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Piraten fassen Fuß im Kreis
Preussler wird Vorsitzender
43 Mitglieder der Piratenpartei gibt es im Main-Taunus-Kreis. 15 von ihnen gründeten am Samstag in der Hofheimer Stadthalle einen Kreisverband.
Von Manfred Becht
Hofheim. ![]()
Ernst-Joachim Preussler ist Kreisvorsitzender der Piraten. Sie wollen es anders machen als die etablierten Parteien, und das ist immer spannend. "Vanessa und Sabrina mehrheitlich zum Protokollführer gewählt", heißt es da ganz locker im Protokoll über die Gründungsversammlung. Man fühlt sich an die Anfangstage der Grünen erinnert. Ernst-Joachim Preussler ist der Vergleich nicht so recht. Grüne Ideen wie Rotationsprinzip und Frauenquote werde es bei den Piraten nicht geben, sagt Preussler, der bei der Gründungsversammlung zum Vorsitzenden des Kreisverbandes gewählt wurde.
Dass sich die Piraten an dem einen oder anderen Punkt an die Regeln des herkömmlichen Parteiensystems anpassen müssen, das kann er nicht ausschließen. Spannend ist sicherlich die Festlegung, es solle mehr um Inhalte gehen als um Personen. Das haben die Grünen anfänglich auch gesagt, haben aber auch gelernt, dass sich Inhalte oft am besten über Personen transportieren lassen.
Preussler ist jedenfalls bei den Main-Taunus-Piraten eine solche Person. Der Diplom-Informatiker aus Hattersheim, 42 Jahre alt, führt den Kreisverband an. In die Partei ist er im Jahre 2009 eingetreten, obwohl er bis dahin "noch nie den Gedanken ertragen konnte, Mitglied einer Partei zu werden." Er wurde ebenso einstimmig gewählt wie sein Stellvertreter René Lucchesi und Schatzmeister Frank Schäfer. Als Beisitzer machen schließlich noch Klaus Rehm und Gerhard Schwanz im Vorstand mit.
Konkretere Inhalte wurden bei der Gründungsversammlung lediglich zum Flugverkehr formuliert, die sich aber nicht wesentlich von den Aussagen der Parteien unterscheidet, die den Flughafenausbau abgelehnt haben. Im Bau der neuen Landebahn sehen sie eine mangelnde Wertschätzung des Bürgerwillens. Die Piraten sind überzeugt, dass durch geänderte Routen und Verfahren der Flugbetrieb erträglicher gemacht werden könnte, ohne Sicherheit und Wirtschaftlichkeit zu beeinträchtigen. Der Satz allerdings, dass am Flughafen wirtschaftliche Interessen über die der Bürger gestellt würden, wurde nach der Debatte gestrichen.
Bis zur Kommunalwahl 2016, bei der die Piraten antreten wollen, sollen nach und nach weitere Aussagen erarbeitet werden. Beim nächsten Parteitag im Frühjahr werde es wahrscheinlich um die öffentlichen Verkehrsmittel gehen. Preussler sieht in seiner Partei insofern eine liberale Tendenz, als dass Toleranz gegenüber verschiedenen Lebensentwürfen und Respektierung des Bürgerwillens ganz wichtig seien. Mit dem Wirtschaftsliberalismus der heutigen FDP will Preussler dagegen nichts zu tun haben, in Sachen sozialer Gerechtigkeit sortiert er die Piraten eher auf der linken Seite des politischen Spektrums ein.
Und er glaubt, dass diese Themen den Bürgern so wichtig sind, dass dies die Piratenpartei auch längerfristig am Leben halten und zu einem politischen Faktor machen kann. Laut jüngstem Polit-Barometer bewegen sich die Piraten zurzeit bundesweit bei 5 Prozent. Noch vor den Kommunalwahlen wird im Jahre 2013 in Bund und Land gewählt – schon dann könnte sich zeigen, ob diese Einschätzung stimmt.



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