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Die Angst vor dem nächsten Anschlag
Beschmierte Häuser und Autos, machtlose Strafverfolger – Protokoll einer Serie von Straftaten
Eine Familie ist verzweifelt. Mindestens 23 Vandalismus-Anschläge wurden auf sie verübt. Die Geschädigten glauben zu wissen, wer der Täter ist – die Strafverfolger sind sich da nicht so sicher. Und der Beschuldigte weist alle Vorwürfe zurück.
Frankfurt. ![]()
Aufnahme einer Überwachungskamera: Der linke Täter hält die Sprühlanze, der rechte den Behälter mit der Teerfarbe. Foto: Polizei In der Nacht zum gestrigen Freitag gab es eine weitere Schmierattacke auf das Haus der Familie Metzler. Es war der zehnte Anschlag auf das Anwesen in Friedrichsdorf. Bemerkenswert an dieser Anschlagserie ist, dass sich die Geschädigten "1000-prozentig sicher" sind, wer hinter den Schmierereien steckt. Sie halten einen Mann aus Weilrod für den Täter, der früher in einer Wohnung der Metzlers lebte. Der 44-Jährige ist vorbestraft, unter anderem wegen Körperverletzung, versuchten Betrugs, Telefonterrors und Beleidigung einer Amtsanwältin. Doch der Familie sind die Hände gebunden – es gibt neben ihren Mutmaßungen keine echten Beweise, die den oder die Täter überführen könnten.
Der geht äußerst professionell vor bei seinen Attacken, wie eine Aufzeichnung der Überwachungskamera auf dem Anwesen vom Oktober letzten Jahres zeigt: Im Schutze der Nacht, um 4.25 Uhr, schleichen sich zwei Männer vor das Mehrfamilienhaus. Beide sind in Ganzkörper-Overalls gehüllt und perfekt getarnt. Der erste Mann hält eine meterlange Sprühlanze in den Händen, der zweite pumpt Luft in den angeschlossenen Behälter mit Teerfarbe. Als sich ein Auto nähert, ducken sich die Männer kurzzeitig weg. Dann fangen sie zu sprühen an: Sie überziehen die makellose Fassade mit schwarzem Gekritzel, außerdem die Fenster, den Briefkasten, die Eingangstür.
Alle Geschädigten gehören zur Familie Metzler oder stehen mit ihr in Verbindung: Die Mutter der Metzlers wohnt in Bornheim. Vier Mal war ihr Haus in der dortigen Freiligrathstraße schon Ziel eines Farbanschlags. Die Frau ist mittlerweile so verzweifelt, dass sie das Gebäude gar nicht mehr reinigen lässt. Ebenso hält es die Familie des Sohns in Friedrichsdorf. "Wenn wir es säubern lassen, wird unmittelbar danach doch wieder alles beschmiert", sagt der Besitzer. Der Wohnsitz eines Rechtsanwalts der Familie im Dornbusch wurde auch zwei Mal verunstaltet, das Haus von Freunden der Metzlers in Friedrichsdorf ein Mal.
Insgesamt sollen der oder die Täter seit April 2009 mehr als 23 Farbattacken in Frankfurt und Friedrichsdorf verübt haben. Der geschätzte Schaden liegt bei mehr als 300 000 Euro. Die Polizei ist ratlos – die Geschädigten haben für sachdienliche Hinweise eine Belohnung von 3000 bzw. 1000 Euro ausgesetzt.
Der Mann, den die Metzlers in Verdacht haben, ist kein unbeschriebenes Blatt. Weil der ehemalige Mieter der Familie Frau Metzler ins Gesicht getreten hatte, wurde der Mann vor dem Bad Homburger Amtsgericht zu acht Monaten auf Bewährung, einer Zahlung von 10 000 Euro an gemeinnützige Einrichtungen und einem dreijährigen Kontaktverbot verurteilt.
Streit über Miete
Der 44-Jährige hatte mit seiner Partnerin, der damaligen Hauptmieterin, in der Wohnung der Metzlers gelebt. Irgendwann kam es zum Streit mit den Vermietern, der sich unter anderem an einer moderaten Mieterhöhung entzündet haben soll; die Auseinandersetzung eskalierte und gipfelte schließlich in einer Räumungsklage.
