In der Post werden Zähne gezogen

Mediziner Ulf Kerkhecker rettete das historische Gebäude und baute es nach seinen Wünschen passend um

Im ehemaligen Amt für Briefe und Pakete ist wieder Leben eingekehrt. Nach der Sanierung des Hauses wurde dort eine Zahnarztpraxis eröffnet.

Von Manfred Becht

Eppstein. Holzbalkendecken heißen so, weil es die dicken Holzbalken sind, die die Decke und damit den Fußboden darüber halten. Insofern klang es gefährlich, als sich herausstellte, dass ein Handwerker in einen solchen Balken ein dickes Loch für die Anschlüsse des Behandlungsstuhles gebohrt hatte. Dabei hatte Dr. Ulf Kerkhecker noch ermahnt, auf die Balken zu achten – der Raum ist so groß, dass es nicht darauf ankommt, ob der Behandlungsstuhl etwas weiter seitlich steht oder nicht.

In fünf Monaten fertig

Freilich war dies die einzige kritische Situation bei dem gesamten Bauvorhaben, und Überraschungen gab es auch nur eine – als gleich am ersten Tag in einer als massiv geltenden Wand ein Kaminschacht gefunden wurde. Das ist so gut wie nichts für die Sanierung eines Altbaus – immerhin wurde das Haus schon 1904 gebaut. Und die Sanierung wurde in atemberaubendem Tempo durchgezogen: Im Juni 2011 begannen die Arbeiten, im Oktober 2011 bereits konnte der erste Patient in der neuen Praxis auf dem Behandlungsstuhl Platz nehmen.

Die Rede ist vom historischen Postgebäude in Eppstein (siehe "Info" rechts). Früher war es das Postamt, bis zum Jahr 2010 wurden dort noch täglich Briefe sortiert. Gut geeignet war das Gebäude dafür nicht, weshalb die Post dies nun in Hofheim erledigt. Eine ganze Weile stand das Haus zum Verkauf, bis Kerkhecker schließlich zugriff. Und der konnte nicht nur den Eigentümer davon überzeugen, dass er das Haus zunächst nur mieten und im Laufe der nächsten Jahre übernehmen würde. Er einigte sich auch mit der Denkmalschutzbehörde darüber, wie in dem alten Gebäude unter Erhaltung all seiner Eigenheiten eine Zahnarztpraxis untergebracht werden könnte. Und das ist gelungen, wie ein flüchtiger Gang durch die Räume zeigt. Eine moderne Praxis in historischem Ambiente ist entstanden.

Kerkhecker hat sich nicht unbedacht in das Abenteuer gestürzt. Von zwei Gutachtern hat er sich bescheinigen lassen, dass die Bausubstanz in Ordnung ist. Nach einigen Versuchen hat er auch einen Architekten gefunden, der sich gerne um solche Projekte kümmert. Der Eppsteiner Zahnarzt hat mitgedacht: Warum den Keller gesondert gegen Feuchtigkeit isolieren, wenn er doch trocken ist, fragte er sich – und ließ die ursprünglich in dem Projekt eingeplante Isolierung bleiben.

Gelassen hat er auch die schönen Fliesen aus der Jahrhundertwende im Treppenhaus und die Holztreppe selbst. Auch die Erker und Balkone sind geblieben, wie sich das Haus überhaupt von außen kaum verändert hat. Indem die Arbeiter die Metalltür der Post durch einen Holzeingang in der historisch passenden Größe ersetzt haben, sind sie dem früheren Zustand des Gebäudes an der Poststraße wieder nähergekommen.

Dienstleistung statt Wohnen

"Das Gebäude schreit nach einem Dienstleistungsangebot", sagt Kerkhecker. So dicht an der Straße wolle er nämlich ohne Außenfläche nicht unbedingt wohnen. Von der Straße aus hatte er auch bemerkt, dass das Haus zum Verkauf stand – und sich näher damit befasst, weil er gerade auf der Suche nach Praxisräumen war. Für ihn ist es auch ein Stück Rückkehr – in Fischbach ist er aufgewachsen, in Eppstein hat er schon eine Weile gewohnt. Jetzt ist er froh, dass er sich nicht vom ersten Eindruck beeinflussen ließ, nach dem ihm alles eine Nummer zu groß schien. Tatsächlich nämlich ist eine runde Sache aus dem Projekt geworden.

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