Ein Nussbaum-Meisterstück – mit Schellack poliert

Eine Glasvitrine von Peter Christoph Kunz wurde jetzt zum ersten "Möbelstück des Jahres" gekürt.

Kelkheim. Es ist ein Meisterstück – im wahrsten Sinne des Wortes: Der Meisterbrief von Peter Christoph Kunz hängt direkt neben der edlen Glasvitrine. Der Schreiner hat sie um 1925 in unzähligen Stunden gefertigt – und zu Hause im Wohnzimmer aufgestellt. Nun ist der Schrank zum ersten "Möbelstück des Jahres" im Museum auserkoren und im Museum präsentiert worden.

Kunz‘ Enkel Peter Faber und seine Frau Cornelia ist die Vitrine zwar ans Herz gewachsen. Doch als seine Mutter Anneliese im Vorjahr starb, stand die Wohnung mit dem schicken Stück leer. "Das war viel zu schade, das wegzugeben", sagt Peter Faber und dachte gleich ans Museum – zumal seine Frau dort im Vorstand des Fördervereins sitzt. Den Meisterbrief holten sie vom Speicher, und ein Foto des Firmengründers hing noch an der Wohnzimmer-Wand – abgerundet war die besondere Spende, die jetzt in der "Straße der Schaufenster" einen ebenso exponierten Platz gefunden hat.

"Für immer"

"Als Leihgabe oder für immer?", fragt Kulturreferentin Beate Matuschek die beiden Unterstützer, die ein spontanes "für immer" zurückschicken. Die Kelkheimer Kulturchefin wird es freuen, soll durch das "Möbelstück des Jahres" doch die Historie lebendig werden. Über einen solchen Prototyp sei es gut möglich, die Geschichte der Kelkheimer Schreinereien zu erzählen. "Wir würden uns wünschen, dass weitere mitmachen." Es seien leider schon zu viele Dokumente aus der früher wenig erforschten Möbelgeschichte abhanden gekommen, so Beate Matuschek.

Cornelia und Peter Faber sitzen vor der Vitrine Platz, die das erste "Möbelstück des Jahres" ist – angefertigt von Peter Christoph Kunz (sein Porträt hängt links vom Schrank). Foto: KnappAuch die Chronologie der Möbelwerkstätte Kunz weist sicher noch die eine oder andere Lücke auf. Doch dank Josef Becker, ein Schulkamerad von Anneliese Faber, konnten die Nachkommen viele wichtige Daten zusammentragen. So machten sich die Brüder Peter Christoph und Georg Kunz um 1910 selbständig. "Das Wohnhaus von Peter Kunz in der Bahnstraße 8 bot eine typische Ausgangslage für einen kleinen Gewerbebetrieb", heißt es in der Erläuterung am Möbelstück. "Durch Gewerbefleiß und günstige Geschäfte vermehrte die Firma Kunz ihren Wohlstand." Das Haus wurde mehrfach an- und ausgebaut, hatte um 1928 zwei Verkaufsläden, bevor die Brüder 1939 mit Werkstätten und Ausstellungsräumen in das Anwesen Ecke Mühlstraße/Hauptstraße umzogen. Hergestellt wurden unter anderem hochglanzpolierte Nussbaummöbel für Wohn-, Ess- und Schlafzimmer.

Ein solches Stück fertigte Peter Kunz als Meisterarbeit auch für sein Wohnzimmer. Die Glasvitrine aus Nussbaum und Nussbaumwurzel ist aus Tischlerplatten (Tannenleisten mit Sperrholz verleimt) und Massivholz gefertigt. Mühsam mit der Hand wurde eine Schellackpolitur aufgetragen. Dazu gibt es noch ein passendes Büfett, das in den Museumsräumen lagert. Peter Faber würde sich daher eine Erweiterung wünschen, um es ebenfalls ausstellen zu können.

Sein Meisterstück hat Kunz damals mit der Hand gefertigt. Maschinen hatte sein Betrieb noch nicht. Benötigte er solche Hilfen, ließ er das bei der Lohnhobelgesellschaft Diehl gegen Bezahlung fertigen. Mit dem Tod von Peter Kunz (Faber: "Er war die treibende Kraft") hatte die Firma, die zeitweise bis zu sechs Mitarbeiter beschäftigte, ein Tief. Nach Kriegsende wurde die Auftragslage bis etwa 1950 wieder besser. Die Kunden kamen zum Teil mit dem Zug und kauften direkt aus der Ausstellung, weiß Peter Faber, dessen Vater die Schreinerei Faber und Bertz führte. Anneliese Faber hielt die Möbelwerkstätte Kunz mit ihrer Mutter noch kurze Zeit, doch länger wollten die Erben den Betrieb nicht mehr fortführen. So wurde er 1965 geschlossen.

Bis zu 300 Betriebe

Dass die Firma nun lebendig wird, freut Inge Voigt und Rüdiger Kraatz vom Museumsverein besonders. Die Schreiner von damals hätten sich ihre Objekte zum Teil auch vom höfischen Stil abgeschaut, weiß Kraatz. Für die Avantgarde seien sie jedenfalls nicht bekannt gewesen. 300 Betriebe hat es zu Hoch-Zeiten in Kelkheim gegeben – einer davon ist jetzt ein bisschen stärker ins Bewusstsein gerückt . . .wein

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