Töne, Tore, Termine: Hornaus "Heinzelmännchen"

Will Heinz Jost ist ein Vereinsmensch durch und durch. Heute feiert er seinen 75. Geburtstag, "morgen" würde er bei seinen vielen Posten gerne so langsam etwas kürzer treten.

Hornau. Hier fühlt sich Willi Heinz Jost zu Hause: Das Vereinsheim des FZH Blasorchesters an der Rotebergstraße ist fast seine zweite Heimat, dort wird heute auch gefeiert. Enkel Maximillian, der Schlagzeug spielt, ist natürlich mit dabei. Ein großer Stapel mit Karteikarten liegt vor ihm. In den Schiebefächern türmen sich die Vereinsunterlagen, die Rechenmaschine steht bereit. "Ich mache schon wieder Vereinskram" – so empfängt Willi Heinz Jost das Kreisblatt in seinem gemütlichen "Arbeitszimmer" im Wintergarten. Dieser Mann ist einfach ständig für Hornau im Einsatz. Nur heute, da soll das Engagement ruhen: Willi Heinz Jost feiert dann seinen 75. Geburtstag.

"Das frage ich mich", antwortet er auf die Frage, woher er die viele Zeit für die unterschiedlichen Aktivitäten immer genommen habe. Denn der gebürtige Hornauer war nach der Drucker-Lehre schon 1962 sein eigener Chef. Hinter dem Elternhaus an der Rotlintallee baute er anstelle des Schuppens für Hühner und Ziegen seine erste eigene Druckerei. 1980 zog er an die Rotebergstraße um, wo die Familie noch heute wohnt. Briefbögen, Etiketten, Visitenkarten, Festbücher – Willi Heinz Jost hatte reichlich zu tun, gab die Räume erst 1998 an einen Nachfolger ab, der dann 2009 in die Insolvenz gehen musste. Nun hat der Tanzsportclub dort sein Domizil, zudem ist das FZH Blasorchester im Keller zu Hause.

Die Freunde der "Gefion"

Der Musikverein hat das Ehrenamt der Hornauers maßgeblich bestimmt. Der junge Mann lernte die Fanfare spielen und gründete die Gruppe 1954 gemeinsam mit 16 Musikfreunden. Seitdem ist er im Vorstand, seit 1963 als Kassierer. Als sich das Blasorchester 1960 von der Kolpingfamilie löste und selbständig wurde, habe es einen großen Musikwettstreit gegeben, erinnert sich Willi Heinz Jost – mit 64 Vereinen und 2400 Teilnehmern.

Das Blasorchester vermachte ihm noch eine andere Leidenschaft. Vom befreundeten Verein aus Dirmstein/Pfalz erfuhr Jost etwas von dessen Schnellboot-Partnerschaft bei der Bundeswehr. "Mensch, so was brauchen wir auch", war sein erster Gedanke. Das angebotene Minensuchboot "Gefion" in Neustadt/Holstein sei ihm anfangs mit 24 Knoten "zu langsam" gewesen, doch längst ist zur Besatzung eine tiefe Freundschaft entstanden. Seit mehr als 30 Jahren sind die Hornauer die Paten des Bootes, unterstützen kleinere Anschaffungen und initiierten gegenseitige Besuche. Die Fahrten aufs Meer seien immer "sehr schön" gewesen, sagt Jost. "Aber ich war immer seekrank", ergänzt seine Frau Elsbeth, die er in Altenhain beim Theaterspiel kennengelernt hat und mit der er seit 50 Jahren verheiratet ist. Zur musikalischen Familie gehören noch Tochter Elisabeth, die Querflöte spielt, Schwiegersohn Andreas (Klarinette) sowie die Enkel Maximillian (Schlagzeug und Bariton), Sebastian (Trompete) und Anna-Maria.

Mitglied in allen Clubs

Der Vorzeige-Ehrenamtler übernahm 1979 einen weiteren wichtigen Posten: Er wurde Vorsitzender des Vereinsrings Hornau und ist längst Mitglied in sämtlichen dort organisierten Gruppen. Willi Heinz Jost war 34 Jahre aktiv bei der Feuerwehr. "Da haben wir nachts senkrecht im Bett gestanden, wenn der Piepser losging", erinnert sich Enkel Maximillian. Jost spielte Fußball bei der TuS, war dort Hallenwart und Kassierer. Schon als Zwölfjähriger habe er damals die Mitgliedsbeiträge – zehn Pfennig im Monat – im Ort eingesammelt.

Doch das reichte dem Hansdampf immer noch nicht. Jost engagierte sich zudem als Hausmeister der Alten Schule – und als das Vereinshaus gebaut wurde, überwachte er wie selbstverständlich die Arbeiten. Hier habe er rund 1000 ehrenamtliche Stunden als "Muskelhypothek" eingebracht, hebt die Stadtverwaltung hervor. Bis Dezember 2011 war er im Vereinshaus noch nebenbei Hausmeister. Aus gesundheitlichen Gründen, aber auch nach einigen Unstimmigkeiten, hat er diesen Job aufgegeben. Froh ist er, dass sich die "Bürger für Hornau" sehr für die Ortsentwicklung einsetzen – auch da ist er als Beisitzer im Vorstand.

Gerne würde er das eine oder andere Ehrenamt langsam abgeben – bisher Fehlanzeige. "Die Leute wollen nichts mehr umsonst machen. Aber das geht in Vereinen nicht", stellt er klar. Der Vereinsring sei für den Ort schon wenig, so viel Arbeit sei es aber wiederum nicht, findet Willi Heinz Jost. Enkel Maximillian hat bei diesen Worten genau zugehört – vielleicht ist hier ja ein Nachfolger für das "Hornauer Heinzelmännchen" in Sicht . . . wein

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