Nachdem diese eingereicht war, wurde im April 2009 der erste Farbanschlag gegen die Metzlers verübt. "Am frühen Morgen weckte uns der Zeitungsbote und sagte, er könne die Zeitung nicht einwerfen", erzählt Sigrid Metzler. Beim Blick nach draußen habe sich herausgestellt, dass Hauswand, Garage und Boden von einer klebrigen Teermasse überzogen waren. In den folgenden Monaten wurden auch Häuser und Autos von Personen beschmiert, die mit den Metzlers und den Gerichtsverfahren zwischen ihnen und ihrem Prozessgegner zu tun hatten. Die Hauptgeschädigten installierten Überwachungskameras, deren Aufnahmen unter dem Schlagwort "SoKo Mickriger Mann" bei YouTube eingestellt wurden.
Zynische E-Mails
Durch die Videos geistert ein vermummter Mann im weißen Maleranzug, an dessen Körperbau und Bewegungen die Geschädigten den Verdächtigen eindeutig zu erkennen glauben. E-Mails mit zynischem Inhalt, die der 44-Jährige versandte, werten sie ebenfalls als Beleg für dessen Täterschaft.
Auch auf den direkten zeitlichen Zusammenhang zwischen bestimmten Ereignissen wie Gerichtsstrafen und den Farbanschlägen weisen die Anschlagsopfer hin: So war es auch bei dem aktuellen Anschlag vom Freitag. Am Donnerstag war ein Urteil gegen den ehemaligen Mieter wegen säumiger Mietzahlungen ergangen. Im September 2011 wurde der 44-Jährige zur Zahlung von 4000 Euro Schadensersatz verurteilt, weil er beim Verlassen der Metzler‘schen Wohnung einen Trümmerhaufen hinterlassen hatte. Unmittelbar danach wurde der Wohnsitz des Rechtsanwalts der Familie beschmiert. Dass der von ihnen verdächtigte Mann hinter den Anschlägen steckt, hält Familie Metzler für "so sicher wie das Amen in der Kirche".
Sie haben die Strafverfolger mit allen Informationen versorgt, über die sie verfügen. Getan hat sich bislang aber nicht viel. "Die Mühlen der Justiz arbeiten quälend langsam, außerdem hat man es bei Polizei, Amts- und Staatsanwaltschaft immer wieder mit neuen Ansprechpartnern zu tun", stöhnt einer der Geschädigten. Sigrid Metzler kritisiert, dass die teilweise schon eingestellten Verfahren zu den Anschlägen bislang nur separat bearbeitet worden seien. "Es wäre dringend nötig, die Fälle zusammenzufassen und zu vergleichen – denn die Handschrift ist immer dieselbe."
Thomas Bechtel, Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft, betont, dass bislang "kein zur Anklage nötiger hinreichender Tatverdacht" vorgelegen habe.
Ein kleines Detail allerdings könnte dem Täter doch noch Ärger bereiten – die Polizei bittet um Hinweise auf den Besitzer eines Kettenanhängers, der am Tatort in der Friedrichsdorfer Spießfeldstraße gefunden wurde. Das schlichte Stück ist oval und trägt die Aufschrift "my pearl".
Villa unter Wasser
Die Metzlers haben den 44-Jährigen, der eine Beteiligung am Vandalismus abstreitet, auch im Verdacht, im Juli 2011 in ihr Haus eingebrochen zu sein. Der Täter beschmierte die Hauswände und überschwemmte Erdgeschoss, Souterrain und Keller – insgesamt 240 Quadratmeter – mit einem Gartenschlauch.
Der Beschuldigte hingegen sieht sich als Opfer böswilliger Verleumdungen.
Ein gutes Ende dieser Geschichte scheint weit entfernt. . .
Wer Hinweise auf den oder die Täter hat, soll sich unter der Telefonnummer (0 61 72) 12 00 an die Polizei wenden.



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