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Neue Chance für SunConcept
Insolvenzverwalter Jens Lieser ist zuversichtlich – Wie konnte es zur Millionen-Pleite kommen?
Das Wunder ist ausgeblieben: SunConcept hat beim Limburger Amtsgericht Insolvenzantrag gestellt – wie gestern von der NNP angekündigt. Insolvenzverwalter Jens Lieser will das international operierende Solar-Unternehmen fortführen und viele der 100 Arbeitsplätze retten.
Von Joachim Heidersdorf
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Die Solaranlage auf dem Dach der Limburger Friedrich-Dessauer-Schule – eines der Referenzprojekte von SunConcept. Elz. . Dem rasanten Aufschwung folgt der tiefe Fall: Die zahlungsunfähige Unternehmensgruppe SunConcept kann nur in einem Insolvenzverfahren fortgeführt werden. Der vorläufige Insolvenzverwalter Jens Lieser sieht darin eine realistische Chance für die Zukunft von SunConcept. "Ich bin optimistisch", sagte der Rechtsanwalt gestern der NNP. Der Geschäftsbetrieb der Gruppe, die Photovoltaikanlagen plant, produzieren lässt, installiert und in Betrieb nimmt, läuft vorerst ohne Einschränkungen weiter.
Lieser hat am Mittwochmorgen in der sonnengelben Firmenzentrale im Elzer Gewerbegebiet die Arbeit aufgenommen. Nach wenigen Stunden sah der Koblenzer sich logischerweise nicht in der Lage, über die Gründe der Pleite und Auswege aus der Krise zu sprechen. "Ich weiß noch nicht, was in der Vergangenheit schiefgelaufen ist und was derzeit läuft", sagte Lieser.
An Spekulationen werde er sich jedenfalls nicht beteiligen. "Meine Aufgabe ist es, dass das Unternehmen am Markt bleibt. Ich werde versuchen, alle 100 Arbeitsplätze zu erhalten oder wenigstens eine möglichst große Zahl. Diesem Ziel ordne ich alles unter", betonte der Insolvenzverwalter.
Der Fachmann glaubt, dass er frühestens in drei bis vier Wochen verlässliche Fakten für ein Sanierungsprogramm vorlegen kann. Bis dahin will er sich mit seinem Team einen tieferen Einblick in die SunConcept Gruppe verschaffen und mit möglichen Investoren sprechen.
Drei Gehälter gesichert
Durch das von der Bundesagentur für Arbeit gezahlte Insolvenzgeld sind die Löhne und Gehälter der Belegschaft bis März gesichert. Die Beschäftigten hatten für Januar noch kein Geld bekommen.
Die Mitarbeiter können auch aufgrund der Auswahl des Insolvenzverwalters Hoffnung schöpfen. Jens Lieser genießt in Fachkreisen einen hervorragenden Ruf. Er ist dafür bekannt, dass er auf Kontinuität und nicht auf eine schnelle Verwertung ausgerichtet ist. Die Koblenzer Kanzlei gehört seit 40 Jahren zu den führenden Insolvenzspezialisten in Rheinland-Pfalz und hat schon mehr als 3000 Insolvenzverfahren unterschiedlicher Größe betreut.
Die SunConcept Gruppe hat wegen Überschuldung für alle sieben Gesellschaften, die unter dem Dach der Holding AG operieren, Insolvenzanträge gestellt. Auslöser sind zwei seit Jahresbeginn zahlungsunfähige GmbHs – die SunConcept Handels GmbH, die lediglich aus zwei Mitarbeitern (den beiden Geschäftsführern Thomas Ahlbach und Ralf Metz) besteht, und die Projektgesellschaft (die SunConcept GmbH mit den Geschäftsführern und Firmengründern Oliver Echternach und Michael Schmidt).
Das Unternehmen hat nach Informationen dieser Zeitung bei zwei heimischen Sparkassen insgesamt acht Millionen Euro Schulden; bei einer ist die Landesbank Baden-Württemberg als Konsortialpartner beteiligt. Die Kreditverträge waren zum Jahresende ausgelaufen.
