Bei Bernstein wackelte kein Ton

Musik von Elton John bis zum König der Löwen

Chöre aus Kriftel, Gründau und Nauheim sorgen für "American Feeling" in der Schwarzbach-Halle.

Von Lutz Riehl

Kriftel. Vier Chöre von Kriftel bis Gründau wandelten auf den Spuren von Leonard Bernstein. Foto: Nietner"We want to be happy, but we won’t be happy till we make you." Das heißt so viel wie: Wir möchten glücklich sein, sind es aber erst, wenn wir Dich glücklich gemacht haben. Dieser Satz findet sich auf der ersten Seite des Programmheftes zum gemeinsamen Konzert des Kammerchors Quintessenz Kriftel, des Gemischten Chors Eintracht Mittel-Gründau, sowie des Frauenchores Mittendrinn und des Gemischten Chores Eintracht aus Nauheim. Soviel sei vorweggenommen, das obige Zitat war Programm.

Unter der Leitung von Alexander Grün, der allen vier Chören als Dirigent vorsteht, hatten am Sonntag gut 120 Sängerinnen und Sänger in der Schwarzbach-Halle vor voll besetzten Reihen ein gut 90minütiges Programm aus Pop und Swing präsentiert, das das Publikum von Kriftel in die Staaten und wieder zurück führte. Das Motto lautete "I Like To Be In America". Dieser berühmte Titel aus Leonard Bernsteins Musical "West Side Story" bildete dann auch die kraftvolle Eröffnung des Konzertes. Bereits hier konnten sich die Zuhörer davon überzeugen, dass sich die einjährige Vorbereitungszeit gelohnt hatte – da wackelte kein Ton, der Text war schön verständlich und der Chorklang ausgewogen.

Bei aller musikalischen Präzision kam aber auch die pure Freude am Singen nicht zu kurz. Noch deutlicher wurde das an der zweiten Nummer "Dream a Little Dream Of Me", bei der sich Neicy Ackermann als Solistin für weitere sängerische Aufgaben bestens empfehlen konnte, der Chor begleitete sie in einfühlsamer Zurücknahme, ohne dabei aber den nötigen Swing zu vergessen.

Bukowski und Co.

Doch nicht nur musikalisch bekam das Publikum an diesem Abend einiges geboten, zwischen den einzelnen Beiträgen trug Verena Blecher gekonnt literarische Texte vor, die sich mal mehr mal weniger direkt mit dem Themenkreis Amerika beschäftigten. Die Bandbreite der rezitierten Autoren reichte dabei von Arthur Schnitzler über Charles Bukowski und James Thurber bis hin zu Mark Twain und Joachim Ringelnatz, darüber hinaus brachte Blecher auch eigene Texte zu Gehör. Aber auch die Freunde deutschen Chorgesangs sollten nicht zu kurz kommen, sie durften sich über die Lieder "Liebling, mein Herz läßt dich grüßen" und "Guter Mond" freuen. Insbesondere letzteres konnte durch seinen kraftvollen Ausdruck überzeugen, der gerade bei diesem, fast ausschließlich im piano gesungenen Stück, sehr gut zur Geltung kam. Ganz andere Klänge waren bei "Mr. Sandman" zu hören, bei dem die Chöre im klassischen Swing der 1950er Jahre regelrecht schwelgen konnten und dies auch ausgiebig taten. Mit "Smile" von Charles Caplin, einem äußerst anspruchsvollem A-cappella-Stück des Jazz, lieferten die Sänger ein Glanzstück ab, bei dessen Darbietung handwerklich wie interpretatorisch keine Wünsche offen blieben. Mitreißend gestaltete sich Kirby Shaws Medley mit Songs aus den 60er Jahren, bei denen auch "California Dreamin’" und "Monday, Monday" nicht fehlten. Eindrucksvoll geriet auch die Darbietung von Billy Joels "Lullabye" aus dem Jahr 1993. Ein weiterer Höhepunkt erwartete das Publikum mit Elton Johns Pop-Ballade "Can You Feel The Love Tonight" aus dem Film "König der Löwen". Was sich im Original als ein ebenso schlichtes wie eindrucksvolles Lied gestaltete, entpuppte sich hier als kraftvoll pulsierende Hymne, bei der der Chorklang wunderschön zur Geltung kam.

Selbst das gelungene Schluss-Medley konnte mit Songs wie "I Want To Be Happy", dem auch der eingangs zitierte Satz entstammt, und "Tea For Two" stand hinter der Elton John Ballade ein wenig zurück. Für den begeisterten Applaus bedankten sich die Ensembles, die in idealer Weise von Frank Rosenberger (Klavier), Christian Keul (Bass) und Martin Standke (Schlagzeug) unterstützt wurden, mit einem sechsstimmigen Arrangement von "Somewhere Over The Rainbow", das auch als Homage an die anwesende 91 Jahre alte Sängerin Maria Mucke erklang. Schöner kann man eine große Künstlerin nicht ehren.

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