autoknacker und reden und streiten und reden und streiten. Die beiden haben dicke Bretter zu bohren: Schließlich hat Laura Ramòn damals nicht einfach nur verlassen. Die aus gutem Hause stammende 23-Jährige rannte ohne mit Ramòn vorher darüber zu sprechen aus einem Camp der Guerillatruppe „Sendero luminoso“ davon, weil sie nicht mehr an den bewaffneten Kampf glaubte. Ihr Vater verhalf ihr damals zurück ins bürgerliche Leben. Doch nur eine Woche nach ihrer Flucht wird das Camp vom Militär aufgebracht und die meisten erschossen. Ramòn hat seit 19 Jahren viele Fragen.

Um schmerzliche Erinnerungen geht es auch in Milagros Mumenthalers LA ISLA DE UN LAGO (Argentinien/Schweiz/Katar 2016): Die hochschwangere Fotografin Inés katapultiert ein Buchprojekt über das idyllisch an einem See gelegene Feriendomizil ihrer Familie mitten hinein in die Vergangenheit, als ihr Vater 1977, während der Militärdiktatur in Argentinien, plötzlich verschwand. Damit mischt sie die Familie gewaltig auf. Als sie ihrer Mutter, die auch nach Jahrzehnten noch „casado“ (verheiratet) in ihrem Personalausweis stehen hat, vorschlägt, per DNA-Untersuchung feststellen zu lassen, ob der Vater der Familie zu den bisher gefundenen Todesopfern der Diktatur gehört, kommt es zum Streit.

Doch nicht alle Filme bei Dìas de Cine widmen sich so schweren Themen. So macht den Auftakt des Festivals am morgigen Freitag, 3. November, um 14:30 Uhr ein wunderschön gestalteter Animationsfilm, THE BOOK OF LIFE(USA 2014, R: Jorge R. Gutiérrez), in dem zwei Geister Wetten darüber abschließen, welchem ihrer beiden Verehrer die schöne Maria am Ende erliegen wird. Am Abend um 18 Uhr stellt Juan Sebastián Mesa persönlich seinen Film LOS NADIE (Kolumbien 2016) vor, über eine Gruppe Jugendlicher, die sich an den Randbezirken Medellíns mit Punkmusik und Straßenkunst, getragen von ihrer Freundschaft durchs Leben schlagen. Zu sehen sind in den kommenden Tagen Filme aus Brasilien, Chile, Mexiko, Paraguay, Argentinien, Guatemala, Costa Rica, Peru und Kolumbien und am Ende bezaubert uns am Sonntag, 5. November, um 21 Uhr ein ungleiches Paar in dem Film EN EL OMBLIGO DEL CIELO (Mexiko 2012, R: Carlos Gómez Oliver): Ausgerechnet, als die Werberin Andrea eine wichtige Kampagne vorbereiten muss, sperrt sie sich zusammen mit dem Gebäudereiniger Gualberto versehentlich auf dem Dach des Hochhauses der Agentur aus: Nun müssen die beiden zwangsläufig das Wochenende dort verbringen und lernen dabei viel über das Leben.
 
Zur Startseite Mehr aus Filmblog

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse