Wie sich die Wochenmarkt-Händler gegen die Kälte wappnen

Der Kälteeinbruch sorgt nicht nur für weniger Kunden auf dem Wochenmarkt, sondern auch für einen höheren Arbeitsaufwand bei den Marktbeschickern.

Flörsheim. Sie trotzen der eisigen Kälte: Die Marktbeschicker auf dem Flörsheimer Wochenmarkt stehen auch bei Minustemperaturen mehrere Stunden hinter ihren Theken. Die Kälte erfordert aber Anpassungen. Der Obst- und Gemüsestand der Familie Schad sowie der angrenzende Wagen eines Metzgers waren gestern hinter dicken Plastikvorhängen verborgen. Die Standbetreiber versuchen mit dieser "Verpackung" die Kälte abzuwehren und Wärme in ihrem Verkaufsbereich zu halten. Trotzdem war der Markt nur dünn besetzt. Lediglich vier Stände boten ihre Waren an. Von den üblichen drei Gemüsehändlern reiste nur Familie Schad aus Bauschheim an.

Landwirt Helmut Schad und sein Sohn Stefan kämpften mit mehreren Heizstrahlern gegen die bittere Kälte an. In jeder Ecke ihrer Standfläche glühte eine der Gas betriebenen Wärmequellen. Umso mehr Kunden den abgeschirmten Bereich betraten, desto angenehmer wurde es. "Als viel Betrieb war, habe ich hier sogar geschwitzt", erklärt Stefan Schad, der eine dicke Jacke und eine Mütze trug. So viele Besucher wie an wärmeren Markttagen wagten sich gestern zwar nicht auf dem Platz vor der Gallus-Kirche, weil die Schads als einziger Anbieter Gemüse verkauften, war der Zuspruch aber trotzdem groß. Stefan Schad vermutet, dass andere Händler aufgrund der längeren Anfahrtszeiten nicht erschienen. Die Ware wäre im Laufe des Transportes zu viel Kälte ausgesetzt. Die Furcht vor kalten Temperaturen scheint verwunderlich. Schließlich wird Gemüse doch überall kühl gelagert. Wie bei den meisten Dingen, gilt auch hier, dass ein "zuviel des Guten" schädlich ist. Die aktuellen Temperaturen seien zu niedrig, erläutert Stefan Schad, der weiß, dass seine Waren nicht frieren dürfen. Als Beispiel nennt er Kresse, die nach dem Auftauen in sich zusammenfällt. Auch Kartoffeln vertragen die extreme Kälte nicht. Sie werden beim Einfrieren süß, weil sich die enthaltene Stärke in Zucker umwandelt. Sicherlich kein angenehmer Geschmack. Bananen haben die Schads gar nicht erst mitgebracht. "Die werden sofort schwarz", sagt Stefan Schad. Um dem Einfluss der Kälte vorzubeugen, erwärmen die Schads ihre Waren, bevor sie zum Wochenmarkt fahren. Auf dem heimischen Betriebsgelände sind Obst und Gemüse ausreichend vor der Kälte geschützt. "Wir haben voll isolierte Lagerhäuser", erklärt Stefan Schad. Außerdem lagern die Waren in Kühlhäusern bei einer Temperatur von rund vier Grad.

Auch Reza Shahmoradi stand gestern mit dicker Jacke und Mütze in seinem Verkaufswagen. Die Kunden seien bei den gegenwärtigen Temperaturen weniger geworden, stellt der Marktbeschicker fest. "Es kommt niemand, wenn es nicht sein muss", meint Shahmoradi. Er hat seinen Wagen geheizt. Richtig warm darf er es allerdings nicht machen. Die ideale Temperatur für seine mediterranen Spezialitäten lägen bei vier Grad, verrät der Händler. In den Schalen vor ihm steckt ein Thermometer, das er regelmäßig kontrolliert. Auch in seiner Auslage darf es nicht zu kalt werden. Bis zu zehn Grad unter null habe er Spielraum, erläutert Reza Shahmoradi. Bei kälteren Minusgraden müsse er aufpassen, dass die Speisen nicht verderben. sas

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