Jet fegt Ziegel vom Dach

Eine Wirbelschleppe sorgt für Schäden an einem Gebäude, das nur wenige Meter vom Kindergarten entfernt ist

Seit der Eröffnung der Nordwest-Landebahn vor 12 Tagen ist es der zweite Vorfall, der von einem landenden Flugzeug ausgelöst wurde. Beim ersten Mal fiel eine ölhaltige Substanz aus der Landeklappe eines Jets auf ein Anwesen in der Lahnstraße, beim zweiten Vorfall rissen Luftwirbel, die von einem Düsentriebwerk ausgelöst wurden, mehrere Ziegel vom Hausdach.

Von Niklaus Mehrfeld

Flörsheim. Uwe Schüttler (links) und Mario Müller bringen am First des Hausdaches die neuen Ziegel an. Insgesamt elf Ziegelsteine waren durch die Wirbelschleppe eines Flugzeuges von dem Dach gerissen (kleines Foto) worden und krachten auf den Gehweg vor dem Haus. Fotos: Hans Nietner Elf Dachziegel fielen am Dienstag aus einer Höhe von circa neun Metern von einem Hausdach in der Hennebergstraße im Neubaugebiet Nord. Personen wurden nicht verletzt. Das Gebäude liegt nur wenige Meter von der Kindertagesstätte "Villa Kunterbunt" in der Adam-Opel-Straße entfernt. Gestern waren Mitarbeiter einer Flörsheimer Dachdecker-Firma damit beschäftigt, das durch den Absturz der elf Ziegeln verursachte "Loch" auf dem Hausdach wieder mit Ziegeln neu einzudecken. Einer der Dachdecker, die gestern mit den Arbeiten auf dem Gebäude beschäftigt waren, berichtete, dass seine Kollegen und er bisher bei ähnlichen Fällen in Raunheim auf die Dächer gestiegen sind.

Ziegelfall in Raunheim

In der Nachbarstadt Raunheim ist es nämlich schon seit vielen Jahren in unregelmäßigen Abständen an der Tagesordnung, dass Dachziegel von den Hausdächern fallen. Grund dafür sind die ebenfalls in niedriger Höhe über der Stadt fliegenden Maschinen, die bei ihren Landeanflügen unbewohnte und bewohnte Gebäude in Raunheim überfliegen. Der Sog, der dabei über den Hausdächern entsteht, hebt die Ziegel an und reißt sie aus Dachlage heraus. Glücklicherweise wurden bisher nur wenige Menschen von den herabfallenden Ziegeln leicht verletzt. Bei den meisten anderen Fällen wurden nur Sachschäden gemeldet. Fraport-Mitarbeiter sind nach solchen Unglücksfällen stets schnell zur Stelle, um den Vorfall zu dokumentieren. Steht fest, dass es sich bei den abgestürzten Dachziegeln um die Folge eines Überfluges handelt, so übernimmt die Fraport sämtliche Kosten zur Schadensbeseitigung. Auch bei Personenschäden, wie es juristisch heißt, tritt sie als Zahlerin der anfallenden Behandlungskosten auf.

Kosten-Übernahme

Bei dem Fall in der Hennebergstraße ist es genau so. Auf Anfrage des Kreisblatts erklärte Fraport-Mitarbeiter Frank Cornelius, dass die Fraport AG als Betreiber des Frankfurter Flughafens gesetzlich verpflichtet sei, für die Schäden aufzukommen. Zudem wolle die Fraport aber auch "als guter Nachbar" wahrgenommen werde. Alle anfallenden Kosten für die Reparatur des Hausdaches übernehme selbstverständlich der Flughafenbetreiber. Der Hauseigentümer habe eine dementsprechende Mitteilung bereits erhalten. "Man darf diese Fälle nicht auf die leichte Schulter nehmen", sagte Frank Cornelius zu dem zweiten Fall innerhalb von zwölf Tagen im Baugebiet Nord. Von einem weiteren Ziegel-Absturz in der Schönbornstraße wusste Frank Cornelius gestern nichts. "Ich weiß nur von dem Vorfall in der Hennebergstraße", sagt der Fraport-Mitarbeiter.

Wie bereits berichtet, waren ölhaltige Rückstände aus der Landeklappe eines Flugzeugs auf ein Anwesen in der Lahnstraße gestürzt und hatten unter anderem die Fassade des Hauses verschmutzt. "Das sah hier ganz wild aus", hatte Hausbesitzer Josef Auth gegenüber dem Kreisblatt erklärt. Er sei dann zur Polizeistation gefahren und habe den Vorfall gemeldet. Auth hatte die Beamten außerdem aufgefordert, sich die Verschmutzungen auf seinem Grundstück anzusehen. Wenige später seien dann Polizei sowie Mitarbeiter der Fraport gekommen und hätten sich von der öligen Substanz, die auf sein Areal gefallen war, einen Eindruck verschafft. Später sei ein Polizeihubschrauber über dem Haus gekreist und habe Aufnahmen gemacht.

Bürgermeister Michael Antenbrink sei ebenfalls zu seinem Haus gekommen, um sich einen Eindruck von dem Malheur zu machen. Wie Frank Cornelius von der Fraport AG erläuterte, bestand nach den Labor-Untersuchungen die Flüssigkeit, die aus der Landeklappe eines Flugzeuges gefallen war, aus Wasser sowie ölhaltigen Reinungswachsresten.

Um Bremsflüssigkeit oder Desinfektionsmittel von Toilettenanlagen, wie zuerst vermutet wurde, habe es sich dabei aber nicht gehandelt, sagte Cornelius. Dies hätte das Labor-Ergebnis eindeutig ergeben.

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