SunConcept ist pleite

Der Vorstand hofft noch auf ein Wunder in letzter Sekunde – Mehr als 100 Mitarbeiter betroffen

Jahrelang strahlte die Sonne immer kräftiger über SunConcept in Elz, das Unternehmen für regenerative Energiesysteme expandierte in rasantem Tempo. Doch seit Wochen pfeifen es die Spatzen von den (Solar-)Dächern, dass die international operierende Gruppe massive Finanzprobleme hat. Jetzt geht die Sonne unter: Bei SunConcept wird es zumindest vorläufig zappenduster.

Von Joachim Heidersdorf

Elz. Die Solaranlage auf dem Dach der Limburger Friedrich-Dessauer-Schule – eines der Referenzprojekte von SunConcept.Immer mehr. Immer schneller. Immer größer. Die Entwicklung von SunConcept kannte seit der Gründung vor knapp acht Jahren nur eine Richtung: nach oben. Bis zum vergangenen November. Die Trendwende nach unten geschah von da an noch rasanter. Mit aller Macht stemmte sich der vierköpfige Vorstand gegen den tiefen Fall. Bislang vergebens. SunConcept ist pleite. Wenn heute nicht noch ein Wunder geschieht, muss die hochverschuldete Firma Insolvenz anmelden.

Bis gestern klammerten sich die Geschäftsführer an einen Strohhalm – in Form eines Investors aus Übersee. Das neue Angebot konnte die Bank allerdings ebenso wenig überzeugen und umstimmen wie alle vorangegangenen Versuche, die Kredite abzulösen. Die Chefs wollen trotzdem nicht aufgeben. "Wir sehen noch eine Lösung, um das Unternehmen für einen Übergangszeitraum fortführen zu können", hieß es gestern Abend aus der Chefetage. Diese Lösung könnte eine sogenannte "geordnete Insolvenz" sein.

Nach Informationen dieser Zeitung stehen zwei Gesellschaften zwei heimischen Sparkassen mit rund acht Millionen Euro in der Kreide. Als Konsortialpartner ist auch die Landesbank Baden-Württemberg beteiligt.

Januar-Gehälter offen

Am Montagnachmittag informierten die Verantwortlichen die derzeit etwas mehr 100 Mitarbeiter in der sonnengelb gestrichenen Firmenzentrale im Elzer Gewerbegebiet über verschiedene Optionen. Den Beschäftigten war der Ernst der Lage bewusst. Sie warteten am 6. Februar noch auf ihre Januar-Gehälter. Die Löhne sind vertraglich zwar erst bis zum Zehnten des Folgemonats fällig, wurden in der Vergangenheit jedoch in der Regel zum Monatsende gezahlt.

Außer den beiden Banken soll es keine größeren Gläubiger geben. Leidtragende einer Pleite könnten freilich auch Kunden sein, weil für die Gewährleistungsansprüche kein Garantiegeber mehr da wäre.

Der Aufsichtsrat der SunConcept Holding AG, unter deren Dach sieben Gesellschaften operieren, ist nach NNP-Informationen zurückgetreten.

Wie geht es jetzt weiter? Diese Frage bleibt offen. Natürlich kann SunConcept – Systemanbieter für regenerative Energiesysteme mit dem Schwerpunkt Solaranlagen – auch in der Insolvenz fortgeführt werden. Die Aussichten auf neue Investoren oder eine Übernahme sind allerdings viel schlechter als noch vor einem Jahr. "Die Photovoltaik gehört derzeit zu den industriellen Problemkindern in Deutschland", meldete gestern die FAZ. "Durch die Konkurrenz aus China ist die Branche in wirtschaftliche Not geraten", berichtete Mitte Januar der Spiegel. Alleine im Dezember mussten zwei große deutsche Firmen Insolvenz anmelden.

Nun ist auch in der Region eine Solar-Blase geplatzt.

Kredite nicht verlängert

Über die Ursachen gehen die Meinungen weit auseinander. Einer der Geschäftsführer sagte der NNP, die Banken seien "übernervös" geworden und nicht mehr kompromissbereit gewesen. Es habe Investoren gegeben, die die Forderungen der Geldinstitute kaufen wollten.

Doch zu welchen Konditionen?! Angeblich sollen die Offerten völlig indiskutabel gewesen sein. Nachdem die Darlehensverträge ausgelaufen sind und die Sparkassen die Kredite fällig gestellt haben, war SunConcept zahlungsunfähig.

Manche Beobachter machen das Management mitverantwortlich für das Desaster. "Die waren total überfordert", hörten wir regelmäßig bei unseren Recherchen.

Tatsache ist wohl, dass die betriebswirtschaftlichen Strukturen dem schnellen Wachstum der Unternehmsgruppe nicht angepasst wurden. Dem Vernehmen nach fehlte in dem Konglomerat verschiedener Gesellschaften der (finanzielle) Überblick für das große Ganze.

Oliver Echternacht und Michael Schmidt hatten 2004 beim Kirmes-Frühschoppen in Holzappel die (Bier-)

Idee, die sich als Volltreffer erwies. Der Handwerksbetrieb für Planung und Vertrieb von Solaranlagen entwickelte sich sehr schnell weiter; 2007 kamen Montage und Service, 2010 Tochtergesellschaften in Italien, England und Südafrika hinzu. Die im Dezember 2010 gegründete Holding AG bildet das Dach der Gruppe. Vorstände und Gesellschafter sind neben Michael Schmidt und Oliver Echternacht Thomas Ahlbach und Ralf Metz.

Auch Sportvereine betroffen

SunConcept machte als guter Arbeitgeber und Sponsor von sich reden: ganz groß, wie es zur Unternehmensphilosophie passte, beim Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, sowie bei den regionalen sportlichen Aushängeschildern TUS Holzheim, RSV Würges und Eisbachtaler Sportfreunde. Auch für die heimischen Vereine wird die Pleite Konsequenzen haben.

Daneben unterstützte die Firma viele Veranstaltungen und natürlich sonnten sich auch viele Politiker im Glanz der zukunftsträchtigen und energiefreundlichen Solar-Gruppe; der hessische Grünen-Chef Tarek Al-Wazir ebenso wie die damalige hessische Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU).

Anfang oder Ende?

Beim "Tag der Nachhaltigkeit" der Landesregierung in den Firmenräumen verkündete Geschäftsführer Thomas Ahlbach zuversichtlich: "Wir stehen gerade erst am Anfang." Das war im Herbst 2010 – nur ein Jahr später begann das vorläufige Ende.

Kenner der Szene glauben, dass die Solarenergie für Investoren nach wie vor hochrentabel sein kann. Und auch in der Region beweisen mehrere erfolgreiche Betriebe, dass dieses Geschäftsmodell weiter Zukunft haben kann. Die Photovoltaik bleibt – ungeachtet des Streits über ökologischen und ökonomischen Sinn und Unsinn – jedenfalls ein wichtiges Thema im Energiemix. Für die gut 100 Beschäftigten bei SunConcept und ihre Familien gibt es also noch Hoffnung.

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