Neuer Schwung für Integration

Ausländerbeirat und Gemeinde haben unter anderem eine Frau vor der Abschiebung bewahrt

Das Team hofft auf weitere Unterstützung, will Senioren einbinden und Lotsen ausbilden.

Liederbach. Emile Ndiaye ist Vorsitzender des Ausländerbeirats. Foto: Knapp"Jeder von uns sollte seinen Beitrag dazu leisten, dass die Integration der Migranten gelingt. Rassismus und Diskriminierung dürfen keinen Platz in dieser Gesellschaft haben." Als Emilie Ndiaye diese Worte in der Gemeindevertretung spricht, ist es mucksmäuschenstill im Saal. Genau das habe er bezwecken wollen. "Es war meine Absicht, zum Nachdenken anzuregen", sagt der Vorsitzende der Liederbacher Ausländerbeirats. Ans Pult getreten ist er eigentlich, um die Bilanz der Arbeit des Gremiums zu ziehen.

Das macht Ndiaye auch – allerdings zunächst weitaus globaler. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien bis zu 14 Millionen Vertriebene in Deutschland integriert worden. "Eine Meisterleistung", blickt der Vorsitzende zurück. Die Gastarbeiter aus Italien kamen in den 50er Jahren infolge des Anwerbeabkommens, es folgten ebenso fleißige Menschen aus Spanien, Griechenland, der Türkei oder dem ehemaligen Jugoslawien. Schließlich fiel der "Eiserne Vorhang" Anfang der 90er Jahre – und es habe die nächste Integrationswelle gegeben, sagt Ndiaye. "Diese Menschen haben eins gemeinsam: Sie wünschen sich und hoffen, mit offenen und warmen Armen empfangen zu werden."

Akzeptanz im Rathaus

In Liederbach sei das nicht immer in dieser Form der Fall gewesen, gibt Ndiaye im Gespräch mit dem Kreisblatt zu bedenken. Vor einigen Jahren noch habe die Arbeit des Ausländerbeirats nicht so den hohen Stellenwert genossen. Unter Bürgermeisterin Eva Söllner habe sich das deutlich zum Positiven gewandelt, freut sich der Senegalese. "Es hat sich in unsere Richtung hin einiges getan."

Als aktuelles Beispiel kann er den Fall einer Liederbacherin nennen, die in die Heimat abgeschoben werden sollte. Francoise Blank vom Ausländerbeirat habe gemeinsam mit der Bürgermeisterin dafür gekämpft, dass die Frau bleiben darf. Die unzähligen Briefe und Telefonate hatten schließlich Erfolg: Die Frau wird nicht von ihrer Familie getrennt – dank der Kooperation von Gemeinde und Beirat.

Option und Feuerwehr

Für Emile Ndiaye ist dies ein Paradebeispiel dafür, wie er sich in Zukunft die Zusammenarbeit bei neuen Projekten vorstellt. Denn davon gibt es eine ganze Menge: So plant der Ausländerbeirat, die Senioren mit Migrationshintergrund besser einzubinden. "Wenn jemand so lange hier gelebt und gearbeitet hat, dann muss er auch die Möglichkeit haben, ein bisschen rauszukommen." Mit Hilfe der Gemeinde sollen diese Betroffenen angeschrieben und vielleicht zu einem Treffen eingeladen werden. An den bisherigen Veranstaltungen oder der Liederbacher Seniorenfahrt hätten sie bisher jedenfalls kaum teilgenommen, bedauert der Vorsitzende. Freuen würde er sich zumindest über erste Annäherungen, die dann später in Spielenachmittage, Kochtreffs, eine Nähstube oder ein "Klön-Café" münden könnten. Beratungen etwa zum Thema Rente seien vorstellbar.

