Deutsch lernen bei Tee und Gebäck

Quartiersprojekt will ausländische Frauen aus ihrem Schneckenhaus herausholen

Sindlingen. Die Frauen tauen beim Unterricht von Tina Pfannenschmidt auf. Foto: Reuß "Sind Gummibärchen gesund?" Lemlem lächelt verlegen und zuckt mit den Schultern. Die 46-jährige aus Eritrea weiß nicht, was Gummibärchen sind, und kann die Frage nicht beantworten. Dennoch hört sie aufmerksam zu und verfolgt, wie Kursleiterin Tina Pfannenschmidt unterschiedliche Nahrungsmittel den Ebenen der Ernährungspyramide zuordnet. Es ist Mittwoch Vormittag – im Quartiersbüro in der Hermann-Brill-Straße 3 treffen sich Frauen zum Lerncafe. Frauen aus Eritrea, Marokko, der Türkei, Russland oder auch Deutschland. Es ist das erste Treffen nach den Sommerferien und nach Ramadan. Hektisch geht es heute zu. Manche der Frauen haben ihre Kinder mitgebracht, die jetzt auf den Tischen sitzen und beschäftigt werden wollen. Normalerweise kümmert sich Hanife Tas um die Betreuung, während sich die Mütter in Konversation üben. Doch heute ist alles anders. Behutsam will das Quartiersmanagement die Frauen und Kinder eingewöhnen. "Wir müssen sie dort abholen, wo sie stehen", sagt Marja Glage, Quartiersmanagerin des Caritas-Verband im Programm Aktive Nachbarschaft. Bei Tee und Keksen sollen die Frauen ihre Scheu ablegen, aus ihrem Schneckenhaus herauskommen und lernen, sich zu verständigen. Dafür bietet das Quartiersmanagment drei Kurse, je nach Leistungsstand der Frauen: einen Alphabetisierungskurs, das Sprachcafé und ein Schreibcafé.

Einen festen Leitfaden für die Vermittlung der Sprache gibt es nicht. "Wir gehen auf die Bedürfnisse der Frauen ein und suchen gemeinsam Themen, die für sie wichtig sind.", erklärt Glage: der Besuch beim Arzt, das Gespräch mit Lehren, oder auch die Unterhaltung im Geschäft. "Unsere Angebote stehen nicht in Konkurrenz zu den Integrationskursen." So erhalten die Frauen aus dem Lerncafé auch kein Zertifikat. Vielmehr gehe es darum, sie zu ermutigen, sich zu öffnen, aufeinander zuzugehen und ins Gespräch zu kommen. Erste positive Auswirkungen seien bereits deutlich sichtbar. "Man grüßt sich plötzlich auf der Straße, und immer häufiger kommen die Frauen mit eigenen Anregungen zu uns."ehm

Das Lerncafé findet jeden Mittwoch in der Hermann-Brill-Straße 3 statt. Um 9 Uhr startet der Alphabetisierungskurs, zwischen 10 und 11 Uhr treffen sich die Frauen zum Sprachcafé. Im Anschluss findet das Schreibcafé statt.

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