Ex-Grüne Scheel droht mit Rücktritt bei Energieversorger HSE

Kaum im Vorstand des Energieversorgers HSE, schon die erste Rücktrittsdrohung: Die frühere Grünen-Politikerin Christine Scheel setzt Darmstadt als Anteilseigner des Unternehmens unter Druck - die Stadt will aber hart bleiben.

Chritine Scheel Darmstadt. Auftakt mit Paukenschlag: An ihrem dritten Tag im Vorstand des Energieversorgers HSE (Darmstadt) hat Christine Scheel schon mit Rücktritt gedroht. Die ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete ist am Freitag auf Konfrontationskurs gegen die Stadt Darmstadt eingeschwenkt, dem Hauptanteilseigner an der HSE. Scheel will verhindern, dass die Stadt ihre Anteile von derzeit rund 53 Prozent auf über 90 Prozent erhöht. Darmstadt will HSE-Anteile des Energieriesens Eon zurückkaufen.

"Wir wollen HSE zu einem Vorzeigeunternehmen entwickeln. Wir brauchen auf dem Energiemarkt eine Veränderung", sagte Scheel in Darmstadt. Die HSE brauche aber einen starken Partner mit Kapital. Weil Darmstadt verschuldet ist, könne ein größeres Engagement der Weiterentwicklung von HSE schaden, sagte Scheel: "Wir sehen das negativ." In dieser Position gebe es Einigkeit im Vorstand.

Die 55-Jährige hatte am Mittwoch das Vorstandsressort Nachhaltigkeit übernommen. Laut HSE ist sie die erste Frau und die erste Grüne im Vorstand eines bundesweit agierenden Energiekonzerns.

Darmstadt wird von dem Grünen-Oberbürgermeister Jochen Partsch geführt. Doch der Parteifreund war wenig begeistert, dass Scheel als Grüne in den HSE-Vorstand einzog. Er sprach ihr schon vor der Wahl die Kompetenz für den neuen Job ab. Am Rückkauf werde festgehalten, sagte Partsch in einer Reaktion. "Dies schließt einen strategischen Partner auch nicht aus."

Im HSE-Vorstand sitzen neben Scheel Holger Mayer (Finanzen, Controlling, Konzernentwicklung) und Andreas Niedermaier (Personal, Technik, Einkauf). Das Unternehmen ist vor allem in Hessen und Rheinland-Pfalz aktiv, will sich aber auch bundesweit weiter positionieren.

Der Energieversorger hat rund 800 000 Kunden. Er erwirtschaftete 2010 einen Konzerngewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 39 Millionen Euro. Das Unternehmen will bis 2015 rund eine Milliarde Euro in erneuerbare Energien investieren.

In der Grünen-Fraktion war Scheel zuletzt Mittelstandsbeauftragte. Zuvor war sie jahrelang finanzpolitische Sprecherin ihrer Fraktion und auch Vorsitzende des Finanzausschusses des Bundestags gewesen.

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