Das zweite neue Projekt des Ausländerbeirats ist in anderen Orten wie etwa Hattersheim schon bekannt: Die Liederbacher wollen gerne Integrationslotsen schulen. "Das ist eine gute Sache", findet Ndiaye, der seit gut 13 Jahren an der Spitze des Ausländerbeirats steht. Die Lotsen könnten Migranten übersetzen, wenn diese bei Behörden oder dem Arzt sind. Als Leiter der AG der Beiräte im Kreis möchte sich Ndiaye noch dafür einsetzen, einen Vortragsabend zur Optionspflicht anzubieten. Bei der Wahl der Staatsangehörigkeit gebe es sicher noch Informationsbedarf, findet er. Ebenso wünscht sich der Liederbacher, in Zukunft mehr ausländische Bürger in die Feuerwehr zu integrieren – sowohl bei der Jugend als auch in der Einsatzabteilung. Als bewährte Projekte sollen die Kurse "Mama lernt Deutsch" weiterlaufen, die aber noch etwas attraktiver gestaltet werden könnten. Die Interkulturelle Woche soll es ebenfalls wieder geben, dann vielleicht mit Korea als Schwerpunkt-Land.

Dass die Aktivitäten auf fruchtbaren Boden stoßen, glaubt Ndiaye schon. In den vergangenen Jahren habe sich die Akzeptanz gebessert. Über regelmäßige Informationen – für Jugendliche gerne auch übers Internet – will der Beirat mit Johann Haider, Francoise Blank, Lisa Leismann, Karoline Fiedler sowie den potenziellen Nachrückern Ünal Boynuuzun und Ali Yahyazadeh noch mehr Menschen erreichen. Ende 2010 lebten 1246 Ausländer aus 78 Nationen in Liederbach.wein

  • Zurück
  • Versenden
  • Kommentar
  • Druckansicht
    • Delicious
    • Mr. Wong
    • Linkarena
    • Google
    • Yigg
    • Oneview
    • Facebook
    • Facebook

Wetter in Hofheim am Taunus

Jetzt

sonnig

19 °C

Morgen

sonnig

11 °C | 23 °C

Übermorgen

heiter

12 °C | 23 °C

Rhein-Main-Map

Höchster Kreisblatt

Klicken Sie aufs Bild, um über eine Karte zu Meldungen Ihrer Region zu gelangen.

Anzeige

Nachrichten-Archiv

April
1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
30
Mai
123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031

Ihre Tageszeitung als PDF

Höchster Kreisblatt

Die Titelseite der Höchster Kreisblatt vom 26.05.2012 als PDF zum Downloaden.

Zum Thema

Meine Eintracht

In unserer Arena erzählen Prominente aus der Region von ihren persönlichen Erlebnissen mit der SGE. Die Serie "Meine Eintracht" gibt's natürlich auch online.

Gratis: Eintracht-Newsletter

Umfassend über den Lieblingsverein informieren lassen. Gratis. Und bequem per Mail.

Kinofilme – wann und wo

Einfach hier abfragen.

FNP-Testabo bestellen

Lesen, was Sache ist: Das FNP-Probeabo! 14 Tage kostenlos.

Nichts wie weg

Die Leserreisen Ihrer Zeitung – alle online!

Umfrage: ESC 2012

Am 26. Mai treten 26 europäische Musiker in Baku an, um beim Eurovision Song Contest den Sieg für ihr Land zu holen. Welche Chancen geben sie dem deutschen Kandidaten Roman Lob?

Ihre Meinung

Rhein-Main-Wiki

Anzeige

Extras

14. HK-Kreisstadt-Lauf

Laufen - oder walken - Sie wieder mit für einen guten Zweck! An Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 17. Mai 2012, fällt der Startschuss zum 14. HK-Kreisstadt-Lauf. Hier geht's zur Anmeldung!

Die FNP mobil lesen

Tausende lesen die FNP schon auf dem iPhone. Die neue Version der App ist noch umfangreicher und schneller. Es gibt sie im App-Store.

Wir bei Twitter

Folge uns unter twitter.com/fnp_zeitung. Ständig aktuelle Tweets zu Nachrichten aus der Wetterau und dem Main-Kinzig-Kreis.