HLB soll‘s auch künftig richten

RMV will Zugstrecken im Taunus ohne Ausschreibung vergeben – „Pro Bahn & Bus“ äußert Kritik

Die Hessische Landesbahn betreibt die Linien von Bad Soden nach Höchst und von Frankfurt-Hauptbahnhof über Höchst und Kelkheim nach Königstein. Sie kann sich darauf einstellen, bis 2019 erneut zum Zug zu kommen.

Von Hans-Peter Günther

Bad Soden. Die HLB – im Bild ein Triebwagen im Königsteiner Bahnhof – soll bis 2019 die Taunus-Strecken bedienen. Fotos: Günther und dpa Geplant war‘s ganz anders. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hatte ursprünglich vor, die Zugstrecken im Teilnetz "Taunus" zum Fahrplanwechsel im Dezember 2014 europaweit und damit wettbewerbsfreundlich auszuschreiben. Das betrifft die RMV-Linien 12 (Frankfurt-Hauptbahnhof nach Königstein), 13 (Höchst nach Bad Soden) und 15 (Frankfurt-Hauptbahnhof nach Brandoberndorf). Auf diesen Strecken unterhalten die Hessische Landesbahn (HLB) und ihre Tochtergesellschaften die Infrastruktur (Gleis-, Signal- und Bahnhofsanlagen), und sie betreiben den Zugverkehr.

"Keine Verschlechterung"

Doch das Vergabe-Verfahren läuft nun anders ab, als es vorgesehen war. Kurz vor Weihnachten ist im Europäischen Amtsblatt eine Mitteilung des RMV erschienen: Sie informiert über eine geplante "freihändige Vergabe" der drei Linien für einen fünfjährigen "Übergangszeitraum" bis Dezember 2019. Das heißt: Der RMV verlängert – ohne erneute Verhandlungen – die bestehenden Verträge für fünf Jahre.

Im Europäischen Amtsblatt steht außerdem, dass die Linie 21 von Limburg über Niedernhausen nach Wiesbaden ("Ländchesbahn") ab Dezember 2014 in das "Teilnetz Taunus" eingegliedert und von der HLB bedient wird. Bislang ist dort die Vectus Verkehrsgesellschaft mbH, eine 74,9 Prozent-Tochter der HLB, im Einsatz. Deren seit Dezember 2004 bestehender Verkehrsvertrag für das "Westerwald-Taunus-Netz" endet zu diesem Zeitpunkt. Aus dem bereits laufenden neuen Ausschreibungsverfahren des rheinland-pfälzischen Zweckverbandes SPNV-Nord, Koblenz, war die Strecke über den Taunus herausgelöst worden. Das war RMV-Wunsch.

Da kann’s eng werden: Seit „Vectus“ die Strecke zwischen Wiesbaden, Niedernhausen und Limburg bedient (Dezember 2004), gab es teilweise erhebliche Probleme, weil die Züge voll sind. Beim Umsteigen in Niedernhausen drängen Fahrgäste aus der S-Bahn in den kurzen Triebwagen nach Limburg.Warum eine freihändige Vergabe? Dazu führte der RMV eine "Überplanung der Teilnetze" an, betonte aber zunächst, dass die bislang bestehenden Altverträge nur um fünf Jahre verlängert würden. Auf der "Ländchesbahn" folgt jedoch ein Wechsel von Vectus zur HLB. Auf Nachfrage räumte der RMV ein, dass derzeit unter anderem auch darüber verhandelt wird, welcher Fahrzeugtyp dort eingesetzt werden kann. Nach Angaben von Sprecherin Petra Eckweiler wird der RMV "sicher keine Verschlechterung akzeptieren und versuchen, Verbesserungen zu erzielen".

Aus Sicht der Fahrgäste ist dies dringend notwendig. Die Züge sind oft proppenvoll. Das liegt daran, dass der vom RMV erwartete Zuwachs von Fahrgästen eingetroffen ist. Das ist seit dem Wechsel von der DB zur Firma Vectus Ende 2004 zu beobachten. Doch obwohl der RMV auf mehr Kunden hoffte, hatte er die Sitz- und Stehplatzkapazitäten mit dem Übergang an Vectus deutlich reduziert. In der Folge war es vor allem an Wochenenden immer wieder zu teilweise chaotischen Situationen gekommen, wenn die Reisenden beispielsweise aus einem mehrteiligen S-Bahnzug in einen kurzen Solo-Triebwagen umsteigen mussten, um in Richtung Idstein und Limburg weiterzufahren. Bislang ist wenig geschehen, um den Engpass zu beheben.

"Kaum Wettbewerb"

Grundsätzlich ist es nachvollziehbar, dass der RMV an der HLB festhalten will. Die beiden RMV-Linien 12 und 13, die den Frankfurter Westen mit vielen Orten im Main-Taunus-Kreis verbinden, sind bei den Bahn-Kunden beliebter geworden. Die Fahrgastzahlen sind gestiegen. Dennoch übt der hessische Fahrgastverband "Pro Bahn & Bus" deutliche Kritik am Verfahren: "Der RMV bezeichnet sich gerne und oft als Vorreiter in Sachen Ausschreibungen. Ausgerechnet im Streckennetz rund um den Verbundsitz Hofheim wird jetzt das kaum wettbewerbskonforme Instrument Direktvergabe eingesetzt." Nach Ansicht von Pro-Bahn-Sprecher Friedrich Lang konterkariert der RMV damit seine eigene Ausschreibungspolitik.

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