E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 18°C

Freie Platzwahl

Ostern steht vor der Tür, und neben Eier- und Schokoladenschwemme bedeutet das vor allem: vier freie Tage. In Kombination mit Wettervorhersage „feucht-frühlingshaft-durchwachsen“ die ideale Gelegenheit, nach der Eiersuche ins Kino zu gehen! Das Programm lässt sich frei gestalten: österlich wird’s in DIE HÄSCHENSCHULE (DE 2017, Ute von Münchow-Pohl), biblisch in MARIA MAGDALENA (GB 2018, Garth Davis) oder rasant mit dem Biopic I, TONYA (USA 2017, Craig Gillespie).

 

Nach der Wahl des Films steht man vor mindestens einer weiteren Entscheidung:  wo sitzen? Kürzlich war ich in einem der großen kommerziellen Kinos der Stadt. Beim Kartenkauf wurde mir gesagt: „Tut mir leid, es ist schon ziemlich voll, aber hier wären noch zwei Plätze, ziemlich Mitte – Mitte.“ Gut, gerne – umso erstaunter war ich, als bei der Vorstellung das ganze erste Drittel des Saales leerblieb. Um mich herum und hinter mir Kopf an Kopf, im ersten Drittel aber gähnende Leere, seitliche Beinfreiheit und Luft zum Atmen.

 

Ein ewiges Rätsel – warum wollen immer alle hinten sitzen? Vielleicht ist es ein Überbleibsel aus der Schulzeit, als man dachte, in den hinteren Reihen bekäme es der Lehrer nicht mit, wenn man sich seinem Unterricht entzog (welch ein Irrtum...)? Oder die Angst davor, zu sehr in den Film hineingezogen zu werden, wenn die wandfüllende Leinwand das gesamte Blickfeld einnimmt? Oder wird es manchen unbehaglich, wenn sie viele in ihrem Rücken wissen, und unbewusst lieber die alte Western-Regel befolgen, immer die Tür – und eine Fluchtmöglichkeit – im Blick zu behalten? Vermutlich ist es von allem etwas.

 

Ich bevorzuge das hintere Ende des vorderen Drittels. Dort muss man den Kopf nicht drehen, um alle Kanten der Leinwand zu sehen, nimmt aber gleichzeitig kaum Ränder, kaum etwas anderes als die Leinwand und damit den Film wahr. Dort gelingt es am besten, einen Film nicht nur anzuschauen, sondern zu erleben. Mit das schönste am Kinobesuch ist ja, einen Film in Gesellschaft zu sehen, in einem Raum voller Menschen, die idealerweise die eigene Begeisterung für und den Respekt vor dem Film teilen. Aber diese Mit-Cineasten müssen nicht unbedingt direkt links und rechts neben mir sitzen. Oder direkt vor mir, „auf Lücke“ ist doch auch schön. Feste Platzkarten werden meist direkt aneinander vergeben – weil das Kassensystem das nunmal so macht.

 

Übrigens überfordert es mich auch immer ein wenig, schon an der Kinokasse meinen Sitzplatz für die nächsten zwei Stunden auswählen zu müssen. Viel lieber ist mir da die freie Platzwahl, die zum Glück in den meisten Filmkunstkinos herrscht. Beim Betreten des gemütlich-halbdunkeln Kinosaals kann man dann kurz innehalten und nachspüren, wo es sich am besten in Film und Sessel versinken lässt – immer abhängig von der Größe der Leinwand und des Saals, vom tagesaktuellen Befinden, der eventuellen Begleitung und nicht zuletzt natürlich vom gewählten Film.

 

So hat man das Räumliche des Kinobesuchs selbst in der Hand – vorausgesetzt, man ist früh dran und/oder der Saal ist nicht zu voll. Das kann auch mal schief gehen – mein größtes „Pech“ bisher: in der vordersten Reihe ganz rechts außen zu landen, mit völliger Reizüberflutung und Nackenstarre hinterher. Es lief: DRIVE (USA 2011, R: Nicolas Winding Refn).

 

Zur Startseite Mehr aus Filmblog

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen