Visionen nicht tabu

Speer-Partner über die Studie und ihre Perspektiven

Am Sonntag, 15. Januar, kommt Städteplaner Albert Speer zum Neujahrsempfang der Gemeinde in die Liederbachhalle (11.15 Uhr). Kreisblatt-Redakteur Frank Weiner unterhielt sich vorab Stefan Kornmann, der die aktuelle Liederbach-Studie leitet.

Stefan Kornmann. Foto: mknKennen Sie inzwischen schon jeden Stein in der Gemeinde?

STEFAN KORNMANN: Wir haben zwar noch nicht jeden Stein umgedreht, aber uns intensiv mit den Gegebenheiten und Strukturen auseinandergesetzt. Dazu wurden mehrere Begehungen durchgeführt, vorliegende Studien, Pläne, Statistiken und Luftbilder analysiert sowie viele Gespräche geführt. Und im Rahmen des Bürgerforums hatten uns viele Bewohner Hinweise, Anregungen und Vorschläge mitgeteilt. Damit haben wir eine gute Basis, uns mit den langfristigen Entwicklungsvorstellungen Liederbachs mit einem Planungshorizont von 15 bis 20 Jahren zu befassen.

Mit Blick auf die künftige Entwicklung der Gemeinde wird oft auf Ihre Arbeit verwiesen. Was sagen Sie zu diesen Vorschusslorbeeren?

KORNMANN: Der Masterplan soll die unterschiedlichen Ansprüche an eine innovative und nachhaltige Planung zusammenführen. Es ist verständlich, dass aus diesem Ansatz eine Erwartungshaltung resultiert, zumal im Ergebnis Aussagen zum langfristigen Bild Liederbachs und seinem Image stehen sollen. Im Vordergrund steht für uns deshalb, Planungsvorschläge zu entwickeln, die Qualitäten weiter entwickeln und visionäre Elemente aufzeigen – in einer Massstäblichkeit, die zu Liederbach passt.

Verraten Sie Ansatzpunkte, wohin die Reise gehen kann?

KORNMANN: Es gibt verschiedene Aspekte, die für die Zukunft eine entscheidende Rolle spielen können. Im Moment vertiefen wir die Planungsüberlegungen und verdichten sie zu konkreten Vorschlägen, die im Frühjahr mit den Gremien und im zweiten Bürgerforum erörtert werden sollen. Es ist offenkundig, dass die Gestaltung der "Grünen Mitte" ein zentrales Thema sein wird. Sie soll in ihrer Ausprägung erhalten bleiben, wobei wir punktuelle Veränderungen wie die Einrichtung von Aufenthalts- oder Aktivitätszonen prüfen. Ebenso ist der Umgang mit Bau- und Wohnformen relevant, damit die monotonen Reihenhausstrukturen am Ortsrand aufgebrochen, aber auch Wohnungstypen für die Bedürfnisse einer alternden Gesellschaft angeboten werden. Und für die innere Identität der Bewohnerschaft ist die Gestaltung der Ortsmitte von besonderer Bedeutung, weshalb wir an Planungsideen für die gewachsenen Ortskerne und dabei insbesondere für Oberliederbach arbeiten.

Wie könnten größere Vorhaben in Zeiten knapper Kassen umgesetzt werden?

KORNMANN: Es kommt insbesondere darauf an, Schwerpunkte zu setzen für die öffentliche – und teilweise auch private – Mittel eingesetzt werden. Dies soll durch den Masterplan unterstützt werden. Der wichtigste Schritt besteht darin, zunächst die Projekte zu definieren, die vorrangig umgesetzt werden sollen und dazu einen Konsens in der Bürgerschaft herzustellen. Dann kann die Gemeinde viele Dinge mit kleineren Budgets realisieren oder, wenn die Vorarbeiten geleistet sind, "lauern", ob sich Finanzhilfen aus Förderprogrammen oder Konjunkturpaketen bieten.

Ein weiterer Ort im Kreis hat Interesse am Projekt signalisiert. Wären solche Studien jeder Kommune anzuraten?

KRONMANN: Eine langfristig orientierte Entwicklungsplanung ist grundsätzlich für jede Gemeinde sinnvoll. Denn üblicherweise springt die Stadtpolitik von einem akut anstehenden Projekt zum nächsten oder befasst sich mit sektoralen, isolierten Aspekten (etwa Verkehrsplanung). Dabei gehen der Blick aufs "Ganze" und die Wechselwirkungen verloren.

Was kann der Neujahrsempfang mit vielen Bürgern, Vertretern von Vereinen und Politik noch zur Studie beitragen?

KORNMANN: Wir arbeiten mit unserem Team aus Stadtplanern, Architekten Verkehrs- und Landschaftsplanern in der nächsten Zeit an detaillierten Vorschlägen. Professor Speer wird deshalb in seinem Vortrag nicht vertieft auf den Masterplan eingehen, sondern über die Region Rhein-Main referieren, von deren Entwicklung Liederbach beeinflusst wird.

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