08.06.2010 Lokales Flörsheim

Baustellenfest sorgt für Ärger 1 Kommentare

„Für Flörsheim“ reagiert mit Süffisanz auf eine geplante Veranstaltung des Flughafenbetreibers

So soll die Landebahn Nord-West nach ihrer Fertigstellung aussehen. Foto: dpa So soll die Landebahn Nord-West nach ihrer Fertigstellung aussehen. Foto: dpa

Mit bewegenden Worten kommentiert Vereinschef Hans Jakob Gall das Fraport-Sommerfest auf der künftigen Landebahn Nord-West.

Flörsheim. Trotzig, motzig, ironisch-sarkastisch, gereizt – so könnte der jüngste Protest der Flörsheimer Bürgerinitiative «Für Flörsheim» gegen den Flughafenausbau abgetan werden. Grund für die harschen Worte des «Für Flörsheim»- Vorsitzenden Hans Jakob Gall ist das Sommerfest der Fraport AG, das am 19. Juni stattfindet.

«Leichenteile in Beton»

Die Fraport feiert ihr Sommerfest nämlich auf der künftigen Landebahn Nord-West. Unter der Überschrift «Zukunft ausbauen . . . Der Countdown läuft: Noch 1 Jahr, 4 Monate, 14 Tage, 6 Stunden» heiße es in der Einladung des Flughafenbetreibers mit den weiteren Worten ein: «. . . lade ich Sie herzlich ein, am Samstag, dem 19. Juni 2010, ab 18 Uhr mit uns auf der zukünftigen Landebahn Nordwest unser traditionelles Sommerfest zu feiern. Freuen Sie sich mit uns auf das einmalige Erlebnis, Baustellenatmosphäre der besonderen Art zu schnuppern» zu der Feier ein.

«Für Flörsheim»-Chef Hans Jakob Gall meint dazu in seiner bekannt ironischen Art: «Ja, so ist es: Eine Baustellenatmosphäre der besonderen Art. Ohne Gefühl für die Ängste vieler Tausend Nachbarn des Flughafens feiern sie mit makabren Freudentänzen den Ausbau der Zukunft: Mit Sekt und Wildlachs und Bier und argentinischen Steaks feiern sie über den einbetonierten Leichenteilen eines Bannwalds mit mehr als einer Million Bäumen, unter einem Himmel ohne Vogelflug, auf einer sterilen Lichtung ohne jedes tierische und pflanzliche Leben.» Weiter heißt es in einer Mitteilung des Vereinschefs: «Sie feiern unter dem frenetischen Jubel einer elitären, ihr Geld essenden Gesellschaft beim Abzählen des Countdowns mit noch 43 480 800 Sekunden die verbleibende Zeit bis zur ersten Landung eines Flugzeugs auf der Nordwestbahn, dem Hunderte jeden Tag folgen werden, gleich ob sie von Osten oder Westen her einfliegen.» Denn die Zukunft werde ausgebaut formuliert Hans Jakob Gall sarkastisch: «Hier im Kelsterbacher Wald für eine Landebahn, dort in den Regenwäldern von Amazonien für Weideflächen für Rinder, dort in Indonesien für die Anlage von Palmöl-Plantagen und dort in den Tiefen des Golfs von Mexiko für die Förderung von Rohöl.»

Die Zukunft werde ausgebaut, «für die Zukunft der Menschen, denen diese Welt heute schon Angst macht, die sie aber flüchten lässt mit dem A 380, der modernen Arche Noah, die sie flüchten und vor Angst in die Welt fliegen lässt, weil sie wissen, dass nach ihnen die Sintflut kommt und weil sie diese nicht aufhalten können».

«Wut und Trauer»

Der Ausbaugegner legt dann seine ganze Gefühlswelt offen: «Lasst sie feiern. Doch der 19. Juni sollte für uns, die wir den Countdown bis zur ersten Landung eines Flugzeugs auf der Nordwest-Landebahn zu fürchten haben, ein Tag voller Wut und Trauer sein. Ein Tag des stillen Widerstandes mit dem festen Willen und Einsatz, denen da drüben nicht alles durchgehen zu lassen, was machbar ist.»

Sicher sei, dass Fluglärm auf Dauer krank mache. Diese Erkenntnis müsse Berücksichtigung in der Gesetzgebung finden. Zudem müsse ein Nachtflugverbot von acht Stunden, von 22 bis 6 Uhr zur Gewährleistung eines gesunden Nachtschlafs eingeführt werden. «Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn wir damit keinen Erfolg hätten», erklärte abschließend Hans Jakob Gall. meh meh

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Kommentare

gast gast schrieb am 08.06.2010 11:47 Uhr

Tonnenweise Moral

Ach Herrje. Tonnenweise Moral und kein Ende. Jahrelang Geld verschleudern und Illusionen säen. Und dann bleibt nur noch bitterer Spott.
Und das bescheidene Restziel: Nachtflugverbot.

Darf man es schon laut sagen? Diese Bürgerinitiative hat Null erreicht. Ob "Stiller Protest" oder der Demonstrationsflug mit einem Miniflugzeug. Ob Petitionen oder Demonstrationen. Und nach Klagen jetzt das beklagen.
Andere waren da schlauer. Sie ernteten reichlich: Lärmschutz, Infrastruktur, High-Tec Schwimmbad.

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