28.07.2010 Lokales Kelkheim

Von Mohnblume und Distel lernen

Was Techniker aus der Natur kopieren können, zeigte die HGON

Von Yvonne Herzog

Die Bionik ist eine Wissenschaft, die gerade in Schulen noch viel zu selten eingesetzt wird, findet ein Vorstandsmitglied der Kelkheimer Naturfreunde. Was möglich ist, hat er demonstriert.

Kelkheim. Furchtlos nehmen Gerrit, Jago und Falk die Stabschrecken auf ihre Hände. Wie kleine Äste im Wind bewegen sich die Beine der Tierchen. Die Besonderheit der braunen Krabbler erklärt Heinz Weiss den Teilnehmern der «Bionik-Führung» sehr anschaulich: Er lässt einen kleinen automatischen Kunststoffkäfer über einen Tisch krabbeln. Klatscht Weiss in die Hände, so ändert das Plastiktier seine Laufrichtung. «Beim Menschen werden Reize im Gehirn verarbeitet, bei der Stabschrecke werden Signale von einem Bein an das andere weitergeleitet», erklärt Weiss seinen Kursteilnehmern. Und mit eben dieser Eigenart diene die Stabschrecke als Vorbild für den Bau von Robotern.

Viele Disziplinen

Weiss, der sich im Vorstand der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) engagiert, möchte die Kinder mit seinem Kurs neugierig darauf machen, was der Mensch so alles von der Natur lernen und wie er dies in anderen Bereichen anwenden kann. Das ist es, womit sich die «Bionik» – der Begriff setzt sich aus den Wörtern «Biologie» und «Technik» zusammen – befasst. Der englische Begriff «bionics» wurde vom amerikanischen Luftwaffenmajor Jack E. Steele 1960 erstmals auf einer Konferenz in in Dayton/Ohio geprägt. Heute arbeiten in diesem Bereich Naturwissenschaftler und Ingenieure sowie bei Bedarf auch Vertreter anderer Disziplinen wie etwa Architekten, Philosophen und Designer zusammen.

Banane und Käse

An diesem Tag haben leider nur drei Kinder, aber auch drei Erwachsene den Weg zur Veranstaltung auf einer Wiese am Hauptfriedhof gefunden. Katja Fuhr-Boßdorf von der HGON ist trotzdem nicht unzufrieden – denn für diejenigen, die gekommen sind, lohnt sich die Teilnahme auf jeden Fall. Mit Hilfe vieler Anschauungsmaterialien versetzt Weiss nicht nur die kleinen Teilnehmer ins Staunen darüber, welche Erfindungen denn alles durch die Natur inspiriert worden sind: Der Salzstreuer ist eine Kopie der Mohnblume, die aus vielen kleinen Löchern ihre Samen verteilt. Auch die Ideen für viele Verpackungsmaterialien kommen aus der Natur: Um dies zu demonstrieren, verteilt Weiss Bananen an einige Teilnehmer mit der Anweisung, diese ganz normal zu öffnen. Dann öffnet der Fachmann die rote Wachshülle eines kleinen runden Käses, indem er an dem dafür vorgesehenen Band zieht und siehe da: Das kommt allen doch sehr bekannt vor, denn die Banane hat die Lösung geliefert. «Die Natur ist ein Verpackungskünstler», stellt Weiss fest und bezieht sich auf weitere Beispiele wie die Schale von Kokosnüssen und den Gasaustausch im Straußenei, auf dessen Grundlage die Verpackungsfolien für Gemüse entwickelt wurden.

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