Fasten-Gedanken

Eigentlich …

…wollte ich es dieses Jahr bedächtiger angehen, das mit dem Fasten. Nicht das ich mich mit 59 Jahren noch groß beweisen müsste. Habe ich nicht in den letzten vier Jahren über einige Wochen hinweg Heilfasten praktiziert? Wider Erwarten klappte es jedes Mal sehr gut. Üblich ist es, innerhalb einer Gruppe mit Gleichgesinnten und einem medizinischer Beistand zu fasten. Daneben gibt es die Fastenheilwochen in speziellen Kliniken für viel Geld. Mein Ansatz war ein anderer. Da ich mich unmittelbar nach Aschermittwoch ganz freiwillig zu einer Magenspiegelung angemeldet hatte, war der leere Darm bestens für ein Heilfasten prädestiniert. Etwas bange war es mir schon. Aber als ich gelesen hatte, dass selbst ein Lehrer bei voller Ausübung seiner Tätigkeit Heilfasten praktiziert hatte, fing ich an.

Zugute kam mir der kleine, vierköpfige Pfarrhaushalt und die reiche Erfahrung eines älteren Mitbruders. Er selbst durfte als beinahe 80-Jähriger auf ärztlichen Rat hin nicht mehr fasten. Er versorgte mich mit viel Literatur heilender und spiritueller Art. Zwischendurch warf er mir bei Tisch immer wieder prüfende und wohlwollende Blicke zu und nach drei Wochen auch fragende. Diese mehr indirekte Begleitung motivierte und bestärkte mich sehr.

Die ersten drei Tage waren die schwersten. Danach gewann ich immer mehr an Motivation und verlor in den ersten Tagen das meiste Gewicht. Morgens und abends ernährte ich mich nur von Fastentee und Säften. Mittags gab es eine einfache Brühe. Sonst nichts. Dazwischen trinken, trinken, trinken …

Als quasi öffentliche Person bekam meine Gemeinde die "Fortschritte" Sonntag für Sonntag mit. Es gab viele anerkennende Worte, was mich zusätzlich stimulierte, aber nach drei Wochen auch mahnende und warnende Hinweise, es nicht zu "übertreiben". Da mich meine Hausärztin zwischendurch untersuchte und ein weiteres Fasten unbedenklich fand, setzte ich es fort, bis erste Schwindel auftraten und der Kreislauf absackte. Dies war dann der Punkt, das Heilfasten über drei Tagen hindurch nach ganz bestimmten Ernährungsschritten zu beenden. Jetzt wartete der größte Feind, die größte Herausforderung: der Jojo-Effekt.

Jetzt an neuer Stelle, mit einer Großküche des Missionshauses konfrontiert, wollte ich es verhaltener angehen. Eigentlich. Wäre da nicht der Anruf des Redakteurs gekommen, der mir sozusagen ein vorzeitiges Osterei mit dem Stichwort "Fastenerfahrungen" ins Nest gelegt hat. Das weiß ich schon jetzt, ab Aschermittwoch ist Alkoholgenuss und Süßes für mich tabu. Mal sehen, wie ich diesmal den Einstieg ins Heilfasten finde. Eigentlich möchte ich schon, aber wird es mir gelingen?

Pater Leo Wiszniewsky wird über die Fastenzeit einmal in der Woche einen Beitrag schreiben. Der Pallottinerpater ist seit 1. Oktober vergangenen Jahres in Limburg und Rektor des Missionshauses.

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