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Casting für die "Alten-WG"
Ex-Pfarrer Georg Pape war Initiator für ein generationenübergreifendes Wohnprojekt
Weil es in der Wein- und Sektstadt an Unterstützung fehlte, wird der Neubau in Ginsheim realisiert.
Von Sascha Kröner
Hochheim. ![]()
Pfarrer Georg Pape Was lange währt, wird endlich gut – wenn auch völlig anders gedacht als ursprünglich geplant. Der Verein "Lebensalter" hat 16 Jahre lang versucht, ein generationenübergreifendes Wohnprojekt in der Wein- und Sektstadt auf die Beine zu stellen. Nun soll das Bauvorhaben in der Gemeinde auf der anderen Seite des Main, in Ginsheim-Gustavsburg, umgesetzt werden. Der Grund dafür: Wenn die Initiatoren am Standort Hochheim festgehalten hätten, würden die Mitglieder heute noch warten, ist sich der Zweite Vorsitzende, der Theologe und ehemalige evangelische Pfarrer Georg Pape sicher.
Verschiedene Grundstücke waren damals in Hochheim im Gespräch. Zuletzt hoffte der Verein, auf dem ehemaligen Möbel-Busch-Gelände am Dresdner Ring unterzukommen. Ein Mainzer Hochschulprofessor habe ein Konzept für dieses Areal vorgelegt, in dem ein Gebäudekomplex für das Wohnprojekt eingeplant war, berichtet Georg Pape. Getan habe sich aber nichts.
"Das Gelände liegt seit sechs Jahren brach", erklärt der ehemalige evangelische Pfarrer. Kein Wunder also, dass der Verein in anderen Kommunen seine Fühler ausstreckte. "Wir mussten uns parallel Optionen offen halten", erläutert Pape. Der Verein, der aus dem Freundeskreis einiger Familien entstand, war bei der Umsetzung seiner Idee immer auf Partner angewiesen. Die Gemeinschaft sei nicht finanzkräftig genug gewesen, um die Idee alleine zu verwirklichen. Hinzu komme, dass bei einem solchen Projekt der Rückhalt aus der Politik notwendig sei. "Es muss ein politischer Wille da sein", sagt Georg Pape. In Hochheim sei diese Unterstützung nicht besonders ausgeprägt gewesen.
Partner gefunden
Jetzt steht der Baubeginn bevor. Ab März sollen drei Gebäude – die insgesamt 19 Wohnungen umfassen – auf einem rund 2000 Quadratmeter großen Eckgrundstück in Ginsheim entstehen. Dort fand der Verein nicht nur politische Unterstützer: Mit der Baugenossenschaft Mainspitze gewann der Verein "Lebensalter" einen Kooperationspartner für den Bau seiner Wohnanlage. Die Baugenossenschaft errichtet die Wohnhäuser mit einer Gesamtwohnfläche von rund 1634 Quadratmetern. Geplant sind zwei Gebäude mit jeweils drei Obergeschossen, die durch ein Treppenhaus verbunden sind, sowie ein frei stehendes Gebäude mit zwei Obergeschossen. Im Erdgeschoss des Doppelhauses lässt der Verein einen Gemeinschaftsraum für die Mieter einrichten. Das Projekt wird ohne öffentliche Gelder verwirklicht. Mieter zahlen ein Darlehen in Höhe von 500 Euro pro Quadratmeter, um die Finanzierung zu erleichtern. Das Geld wird später von der Baugenossenschaft zurückgezahlt. Mittlerweile sind elf von 19 Wohnungen belegt. Alle Mieter müssen dem Verein "Lebensalter" beitreten und werden von den Mitgliedern ausgewählt. "Wir machen eine Art Casting", erklärt Georg Pape. Die sorgfältige Auswahl der künftigen Bewohner soll ein möglichst reibungsloses Zusammenleben garantieren.
Junge Familien fehlen
Der Verein reagiert mit seinem Wohnprojekt auf den demografischen Wandel und veränderte Familienstrukturen. Die Ursprungsidee sei gewesen, einen künstlichen Verband zu schaffen, in dem sich junge und alte Menschen ergänzen. Georg Pape könnte sich vorstellen, dass Senioren jungen Familien als Babysitter zur Verfügung stehen, während diese wiederum bei Einkaufsfahrten oder Arztbesuchen aushelfen. Soweit die Theorie. Weil bisher aber keine jungen Familien Interesse an einer Beteiligung an dem Projekt zeigten, hat sich der Fokus verschoben. "Dann ist es eben erst mal eine Alten-WG", sagt Georg Pape, der mit seiner Frau in eines der Wohnhäuser einziehen wird. Am Grundgedanken möchte er dennoch festhalten. Die generationenübergreifende Besetzung der Wohnungen könne man auch später noch verwirklichen, meint der Hochheimer. Die interessierten Vereinsmitglieder sind zwischen 45 und 75 Jahre alt, darunter sind drei Paare aus Hochheim. Die weiteren Mieter kommen unter anderem aus Rüsselsheim, Nauheim und Königstädten.
Der Wohnkomplex auf dem Eckgrundstück Goethestraße/Mainzer Straße sowie Schillerstraße in Ginsheim soll im Sommer 2013 fertiggestellt sein. Der Verein "Lebensalter" bietet an jedem zweiten Donnerstag im Monat eine Informationsveranstaltung im nahe gelegenen katholischen Gemeindezentrum Sankt Marien in der Mainzer Straße an. Beginn ist jeweils um 18.30 Uhr.



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