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Film-Blog: Von der Kunst zu filmen, oder: Von den Künsten zu Filmen

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Foto: Wild Bunch Germany

Ein Werk von / über Bertolt Brecht? Düster, eher grau, hätte ich jetzt gesagt. Jedenfalls nicht pompös. Aber Joachim Langs Film über Brechts Film zur Dreigroschenoper (der nie entstand) ist genau das. Er ist knallbunt – und das haut rein. „Eine Fotografie sagt nichts über die Wirklichkeit aus. Es muss etwas Gestelltes entstehen, nämlich Kunst.“ Und in diesem, Brechts, Sinne strotzt MACKIE MESSER – BRECHTS DREIGROSCHENFILM (Kinostart: 13. September) nur so von Künsten: Theater, Gesang, Dichtung – und zu allem Überfluss auch noch Ballett.

Brecht hatte seine ganz genauen Vorstellungen davon, wie eine Verfilmung der Dreigroschenoper auszusehen hat. Regisseur Lang bediente sich für die Handlung seines Films nicht nur des Originalstücks, der Musik Kurt Weills und zahlreicher Zitate Brechts, sondern auch dessen Exposés für ein Drehbruch. Im Film wie auch im wirklichen Leben ist der Einfluss Brechts auf die Verfilmung seines Werks gering. Aber nun hat er die Rechte an seinem Material nun mal an den Filmproduzenten Seymour Nebenzahl abgetreten, und wer A sagt… „muss nicht B sagen! Er kann auch erkennen, dass A falsch war“, wendet Brecht noch ein, aber Nebenzahl zieht sein Ding durch, Brecht dafür vor Gericht, und verliert.

Langs Film ist nicht nur bunt und laut und schnell, sondern auch sehr vielschichtig – und deshalb nicht ganz unanstrengend. Ist das jetzt Realität, oder Brechts Fiktion, oder Langs Fiktion, also die eigentliche Erzählung? Und wie sehr ist die eigentlich geprägt von Brecht, dessen Werk und Gedankengut der Regisseur in- und auswendig kennt? Das Ensemble springt hin und her vom Berlin der 1920er Jahre in den Londoner Stadtteil Soho, Spielort der Verfilmung, und zurück, von Realität zu Fiktion zu Metafiktion.

Da geben Balletttänzer am Ufer der Themse eine romantische Choreographie, Mackie Messer und Polly singen sich ein Liebeslied und Brecht (gespielt von Lars Eidinger, dem die ewige Zigarre zwischen den Lippen in dieser Rolle vielleicht das Leben rettet) versichert Nebenzahl beim Spaziergang durchs fiktive Filmset: „Ein, zwei Monde genügen.“ Das Publikum der Preview im Kino des Deutschen Filmmuseums ist skeptisch: Hätte man im Sinne Brechts nicht eher schwarzweiß drehen sollen? Und was soll das mit dem Ballett? Ist das nicht viel zu kitschig? Tatsächlich will Lang mit all dem Kitsch die Oberfläche durchdringen, das Publikum herausfordern, wie auch Brecht es hätte tun wollen. Die übersteigerte Romantik ist ein Mittel, um die Filmproduktion hochzunehmen, die Illusion zu zerstören.
G.W. Pabst verfilmte Brechts Dreigroschenoper 1931, erst 1963 folgte eine Verfilmung durch Wolfgang Staudte. Nicht gerade eine große Zahl für ein so viel beachtetes Stück, dessen zentrale Aussagen nie an Aktualität verloren haben. Ob die Auseinandersetzungen Brechts mit der Filmindustrie einen ewigen Fluch auf die Verfilmbarkeit des Werks gelegt haben? Ob der Druck, es „richtig“ zu machen, viel zu hoch ist? Sollte es wirklich so sein, dann hat Joachim Lang mit seinem Film über das Problem einer Verfilmung einen guten Weg gewählt, der beim Publikum trotzdem noch – oder erst recht – aneckt: Wird Langs Fiktion der Wirklichkeit gerecht? Wenn man es mit Brecht halten will, wohl besser nicht, denn „die Widersprüche sind unsere Hoffnung.“

MACKIE MESSER – BRECHTS DREIGROSCHENFILM (DE 2018) kommt am 13. September in die Kinos. Persönliche Lieblingsszene: Britta Hammelsteins Seeräuber-Jenny!

 

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