Die Banken, die in solchen Fällen immer gerne als Sündenböcke dargestellt werden, trifft nach Recherchen dieser Zeitung keine Schuld am bitteren Ende. Insider machen in erster Linie betriebswirtschaftliche Fehler der vier Chefs für die Pleite verantwortlich – jedenfalls mehr als den von Lieser genannten verschärften Wettbewerb aus Fernost und die sinkende Einspeisevergütung, die zu erheblichen Umsatzeinbußen führten.
Bis zuletzt fehlten die Fakten, wie es um die maroden Finanzen tatsächlich bestellt ist; von einem Sanierungskonzept für die 2004 gegründete Firma ganz zu schweigen. In der vom Insolvenzverwalter verbreiteten Pressemitteilung liest sich das freilich ganz anders. Danach waren das Umsteuern des Managements, die Bemühungen um eine angepasste Kostenstruktur und die Verhandlungen mit Investoren wegen der Kurzfristigkeit erfolglos. Langjährige Beobachter haben einen anderen Eindruck: "Bei SunConcept herrschte ein unglaubliches Durcheinander, in dem keiner den Überblick hatte", sagte uns gestern ein Beteiligter. Und weiter: "Die Geschäftsführer sind an ihrer Überheblichkeit gescheitert." Damit spielte der Experte allerdings nicht auf den Lebensstil und den imposanten Fuhrpark der Manager an, über den nun natürlich kräftig gelästert wird, sondern auf ihre "Beratungsresistenz".
"Überheblichkeit"
Die Verantwortlichen sollen bis Herbst alle gut gemeinten Hinweise auf die wirtschaftliche Schieflage ignoriert und stattdessen auf einen großen Investor für die Gruppe gehofft haben. Eine der betroffenen Sparkassen drängte den Vorstand Ende November, einen Unternehmensberater einzusetzen, um endlich Ordnung in die Finanzen zu bringen. Die Geschäftsführer ließen jedoch vier Wochen ungenutzt verstreichen. Als die externe Hilfe dann "Vor den Eichen" antrat, war es schon zu spät. Der letzte Rettungsversuch mit allen Beteiligten scheiterte am 19. Januar.
Das angestrebte Angebot eines Investors, der die Schulden angeblich für vier Millionen Euro ablösen wollte, ist nicht zustande gekommen. Stattdessen gab es später eine wesentlich schlechtere Offerte, die die Geldinstitute dem Vernehmen nach als Zumutung empfinden mussten. Ein Investor war bereits im Frühjahr 2011 bei der Projektgesellschaft eingestiegen.
Jens Lieser zeigte sich gestern zuversichtlich, den Unternehmensverbund mit Hilfe der Insolvenzverordnung in einem eröffneten Verfahren und unter Einbeziehung der Gläubiger "im Kern sanieren und für die Zukunft fit machen" zu können. Ziel sei die Fortführung der profitablen Einheiten des Solaranbieters – welche Sparten er damit meint, wollte Lieser im Gespräch mit der NNP nicht sagen.
"Das ist alles noch zu früh", antwortete der Insolvenzverwalter auch auf weitere Fragen – wie etwa danach, inwieweit die angeblich hohen Außenstände zur Refinanzierung herangezogen werden können. Welche Garantieansprüche die Kunden im Insolvenzverfahren haben, kann nach seinen Angaben nicht pauschal bewertet werden. "Das kommt darauf an, was im Einzelfall vertraglich vereinbart ist.
Lieser will nun die Belegschaft in Kürze auf einer Betriebsversammlung über die weiteren Schritte informieren. Der Anwalt sieht gute Perspektiven, weil die Investition für Kommunen und Privathaushalte in erneuerbare Energien seiner Meinung nach weiter Sinn macht.
Der Streit über Sinn und Unsinn der Förderung der Sonnenenergie beherrschte gestern die Online-Foren. Der exklusive NNP-Bericht über die Pleite einer weiteren Solarfirma machte bundesweit Schlagzeilen.



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