Döll klammert sich an sein Amt

Stadtverordnetenvorsteher lehnt Rücktritt ab – Frank Haas rückt kommissarisch an die Fraktionsspitze

Die Wohnsitz-Affäre um Christian Gerhardt bleibt in aller Munde. Die Union weigert sich aber standhaft, über weitere Konsequenzen nachzudenken. Für sie ist der Fall nach dem Rückzug des Fraktionsvorsitzenden abgehakt. Das ist fatal für den Ruf der Partei.

Eschborn. Horst-Günter Döll, Foto: NNHorst-Günter Döll (CDU) will aus der Wohnsitz-Affäre um seinen Parteikollegen Christian Gerhardt keine Konsequenzen ziehen und an seinem Amt festhalten. "Ich werde nicht zurücktreten", sagte der Stadtverordnetenvorsteher gestern dem Kreisblatt. Er habe "im Grunde genommen nur zwei Sätze zu sagen", sagte der Kommunalpolitiker. Gerhardt habe die Konsequenz aus der Angelegenheit gezogen, das sei "jammerjammerschade", denn er sei ein hoffnungsvoller Nachwuchsmann gewesen. Döll weiter: "Für mich ist das Thema damit erledigt. Ich gehe zur Tagesordnung über." Er wolle keine weitere Stellungnahme abgeben. Auf Nachfrage ergänzte Döll lediglich, die CDU-Fraktion habe ihm in einer Sondersitzung am Dienstagabend einstimmig das Vertrauen ausgesprochen.

Doch wie kam Döll dazu, Christian Gerhardt eine Briefkasten-Adresse in Eschborn zu verschaffen? Erst "Im Deiengarten 7", dann im "Dörnweg 23"? Wer gab den Anstoß? Döll? Gerhardt? Wer wusste außer den beiden von dem Täuschungsmanöver? Steckt nicht eine fragwürdige Vorstellung von politischer Moral dahinter, wenn der Erste Bürger der Stadt kein Unrechtsbewusstsein empfindet? Hat er, Döll, sich nichts vorzuwerfen in der Sache? Diese Fragen blieben auch gestern offen. Döll gilt als einer der einflussreichsten Kommunalpolitiker Eschborns. Er gehört zu dem engsten Zirkel um Bürgermeister Wilhelm Speckhardt (CDU). Es dürfte kaum ein Großprojekt geben, bei dem Döll nicht ein gehöriges Wort mitspricht. Mit Parteichef Karlheinz Gritsch, Speckhardt und Gerhardt führte er die Verhandlungskommission an, die im Frühjahr die Koalitionsgespräche mit den Grünen absolvierte.

Keiner weiß was

An die Spitze der Fraktion rückt kommissarisch Frank Haas. Dies bestätigte der 47 Jahre alte Rechtsanwalt gestern auf Anfrage. Wusste er, dass Gerhardt seit 2008 gar nicht mehr in Eschborn lebt, sondern in Hattersheim? Haas: "Ich wusste es nicht. Ich war genauso erstaunt wie Peter Pohlen, als ich davon hörte." Pohlen ist Gerhardts Vorgänger als Fraktionschef.

Haas, der den Haupt- und Finanzausschuss leitet, gilt vielen CDU-Leuten als geeigneter Gerhardt-Nachfolger. Würde er den Posten übernehmen? Das lässt Haas offen. Mit einer endgültigen Entscheidung über den Fraktionsvorsitz sei "in diesem Jahr nicht mehr" zu rechnen. Die Union werde sich "jetzt erst mal neu sortieren und gucken", wie sich die Lage in den nächsten Wochen entwickele, sagte Haas.

CDU-Boss Karlheinz Gritsch gestand gestern zähneknirschend: "Die Sache ist nicht gut gelaufen. Ich will da nichts beschönigen." Christian Gerhardt wohnt in Hattersheim – dazu sagte auch Gritsch, er habe dies nicht gewusst: "Für mich war der Hauptwohnsitz ,Im Deiengarten 7‘." War es nicht so, dass Vorsteher Döll sich unkorrekt verhalten hat? Gritsch: "Das müssen Sie Herrn Döll fragen." Christian Gerhardt hatte per Mail versichert, sein Lebensmittelpunkt sei und bleibe in Eschborn. Ein CDU-Mann sagte, er fürchte um den Ruf der Partei. ask

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