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Interview empört Raunheimer
Fluglärm: Bürgermeister Michael Antenbrink befürchtet „soziales Ghetto“ wie in der Nachbarstadt
Auch wenn beide Städten unter den Belastungen des Flugverkehrs zu leiden haben: Eitel Sonnenschein herrscht nicht.
Von Niklaus Mehrfeld
Flörsheim. ![]()
Bürgermeister Michael Antenbrink musste in letzter Zeit vielen Journalisten Interviews geben. Foto: Nietner In den vergangenen Monaten stand der Bürgermeister der Mainstadt des öfteren im Mittelpunkt. Nicht nur die schreibende Zunft der Medienlandschaft, sondern auch Rundfunk- und Fernseh-Teams waren an Interviews mit dem Rathauschef interessiert. Der Grund dafür: Seit der Inbetriebnahme der Landebahn Nordwest am 21. Oktober vergangenen Jahres ist die "Lärmhölle Flörsheim" in ganz Deutschland bekannt. Logisch, dass die Medien über das brisante Thema berichten und sich selbst an Ort und Stelle ein Bild von der Situation machen wollen. Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) wies fast keine Medien-Anfrage zurück, freimütig stand er den Journalisten Rede und Antwort. Ärgerten die Aussagen des Flörsheimer Verwaltungschefs bislang höchstens die hessische Landesregierung sowie die Fraport, so änderte sich dies schlagartig am Donnerstag.
Schlimmes Szenario
An diesem Tag wurde im Rundfunk das Interview eines HR-Info-Reporters mit Bürgermeister Michael Antenbrink zum Thema Fluglärm und die Folgen gesendet. Gegen 10.30 Uhr konnten die Raunheimer dann via Rundfunk hören, was Rathauschef Antenbrink als mögliches Szenario für Flörsheim befürchtet. Durch die besserverdienenden Bewohner, die wegen des Fluglärms aus der Stadt flüchteten, würden Geringverdiener in die Mainstadt ziehen. Die Folgen seien dramatisch für die Entwicklung und Bevölkerungsstruktur der Kommune. Wörtlich sagte Michael Antenbrink in dem rund 45 Minuten währenden Gespräch mit dem HR-Reporter unter anderem: ". . . es bilden sich soziale Ghettos heraus, das kann man sich in Raunheim alles schon anschauen." Michael Antenbrink erläuterte auf Anfrage des Kreisblatts, dass er bei dem langen Gespräch mit dem HR-Mann die umstrittene Formulierung zwar benutzt habe, dass er aber damit nicht die Raunheimer beleidigen wollte. Doch es sei Fakt, dass die Belastungen durch den Fluglärm eine Bedrohung für die derzeit noch gute Bevölkerungsstruktur darstellten. Zudem habe es in Raunheim doch auch tatsächlich soziale Probleme in einigen Stadtbereichen gegeben. Die habe sein Kollege Thomas Jühe aber angepackt und erfolgreich gelöst, lobte Antenbrink. Der Frankfurter Airport sei eben nicht nur segensreich für die Menschen im Rhein-Main-Gebiet und ein notwendiger Motor der Wirtschaft. Der Flughafen bringe auch große Probleme für das Umland mit sich, meinte Michael Antenbrink. Es könne in diesem Zusammenhang auch nicht geleugnet werden, dass Raunheim hessenweit die Stadt mit den höchsten Sozialkosten pro Kopf sei.
Pikante Details
Die Nachricht vom Interview des Flörsheimer Bürgermeisters verbreitete sich in Raunheim wie ein Lauffeuer. Stefan Teppich, CDU-Fraktionschef in Raunheim, hatte den Beitrag unterwegs gehört. Der Christdemokrat war entsprechend verärgert über die Aussagen des Verwaltungschefs aus der Nachbarstadt. Dass vor einigen Jahren Flörsheimer CDU-Leute das gleiche sagten, war Teppich anscheinend nicht mehr bewusst.
Auch Raunheims Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) war natürlich nicht amüsiert von den Formulierungen seines Amtskollegen und Parteigenossen über seine Stadt. Warum die Äußerungen von Antenbrink bei den Kommunalpolitikern in Raunheim zum jetzigen Zeitpunkt für Empörung sorgen, ist den unterschiedlichen Interessenlagen der beteiligten Protagonisten zu verdanken. So ist Thomas Jühe Vorsitzender der Fluglärmkommission und darauf bedacht, weiteres Fluglärm-Unheil von Raunheim abzuwenden. Michael Antenbrink gehört nicht diesem Gremium an. Thomas Jühe hatte beim SPD-Neujahrsempfang in Raunheim Mitte Januar sinngemäß behauptet, er warne vor der Forderung, die Landebahn Nordwest zu schließen. Erstens sei dies unrealistisch. Zweitens nutze die anscheinend herbeigesehnte "alte" Lärmbelastung zwar Sachsenhausen und Flörsheim, der Stadt Raunheim schade dies aber.
Hinter vorgehaltener Hand wird Thomas Jühe – der vor einigen Jahren von Raunheimer Bürgern noch als "Türken-Thomas" verunglimpft wurde, weil er angeblich bewusst nachgiebig bei Problemen mit verschiedenen Einwohnern gewesen sein soll – von Regionalpolitikern unsolidarisches Verhalten vorgeworfen. Jühe sowie die Rathauschefs in Kelsterbach und Rüsselsheim wollten an die finanziell lukrativen Fleischtöpfe der Fraport, lautet der Vorwurf. Dementsprechend flexibel verhielten sie sich gegenüber dem Flughafenbetreiber.



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