Tempolimit für die U-Bahn

Strecke im Europaviertel soll nicht wie Eschersheimer Landstraße aussehen

Grundstückseigentümer und Römer-Opposition warnen vor den städtebaulichen Folgen, wenn die U-Bahn ins Europaviertel oberirdisch fährt. Doch Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) versichert, dass keine zweite Eschersheimer Landstraße entstehen werde.

Von Günter Murr

Frankfurt. Die oberirdische U-Bahn-Trasse in der Eschersheimer Landstraße gilt als städtebaulicher Sündenfall. Sie trennt die Stadtteile, immer wieder passieren tödliche Unfälle. Jetzt soll, wie berichtet, auch die U-Bahn ins Europaviertel aus Kostengründen nicht im Tunnel verlaufen, sondern in der Mitte des Boulevards.

"Das war städtebaulich nicht gewollt", sagt Markus Diekow, Sprecher des Immobilienunternehmens CA Immo, das die Flächen östlich der Emser Brücke entwickelt. "Wir haben immer daran gearbeitet, eine hohe Aufenthaltsqualität auf dem Boulevard zu erreichen." Er verweist auf Lärm und verkehrstechnische Probleme, die eine oberirdische U-Bahn mit sich brächten. Auch FDP-Fraktionschefin Annette Rinn warnt: "Das letzte, was wir wollen, ist eine neue Eschersheimer Landstraße."

Kaum Zeitverlust

Doch so wie dort werde die Trasse im Europaviertel nicht aussehen, betont Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne). Es seien keine Zäune nötig, da die Höchstgeschwindigkeit der Züge auf 50 Kilometer pro Stunde begrenzt werde. Gegenüber Tempo 70 ergebe sich ein Zeitverlust von weniger als einer Minute. Die Trasse werde ähnlich aussehen wie die Neubaustrecke am Riedberg, so Majer, der monatelang auf die Kompromisslösung hingearbeitet hat.

Kein Zuschuss für Tunnel

Der Verkehrsdezernent wies darauf hin, dass die Alternative zu einer oberirdischen U-Bahn nur eine Busanbindung sei. Denn die Mehrkosten für eine Tunnelstrecke – rund 80 Millionen Euro – müsste die Stadt allein finanzieren, was angesichts der angespannten Haushaltslage nicht möglich sei. Das hessische Verkehrsministerium bestätigte gestern, dass Bund und Land den Tunnel nicht für nötig halten und deshalb nicht bezuschussen wollen. "Es gibt keine Rechtfertigung dafür", sagte Ministeriums-Sprecher Wolfgang Harms. Vor Weihnachten habe die Stadt eingelenkt.

Angesichts dieser Sachzwänge versucht sich das Immobilienunternehmen Aurelis, welches das westliche Europaviertel entwickelt, mit der neuen Situation zu arrangieren. Auch bei einer oberirdischen Streckenführung seien die wesentlichen Forderungen erfüllt, teilte Unternehmens-Sprecherin Susanne Heck mit. Es werde eine sehr gute Erreichbarkeit des Europaviertels mit dem öffentlichen Nahverkehr gewährleistet, und der Europagarten bleibe als große, zentrale Grünfläche unberührt.

Wie berichtet, soll der Park mit einem gemeinsamen Tunnel für Autos und U-Bahn unterquert werden. Allerdings wollen Bund und Land auch diesen nicht bezuschussen, die Mehrkosten muss die Stadt tragen. Das Europaviertel soll an die Linie U 5 angebunden werden, die heute am Hauptbahnhof endet. Nach den neuen Plänen soll nur die Station am Güterplatz unterirdisch liegen, allerdings nicht so tief wie ursprünglich geplant. Mit einer Rampe könnten die Gleise dann in Höhe der Kreuzung vor der Emser Brücke an die Oberfläche kommen.

SPD: Ein Trauerspiel

FDP-Fraktionschefin Rinn hält den Tunnel nach wie vor für die bessere Lösung. "Vielleicht sollten wir lieber auf die Regionaltangente West verzichten", sagte sie. Der Fraktionschef der SPD, Klaus Oesterling, spricht von einem Trauerspiel. "Wir hätten den Tunnel bauen können, als noch Geld vorhanden war." Doch jahrelang sei nichts passiert. Der Vorgang sei wahrlich kein Ruhmesblatt für den Magistrat, kritisiert der Sozialdemokrat.

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