E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 24°C

Filmblog: Franz Rogowski Superstar

Gefühlt jeder zweite deutsche Kinofilm, der in den letzten 24 Monaten für Aufsehen sorgte, kreist um eines: die atemberaubende Leinwandpräsenz von Schauspieler Franz Rogowski.

Mit gleich zwei Wettbewerbsfilmen ist er im Frühjahr bei der Berlinale angetreten, und die sind, wenn auch bärenleer ausgegangen, jetzt im Kino und verdammt nochmal unbedingt sehenswert. Christian Petzolds TRANSIT ist im April angelaufen und bleibt in nichts hinter den hohen Erwartungen an den Regisseur von DIE INNERE SICHERHEIT (200), BARBARA (2012) oder aber PHOENIX (2014) zurück. Wie schon in mehreren Vorgängerfilmen erzählt Petzold über die deutsche Vergangenheit, ohne die Handlung im Gestern anzusiedeln. Ein außerordentliches Kunststück gelingt ihm da mit TRANSIT, der absolut überzeugend 1941 und 2017 zugleich spielt. Den Atem aber verschlägt die Schauspielleistung von Franz Rogowski. Der Franz spielt in TRANSIT den Georg, einen deutschen Flüchtling, der über das von deutschen Faschisten besetzte Paris ins heutige Marseille gelangt. An diesem Ort warten nicht nur deutsche Exilanten verzweifelt auf ein Transitvisum, es leben auch Familien aus dem Maghreb dort ohne Papiere. Und nun ist es so: Wenn Georg alias Franz an einer Bartheke einen Seitenblick aus halbgeschlossenen Augen wirft, und wenn er mit seiner nasalen Lispelstimme etwas rüberschnoddert, dann sind alle anderen Darsteller auf einmal nur noch Puppen, echt jetzt.

Es ist nicht nur die Art wie er spricht, es sind seine Blicke, seine Gesten, seine körperliche Präsenz, die die Leinwand aufzulösen scheinen und einen mitten in den Film zoomen. Kein Wunder also, dass nicht nur Berlin, sondern auch Frankfurt den „European Shooting Star 2018“ hoch und runter feiert. Die monatliche Reihe „Was tut sich – im deutschen Film?“ des Deutschen Filmmuseums könnte momentan auch „Was gibt’s neues – von Franz Rogowski?“ heißen, denn, wie gesagt – er ist überall dort, wo spannendes deutsches Kino ist. Nach FIKKEFUCHS von Jan Hendrik Stahlberg und LUX – KRIEGER DES LICHTS von Daniel Wild ist IN DEN GÄNGEN bei „Was tut sich?“ der dritte Film in nur einem halben Jahr mit ihm in einer Hauptrolle. Gestern präsentierten ihn Regisseur Thomas Stuber und Drehbuchautor Clemens Meyer, der vorab noch aus der literarischen Vorlage las.

Zwei Wochen vor Kinostart konnten Frankfurter/innen in Stubers und Meyers Großmarktwelt IN DEN GÄNGEN eintauchen. Das Setting: milde gesagt unglamourös, die Menschen: verschroben, verschlossen, verletzlich – und wortkarg bis zur Schmerzgrenze. Ihr Alltag ist geprägt von der kargen Architektur eines ostdeutschen Provinzmarktes, seinen festen Regeln, Zuständigkeiten und präzisen Ritualen, die sich auf die Menschen übertragen, oder umgekehrt: die sich diese Gemeinschaft geschaffen hat.

Darin begegnet „Frischling“ Christian (Franz Rogowski) der unglücklich verheirateten Marion (fantastisch wieder: die seit TONI ERDMANN gefeierte Sandra Hüller), „tanzt“ mit ihr auf Gabelstaplern durch die Gänge, tauscht Zärtlichkeiten beim Verräumen von Kühlhausfleisch aus und verliebt sich heftig in sie. Wieder sind es diese Blicke, die Gesten, das perfekte Timing, mit dem Rogowski hoch- oder hin- oder wegschaut – Hüller erwidert mal schelmisch, mal offen, dann irritiert. Mit den Gefühlen ist es nicht so einfach in den Gängen.

Für die Hauptrolle des Christian hat er nun verdient den Deutschen Filmpreis eingesackt – Leinwand frei für Franz Rogowski Superstar! IN DEN GÄNGEN kommt am 24. Mai in die Kinos.

Zur Startseite Mehr aus Filmblog

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen