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"Nicht schönreden, nicht schwarzmalen"
Sulzbacher, Sodener, Neuenhainer und Altenhainer Katholiken sollen aus der Vereinigung neue Impulse ziehen
Mehr als 600 Gläubige feierten gestern ihre neue Gemeinschaft.
Bad Soden. ![]()
"Wir geben Kirche ein Gesicht", das ist das Ziel der Verantwortlichen von St. Marien und St. Katharina. Foto: Nietner"Man muss mit der Zeit gehen." Ingeborg Waldmann aus Neuenhain stellte es so nüchtern wie pragmatisch fest: Die Neugründung der Pfarrei St. Marien und St. Katharina ist wohl für die allermeisten Resultat einer Entwicklung, die sich nicht aufhalten lässt. Und ganz so schlecht fühlte es sich auch gar nicht an, miteinander in einer prall gefüllten Pfarrkirche St. Katharina den festlichen Gründungsgottesdienst zu feiern. Mehr als 30 Messdiener aus den vier Gemeinden sorgten ebenso für einen außergewöhnlichen Rahmen wie die gleich fünf Chöre und Musikgruppen, die beiden Organisten und die Mitglieder des Pfarrgemeinderats, die ihre Wünsche für die neue Pfarrei formulierten.
"Jeder hat seine Stimme im großen Chor der Gemeinde", griff Pfarrer Paul Schäfer in seiner Predigt das Motto des Gottesdienstes auf: "Nehmt Gottes Melodie in euch auf", das habe Bischof Ignatius schon im Jahr 107 an die Gemeinde von Ephesus geschrieben, und darum gehe es auch noch heute. "Wir stehen an einem wichtigen Punkt der Kirchengeschichte, der Kirche in Deutschland. Schönreden hilft nicht, schwarzmalen gar nicht", so Schäfer. Vielmehr gehe es darum anzunehmen, was den Christen im Hier und Heute aufgetragen sei. Die Menschen erwarteten von der Kirche keine großen Worte, da ist sich der mit der Neugründung auch neu als Pfarrer von Bad Soden und Sulzbach eingesetzte 75-Jährige sicher. "Gefragt ist ein persönliches Wort von Mensch zu Mensch."
"Ein starker Partner"
Da passte es, dass sich die Pfarrei gar nicht erst Würdenträger für große Worte eingeladen hatte. Anders als in Hattersheim und Eppstein, wo zu den Neugründungen Weihbischof Dr. Thomas Löhr das Bistum repräsentiert(e), schafften die Bad Sodener und Sulzbacher Katholiken ihren Neuanfang allein.
Sodens Bürgermeister Norbert Altenkamp war zwar zum Gottesdienst gekommen, allein schon, weil er Gemeindemitglied ist, verzichtete aber an dessen Ende darauf, die Menschen nach rund 100 Minuten noch länger in der Kirche zu halten. "Manchmal ist es auch segensreich, wenn Amtspersonen mal den Mund halten", befand der Rathauschef, dass der Begegnung auf dem Kirchenvorplatz Vorrang gebühre. Er betonte aber, die Katholiken seien vor allem in Sachen Kinderbetreuung in der Vergangenheit "ein starker Partner" der Stadt gewesen. Er sei sicher, dies werde auch in Zukunft so sein.
Den Zusammenschluss über Ortsteil- und sogar kommunale Grenzen sollte "man nicht immer mit einem hängenden Kopf sehen", findet Altenkamp. "Die Gemeinde lebt von den Menschen, nicht von Strukturen. Und im Kleinklein würde man eher Depression erleben als Aufbruch." Ein Gottesdienst wie der gerade erlebte könne dagegen hoffentlich Impulse für neue Aufbrüche geben.
Auch die evangelischen Pfarrer waren zum Gratulieren gekommen. Für sie stelle sich nun die Frage, wer ihr Gegenüber sei. "Das war vorher eindeutiger," befand Dr. Achim Reiss. Sein Wunsch für die Katholiken: "Dass es auch in der großen Gemeinde noch viel Beheimatung geben wird."babs (babs)



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