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Film-Blog: Der Berg ruft

Der Berg ruft, aber der Kinositz lockt. Man muss sich ja nicht gleich selbst in Bergstiefel und Steigeisen stellen, um ein bisschen Höhenluft zu schnuppern. Nicht allzu oft, aber doch immer mal wieder schaffen es Filme dieser Unterart des Abenteuerkinos auf die große Leinwand. Nicht viele sind gut und noch weniger sind realistisch – aber trotzdem: Der Bergfilm ist ein eigenes kleines Genre, das sich seit bald 100 Jahren in der Filmlandschaft behaupten kann.

Vor allem in den Filmen des Regisseurs Arnold Fanck trat der Bergfilm in den 1920er Jahren erstmals in Erscheinung. Er machte Leni Riefenstahl bekannt und stellte die Kameraleute vor bisher ungeahnte Herausforderungen.

Erst kürzlich gab es im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt am Main die Möglichkeit, mit DIE WEISSE HÖLLE VOM PIZ PALÜ (DE 1929, R: Arnold Fanck, G.W. Pabst) einen Klassiker aus der Stummfilmzeit samt prominenter Begleitung (der Filmemacher Dietrich Brüggemann am Flügel) zu sehen – und zu hören!

Zuletzt war mit der Romanverfilmung EVEREST (US 2015, R: Baltasar Kormákur), nach Jon Krakauers Tatsachenbericht Into thin Air, ein ausgesprochen realistischer Bergfilm in den Kinos zu sehen. Das Bergsteigerdrama erzählt von einer geführten Besteigung des Mt. Everest im Mai 1996 in deren Folge es durch einen Wetterumschwung zur bis dato schwersten Tragödie am Berg kam. Krakauer war Teil dieser Expedition: von Alpenromantik keine Spur.

Davor waren Vertreter der Gattung Bergfilm allerdings eher als Sidekick des Action- oder Abenteuerfilms in den Kinos zu finden. Bekanntester Vertreter ist vermutlich CLIFFHANGER (US 1993, R: Renny Harlin) mit dem kletternden Rambo Silvester Stallone. Der spielt den abgehalfterten Bergretter Gabe Walker, der sich nach dem tödlichen Sturz einer Freundin, geplagt von Selbstvorwürfen, von der Arbeit in den Rocky Mountains zurückgezogen hat. Der deutsche Untertitel wäre aber nicht „Nur die Starken überleben“ und Silvester nicht Stallone, wenn er für einen letzten Auftrag nicht noch einmal Klettergurt und Daunenjacke überstreifen würde. Die Berge machen eben hart!

Das zeigt auch VERTICAL LIMIT (US/DE 2000, R: Martin Campbell). Dessen Botschaft: Ganz klar, wer Sport in den Bergen treibt, der liebt das Risiko und der hat auch kein Problem damit, den heroischen Freitod zu sterben – sonst kann man sich ja gleich Wanderer nennen. Kein Wunder, dass das Genre des Films auf Wikipedia als „Survival Thriller“ angegeben ist. Denn darum geht es dem Film zufolge  angeblich beim Klettern – ums Überleben: Entweder kommt man hoch, oder man stirbt. Wie sich das eben gehört, passieren auch hier filmklischeehafte Unfälle, etwa durch Haken, die auf wundersame Weise durch bloßen Seilzug aus massiver Felswand gezogen werden. Dabei weiß jeder erfahrene Kletterer, dass so etwas in der Wirklichkeit niemals passiert. Denn dann wären Haken sinnlos und jeder der trotzdem daran klettert dumm.

Kaum verwunderlich also, dass auf Youtube der „Vertical Limit Guide to Climbing“ ebenso wie der „Cliffhanger Guide to Climbing Gear“ unter Kletter/innen (also den Spinner/innen, die diesen selbstmörderischen Sport allen Ernstes betreiben) Kultstatus als Lachnummer haben.

Dann doch lieber die Alpenromantik der Bergfilme der 20er und 30er-Jahre. Die haben ihren ganz eigenen Charme und man sieht ihnen mangelnde Faktentreue nach. Wenn dann noch jemand so charmant wie Dietrich Brüggemann am Flügel begleitet – immer her damit!

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