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Film-Blog: 80er Revisited

Von Wir leben in unruhigen, überkomplizierten Zeiten. Vielleicht ist das der Grund für einen neuen Trend im US-Kino und –TV.
Foto: Netfllix

Es gibt sie ja immer noch: diese vermaledeiten Superhelden-Streifen aus Hollywood. Seit Anfang der 2000er dominieren sie weltweit die Kinocharts. So sind 15 Jahre seit Sam Raimis SPIDER-MAN (US 2002) mit Toby Maguire und Kirsten Dunst vergangen. Dieses Jahr startete bereits die dritte Filmreihe basierend auf der Kultfigur mit Spinnenkräften. Wer geht da eigentlich noch rein?

Und noch ein Renner: Schauspieler Hugh Jackman hat den zähen Supermutanten Wolverine mittlerweile in sechs X-Men-Filmen und drei Spin-Offs gespielt, zuletzt in LOGAN (CA/AU/US 2017). Das ist im Vergleich mit den Kollegen Superhelden-Superlativ.

Parallel dazu entwickeln sich die 2010er Jahre auf der Leinwand zunehmend zur großen 80er-Revival-Party. Alles kehrt zurück. Also irgendwie dasselbe wie bei den immer gleichen Superhelden: Hollywood dreht sich schön weiter um sich selbst.

Da sind zunächst mal die großen Sci-Fi-Filme BLADE RUNNER (US 1982) und STAR WARS (US 1978, 1980, 1983) – und damit hauptsächlich ein Gesicht: das von Harrison Ford. Er wirkt inzwischen etwas abgekämpft, aber ist dennoch schneidig wie eh und je.

In STAR WARS: THE FORCE AWAKENS (US 2015) wurde seine Rückkehr als Han Solo ins Cockpit des Milleniumfalken mit Jubelstürmen im Kino quittiert. Und in BLADE RUNNER 2049 (US 2017) musste er als Rick Deckard dem jungen Ryan Gosling nochmal zeigen, wo’s lang geht.

Beiden Filmen ist gemein, dass sie die Rückkehr zu den früheren Hauptfiguren zum zentralen Handlungselement erheben. Als sei die Suche nach den verschollenen Helden von einst das, was den Film im Innersten zusammenhält.

In BLADE RUNNER verbringt Rick Deckard seinen Lebensabend im scheinbar unbe-wohnbaren Las Vegas – und muss dann doch nochmal für Ordnung sorgen, als Ryan Gosling durch dichten Sand-Smog zu ihm findet.

Und in STAR WARS suchen alle mindestens genauso verzweifelt nach dem Messias Luke Skywalker, der es sich nicht in Las Vegas gemütlich gemacht hat, sondern ein Eremitendasein auf einer kargen Mini-Insel eines abgelegenen Planeten wählte. So wie es sich für einen alternden Jedi eben gehört. Nebenbei wird im Übrigen ein neuer Super-Todesstern in die Luft gejagt. Alles wie gehabt also. In drei Wochen startet Episode acht.

Neben Science-Fiction war im US-Kino der 80er das Horror-Genre groß. Vorbildern von einst, wie John Carpenter, eiferte vor drei Jahren David Robert Mitchell nach. Mit IT FOLLOWS (US 2014) kehrten Vorstadt-Albträume à la HALLOWEEN (US 1978) oder A NIGHTMARE ON ELM STREET (US 1984) zurück. Hier war es besonders der fiebrig-fiepende Soundtrack, der an die Filme von früher anschloss.

Das Paradebeispiel des Trends ist jedoch die TV-Serie STRANGER THINGS (US 2016-), die seit Halloween vor einigen Wochen eine zweite Staffel hat. Sie spielt in der Kleinstadt Hawkins Mitte der 80er und vermischt Sci-Fi- mit Horror-Elementen zu einer Liebeserklärung an das Jahrzehnt. Gefühlt wird so ziemlich alles verwurstet, was in den 80ern ir-gendwann mal in irgendeinem Kino lief. Die Palette reicht von THE GOONIES (US 1985) über STAND BY ME (US 1986), E.T. THE EXTRA-TERRESTRIAL (US 1982), ALIEN (US 1979), FIRESTARTER (US 1984), ST. ELMO’S FIRE (US 1985), STAR WARS: EPI-SODE V – THE EMPIRE STRIKES BACK (US 1980) bis zu den GHOSTBUSTERS (US 1984). Man könnte das dreist nennen oder ideenlos, aber das ist alles so liebevoll aufbereitet und über solch wunderbare Figuren erzählt, dass man sich dem endlosen Zitat einfach nur staunend hingeben muss.

Auch in Deutschland wird übrigens bald zurückgekehrt: Sky produziert derzeit mit der Bavaria Fiction eine TV-Fortsetzung von Wolfgang Petersens Klassiker DAS BOOT (BRD 1981). Herbert Grönemeyer ist aber leider nicht dabei.

Egal. Solange es keine deutschen Superhelden-Filme gibt, könnt ihr alles machen.

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