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Der Krieg in der eigenen Familie
Suzana Zinn kam als junge Frau aus dem Kosovo und hat ein Buch über ihre Erlebnisse geschrieben
Der Konflikt um die ehemalige jugoslawische Provinz rückt durch Grenzscharmützel derzeit wieder in den Blick der Weltöffentlichkeit. Suzana Zinn ist mit den ethnischen Auseinandersetzungen zwischen Serben und Moslems groß geworden. Sie ging nach Deutschland und lebt seit über 20 Jahren in Hofheim.
Von Christine Sieberhagen
Hofheim. ![]()
Suzana Zinn. Was Krieg bedeutet, weiß sie seit ihrer Geburt. Das war 1965 in einem kleinen Dorf in der Nähe der Stadt Pec in der damals jugoslawischen Provinz Kosovo. Einen Krieg mit Waffen und Bomben gab es damals noch nicht, die Konflikte zwischen Christen und den Moslems spielten sich unterschwellig ab. Und doch ging ein Krieg ging mitten durch die Familie von Suzana Zinn. Er bestimmte ihre Jugend und war schließlich mit ein Grund, weshalb sie vor 24 Jahren als junge Frau ihre Heimat verließ und nach Deutschland ging. Nach Umwegen über Nordrhein-Westfalen, wo Verwandte lebten, kam sie Ende der 80er Jahre nach Hofheim, das ihre neue Heimat wurde.
Jahrelang litt die heute 46-Jährige unter ihren Erlebnissen. Sie sprach nie darüber und es fällt ihr heute noch schwer. "Irgendwann geriet ich in eine schwere Lebenskrise. In dieser Zeit habe ich begonnen, meine Lebensgeschichte aufzuschreiben und das half mir", sagt die kleine Frau mit dem langen, dunklen Zopf. Es ist die erschütternde Geschichte einer Frau, die zwischen verfeindeten Ethnien und Religionen aufgewachsen ist und auch in Deutschland fast an der Gratwanderung zwischen dem modernen, westlichen Leben und den Ansprüchen ihrer Religion und Kultur zerbricht. "Mein Leben und Shahrukh Khan" ist der Titel des Buchs, das nicht nur die dramatische Biografie Suzana Zinns erzählt, sondern auch beispielhaft ist für das Schicksal vieler Frauen ihrer Heimat.
Kinder ausgeschlossen
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Hass steht am Anfang ihrer Lebensgeschichte, die im Kleinen den ethnischen Konflikt in der damaligen jugoslawischen Provinz widerspiegelt, der schließlich 1998/99 eskaliert und zum Kosovokrieg führt. "Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der sich zwei Religionen und Kulturen bekämpften", schildert sie. Die Mutter ist serbische Christin, der Vater albanischer Moslem. "Sie stammten aus Familien, die sich gegenseitig verachteten", blickt Suzana Zinn zurück. Das übertrug sich auf die Kinder – Suzana hatte noch zwei Brüder und vier Schwestern. Wenn die Moslems ihre großen Feste wie "Bayram" feierten, durften die Kinder nicht mitfeiern und wurden ausgeschlossen. "Wenn wir dann unsere Oma väterlicherseits besuchten, schickte sie uns weg und gab uns zu verstehen, dass wir nicht dazugehörten." Die Großmutter mütterlicherseits haben die Kinder nie kennengelernt. "Meine Mutter fuhr immer ohne uns zu ihr nach Montenegro".
