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Film-Blog: Kindergeburtstag mit böser Überraschung

Bevor ein Film in deutschen Kinos starten kann, entscheidet die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft GmbH (FSK) welches Alter ein Zuschauer mindestens haben muss, um diesen Film sehen zu dürfen. Diese Einstufung wird von Ehrenamtlichen, die Erfahrungen im Umgang mit Kindern oder Jugendlichen haben oder über entsprechendes Fachwissen in der Psychologie oder Medienwissenschaft verfügen, auf Basis des Jugendschutzgesetzes (§14 JuSchG) und der FSK-Grundsätze, durchgeführt. Die FSK-Grundsätze wiederum werden von einer Grundsatzkommission erlassen, die sich aus Vertretern der Film- und Videowirtschaft, der öffentlichen Hand sowie der Fernsehveranstalter zusammensetzt. Aber beißt sich da die Katze nicht in den Schwanz? Hinzu kommt, dass trotz verschiedener Gremien die Filmwirtschaft mit ihren Vertretern in den Arbeitsausschüssen eine nicht zu verachtende Mitsprache bei den Urteilen hat. Kann die FSK wirklich unabhängig und im Interesse des Jugendschutzes entscheiden? Die Maßstäbe der Freiwilligen Selbstkontrolle sollten in ihrer Gesamtheit hinterfragt werden, wenn sich doch selbst Kinobetreiber über die Einstufungspraktiken wundern - obschon hinter vorgehaltener Hand.

Der amerikanische Animationsfilm ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH 3 (US 2017, R: Pierre Coffin, Kyle Balda) läuft am 16. und 18. Februar im Kino des Deutschen Filmmuseums am Schaumainkai. Von der FSK bekam er das Etikett „FSK ab 0 freigegeben“, also ohne Altersbeschränkung. Geht man als Elternteil davon aus, dass die FSK-Altersfreigabe eine Orientierungshilfe darstellt, ob der jeweilige Film dem Alter des eigenen Kindes gerecht wird, so stellt man erschrocken fest, dass dem nicht so ist. Meine fünfjährige Tochter und ihre kleinen Geburtstagsgäste waren völlig überfordert und sind in Schockstarre verfallen, angesichts der schnellen Schnittfolgen, der lauten und bedrohlichen Geräuschkulisse und Verfolgungen im neuesten Minions-Kassenschlager. Übrigens schreibt die FSK in ihren Kriterien, dass dies Ängste und Irritationen bei Kindern bis zum Alter von sechs Jahren auslösen kann. Also eine inkompetente Fehleinschätzung der FSK? Im Kino des Deutschen Filmmuseums versucht man Eltern bei der Auswahl eines Kinderfilms vor einer solchen Situation zu bewahren. Die Kinderfilme werden dort nicht mit der FSK-Altersfreigabe gekennzeichnet, sondern von den Mitarbeiter/innen der Kinoabteilung des Filmmuseums mit einer eigenen Empfehlung versehen. So wird ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH 3 im Kinoprogramm des Filmmuseums ab acht Jahren empfohlen. Denn wo der Film bei Kindergartenkindern noch Angst und Unverständnis hervorruft, wird er für Schüler/innen zum Vergnügen mit seiner spannenden, tempo- und actionreichen Handlung, seiner witzigen Situationskomik sowie den originellen und amüsanten Dialogen. Ein weiteres herausstechendes Element ist der Soundtrack mit Liedern der 80er Jahre, die im Film, beispielsweise bei lustigen Tanzduellen, auch die Eltern mitreißen und träumerisch in ihre Jugend zurückversetzen.

Die Vermutung, dass vor allem publikumswirksame Filme von der FSK zu sanft beurteilt werden, um hohe Umsatzzahlen nicht zu gefährden, trifft im Falle von ICH – EINFACH INVERBESSERLICH 3 jedenfalls voll ins Schwarze. Das Kino des Deutschen Filmmuseums zeigt jeden Monat bis zu fünf Kinderfilme - immer freitags und sonntags. Es lohnt sich also aus mehreren Gründen regelmäßig im Programm zu stöbern.

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