"Der war cool eigentlich"

Die Schüler und Kollegen bereiteten Richard Ewen beim Weihnachtskonzert in St. Gallus zum Abschied ein paar Überraschungen.

Flörsheim. Die Schüler spielten diesmal besonders engagiert. Fotos: Nietner Es sei einer der emotionalsten Momente in seinem Leben gewesen, sagt Richard Ewen. Der Musiklehrer des Graf-Stauffenberg-Gymnasium ist immer noch spürbar bewegt, wenn er über das Weihnachtskonzert in St. Gallus spricht. Es war das letzte Mal, dass er das Orchester, die Pop-Folk-AG und den Eltern-Lehrer-Ehemaligen-Chor in St. Gallus leitete. Doch besonders bewegend waren die Überraschungen, die seine Schüler und Kollegen für ihn vorbereitet hatten. So sang der Eltern-Lehrer-Ehemaligen-Chor etwa "Gabrielas Song" aus dem Film "Wir im Himmel" sowie "Music" von John Miles. Klar, dass da vielen die Tränen in den Augen standen.

Der 62-jährige Ewen beginnt seine Altersteilzeit mit Ende des Schulhalbjahres und wird ab Februar nicht mehr unterrichten. "Ich hätte auch bis 65 durchmachen können von der Motivation her", sagt Richard Ewen. Allerdings ist der Unterricht für ihn durchaus schon häufig zur Belastung geworden, die sich etwa in einer Hörschädigung zeigt. Rund 25 Unterrichtsstunden in Musik und Politikwissenschaft (Powi), dazu die Abiturprüfungen und Schulkonzerte, all das war eben auch Stress für Ewen. Ein leidenschaftlicher Musiker und Pädagoge ist er trotzdem geblieben und hat den Spaß am Unterrichten nicht verloren.

Das haben auch seine Schüler gemerkt: "Der war cool eigentlich", sagt Lucas Thomas. Der 18-Jährige hatte Ewen in Musik und Powi. "Ja gut, der lebt halt für seine Musik", ergänzt Elias Mionardi. Der Abiturient hat schon häufig beobachtet, wie Richard Ewen bis spät abends mit den Schülerensembles vor den Konzerten geübt hat. Beliebt ist Ewen auch bei den Jüngeren: Die Siebtklässler Mark, Tim und Christoph schätzen ihn vor allem, weil er ihnen Musik praktisch an den Instrumenten vermittelt. Auch zwischenmenschlich trifft Ewen den richtigen Ton: "Er ist immer guter Dinge, und es macht jedem Spaß", berichtet Christoph über die vergangene Probenfreizeit.

Kein Tafelmusiker

Richard EwenDass Richard Ewen mehr auf Praxis als auf Theorie setzt, das haben die Jungs gut erkannt. Er sei kein "Tafelmusiker", sagt er über sich selbst. Als Vorsitzender und Geschäftsführer des Arbeitkreises für Schulmusik vertritt er die Position, dass man Musik am besten durch Musik machen verstehen kann. Dieser Ansatz hat jedoch seine ganz eigenen Tücken: "Man muss 30 Leute gleichzeitig aktiv halten. Das ist eine Kunst", sagt er.

Wie erfolgreich sein Ansatz ist, das hören sich hunderte Flörsheimer jedes Jahr beim Weihnachtskonzert an, das Ewen initiiert hat. Wie wichtig dieser Auftritt gerade für die Schüler ist, das zeigt sich laut Ewen an der großen Ernsthaftigkeit, mit der sie bei der Sache seien. "Das ist toll zu erleben."

Bei der Musikauswahl achtet Ewen, der viele Stücke selbst arrangiert, immer auf eine gute Mischung aus Klassik, Pop und Weihnachtsliedern. Neben seinen Gruppen treten heute auch die beiden Schulchöre, die Sinfonietta, die Big Band sowie die Symphonics auf.

Dass Richard Ewens Musikunterricht mal solche Früchte tragen würde, das war 1978, als er nach seinem Referendariat in Flörsheim anfing nicht abzusehen: "Musik war sozusagen nicht vorhanden", erzählt der Igstädter. Alles, was er damals hatte, sei ein Kassettenrekorder gewesen, mit er von Klasse zu Klasse marschiert sei. Gehadert hat er mit dieser Ausgangssituation nie, im Gegenteil: "Es ist ja auch schön, wenn man etwas aufbauen kann", meint Ewen.

Überdies fiel sein Engagement auf fruchtbaren Boden: Zum einen, weil viele Schüler in Akkordeonvereinen spielten und zum anderen, weil er große Unterstützung in seinen Kollegen fand. Etwa zwei Jahre nach Ewens erstem Tag fand das erste Schulkonzert statt. Von da an wurden die Konzerte stetig größer. Einen richtigen Schub brachte die Einführung der Streicherklassen und Bläserklassen. "Dadurch ist das so richtig explodiert", freut sich Ewen, der auch während seiner Pensionierung in diversen Ensembles Musik machen wird. tay

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