Wenn sie sich an ihre Kindheit erinnert, dann vor allem an das quälende Gefühl der Zerrissenheit. Obwohl ihr Vater Moslem war, sorgte gerade er dafür, dass seine Töchter eine gute Ausbildung bekamen. "Er meinte, es wäre die einzige Chance für uns, aus den ärmlichen Verhältnissen, in denen wir lebten, auszubrechen." Aber der Vater hatte auch eine andere Seite: Wenn er trank, wurde er gewalttätig. Als die 15-Jährige einmal den abendlichen Bus verpasst und zu spät nach Hause kommt, verdächtigt der betrunkene Vater sie, sich mit Jungs herumgetrieben zu haben. In seiner Rage schlägt er das Mädchen mit dem Kopf gegen die Wand und bringt sie fast um. "Am nächsten Morgen konnte er sich nicht daran erinnern und konnte nicht fassen, was er getan hatte." Trotz dieses Vorfalls ist Suzana ihm noch heute dankbar, dass er ihr ermöglicht hat, das Abitur zu machen. "Lehrerin" war der Berufswunsch der jungen Frau, die als Kind "weder die Bibel noch den Koran kannte". Bis heute ist Suzuna Zinn in religiöser Hinsicht eine Grenzgängerin. "Eigentlich fühle ich mich der Religion des Islam näher, aber ich lehne die Kultur des Islam ab", sagt sie,
Nachdem sie ihr Abitur gemacht hatte, ging Suzana nach Deutschland – ursprünglich, um sich wegen gesundheitlicher Probleme behandeln zu lassen. Kurz kehrte sie noch mal in den Kosovo zurück, in dem die Spannungen zwischen Moslems und Christen immer größer wurden. Dann fuhr sie erneut nach Deutschland und blieb. Sie fand Arbeit in einem Mainzer Unternehmen, bei dem sie 18 Jahre lang arbeitete. Doch auch wenn sie äußerlich das Leben einer emanzipierten Frau führte, gelang es ihr auch in Deutschland nicht, sich von den anerzogenen Mustern zu befreien. "Ich ließ mich bei der Arbeit ausnutzen und habe bis zum Umfallen geschuftet". Sie heiratete einen Deutschen, der starb. Eine weitere Beziehung zu einem Moslem wurde ihr zum Verhängnis. "Ich ließ mich schlagen, demütigen und ausbeuten – jahrelang". Warum sie sich das gefallen ließ? "Diese Fragen habe ich mir selbst oft gestellt. In meinem Buch habe ich versucht, sie zu beantworten. Manches erklärt sich aus meiner Familiengeschichte und vieles aus der Zerrissenheit zwischen den Religionen und Kulturen."
In ihre Heimat konnte sie wegen des Kriegs, der 1998 ausbrach, lange Zeit nicht zurückkehren. Erst vor einigen Jahren besuchte sie ihre Mutter – der Vater war inzwischen gestorben. "Ich war entsetzt, dass es den Menschen im Kosovo noch schlechter ging als vor dem Krieg. Alles ist so arm und schäbig", schildert sie ihre Eindrücke.
Heimat – das ist für Suzana Zinn heute Hofheim. Hier fühlt sie sich wohl, hier hat sie ihre Freunde. Inzwischen hat sie auch den Koran gelesen. "Ich wollte wissen, ob das, was die muslimischen Männer sagen und wie sie Frauen behandeln, im Koran geschrieben steht. Ich habe es nicht gefunden. Die Männer machen sich selbst zum Gott. Das wird von Generation zu Generation weitergegeben und wird auch von den Frauen für selbstverständlich gehalten. Auch ich habe lange gebraucht, mich von diesen Vorstellungen zu lösen."
Gerade deshalb meint Suzana Zinn, die inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit hat, dass der deutsche Staat "den Muslimen gegenüber zu großzügig ist." Im Gegenteil werde Integration dadurch eher verhindert. "Man lässt die Muslime Moscheen bauen, will sogar einen Feiertag für Ramadan einrichten, ermöglicht ihnen eigene Schulen, in denen ihre Kinder in ihrer Landessprache unterrichtet werden. Und dann leben sie in Deutschland und alle wundern sich, dass die Kinder kein Deutsch sprechen, wenn sie in die Schule kommen."
Trotz allem hat sie ihren Traum von einer Welt ohne Gewalt nicht aufgeben: "Ich glaube an die Einheit Gottes. Die Menschen und Kulturen sind verschieden, aber das Ziel ist gleich, ganz egal, in welcher Sprache sie sprechen und wo ihre Wurzeln liegen."
Suzana Zinns Buch "Mein Leben und Shahrukh Khan" ist im Verlag des Biografiezentrums erschienen. ISBN: 978-3-940210-38-8. Es ist im Buchhandel erhältlich und kostet 14,90 Euro.



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