Die Herren der Lüfte

Wie ein Oberurseler mithelfen will, in Amerika einen deutschen Rekord aufzustellen

Im März wollen im US-amerikanischen Bundesstaat Arizona 240 deutsche Fallschirmspringer einen Formations-Rekord aufstellen. Mit am Start ist auch ein Oberurseler.

Von Sabine Münstermann

Oberursel. Im Jahr 2006 war Danilo Hintze (kl. Foto) schon einmal in Arizona und flog dort mit anderen Fallschirmspringern in Formation.Was bringt einen erwachsenen Menschen dazu, sich in ein Flugzeug zu setzen und in 6000 Metern Höhe nicht nur raus zu springen, sondern zudem erst einmal ein bis eineinhalb Minuten lang im freien Fall durch die Luft zu düsen, bevor er den Fallschirm öffnet? Gleich vorweg: Eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage wird kaum ein Fallschirmspringer geben. Aber für Danilo Hintze gilt dies: "Es ist einfach eine verdammt coole Sache." Der 40-jährige Oberurseler weiß, wovon er spricht, schließlich ist er seit 1987 Fallschirmspringer und hat in den vergangenen 25 Jahren mehr als 7000 Sprünge absolviert.

Sprung im Spreewald

Zum "Skydiven", wie die Fallschirmspringer, die oft in der ganzen Welt unterwegs sind, mit Vorliebe auf Englisch sagen, kam Hintze nicht von ungefähr. Sein Vater machte das schon, sein Onkel ebenfalls, seinerzeit in Hintzes alter Heimat, dem Spreewald. "Irgendwann hat mich das auch gepackt und ich habe damals in Cottbus eine Ausbildung gemacht", erklärt Hintze, der seit einigen Jahren in Oberursel lebt. Danilo Hintze. Foto: jp

Hintze geht es bei diesem besonderen Sport nicht nur ums Rausspringen und Landen, sondern vor allem um den Kick des freien Falls. Und der ist besonders groß, wenn man ihn zusammen mit anderen erlebt – etwa mit 239 weiteren Fallschirmspringern aus ganz Deutschland, die sich Mitte März in Nordamerika treffen, um einen neuen deutschen Rekord im Fallschirmspringen aufzustellen. Hintze ist auch mit dabei und trotz seiner Routine – Ähnliches hat er schon einmal in Dubai gemacht, wo er mit 122 Leute zusammen gesprungen ist – aufgeregt. "Es ist nämlich so, dass ein falscher Handgriff die ganze Formation zum Platzen bringen kann, und dann ist alles umsonst gewesen", weiß der Profi-Springer.

Extremsport

Damit genau das nicht passiert und die Formation mit dem Namen "Dädalus" – "es soll am Ende aussehen wie ein Diamant", erklärt Hintze – auch funktioniert, wird vor dem Rekordversuch in den USA einige Tage lang fleißig geübt. "Zunächst werden wir in kleineren Gruppen à 60 Mann abspringen und lernen, wo jeder seinen Platz hat. Nach und nach springen dann 120 Mann zeitgleich aus den Fliegern, am Ende eben besagte 240", erklärt Hintze, der in Kronberg als Physiotherapeut tätig ist und nebenbei die Handballer der TSG-Oberursel Herren zweite Mannschaft physiotherapeutisch betreut, einige Jahre lang aber auch hauptberuflich als Fallschirmspringer-Lehrer tätig war.

Sage und schreibe elf Flugzeuge braucht es, um alle Mann in die Luft zu bringen, jeder Teilnehmer zahlt fürs Mitmachen deswegen auch satte 900 Euro. "Ist halt kein billiges Hobby, vor allem auch, weil die Ausrüstung nicht billig ist", weiß Hintze (siehe ZUM THEMA).

Eisenacher Club

Das Spektakel selbst – organisiert wird es übrigens von "Dädalus" Fallschirmsport in Eisenach und wäre nach deren Angaben "die größte Formation, die je eine einzelne Nation aufgestellt hat" – ist übrigens binnen weniger Minuten vorbei. "Wir werden etwa eine Minute und 40 Sekunden im freien Fall zubringen und unseren ,Diamanten‘ formieren. Und wir werden hoffentlich alle immer schön die Vorfahrtsregeln am Himmel beachten. Das ist wichtig, damit jene, die im Inneren der Formation sind, zuerst rankommen und jene, die ganz außen sind, zuletzt."

Danach, etwa in 1800 bis 2000 Metern Höhe, löst sich die Formation recht schnell wieder auf und der Sprung ist vorbei. "Hoffentlich auf geordnetem Wege lösen wir uns wieder voneinander und jeder hält genug Abstand, damit die einzelnen Fallschirme sich öffnen können", sagt Hintze, der durchaus auch schon einmal ein Durcheinander am Himmel miterlebt hat.

Apropos Durcheinander: Wie weiß Danilo Hintze eigentlich, an welche Stelle genau er denn nun in der Formation gehört? Der Profi lacht: "Das ist wirklich kein Hexenwerk, jeder von uns bekommt am Helm oder am Ärmel ein Symbol, damit Vorder- und Hintermann wissen, dass sie hier genau richtig sind."

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