Die Technik braucht eine Kur

Die mit 7,6 Millionen Euro veranschlagte Sanierung für das Kurbad könnte in der zweiten Jahreshälfte beginnen

2012 wird das Jahr der Entscheidung für das Königsteiner Kurbad. Und es hat gut begonnen. Zumindest aus Sicht der Befürworter einer Sanierung des Bades. Almut Boller, eine der beiden Geschäftsführerinnen des Kurbades, spricht über den Stand der Planungen und was sie sich von den Königsteinern wünscht.

Von Stefan Jung

Königstein. Kurchefin Almut Boller will ihr Bad grundlegend sanieren. Außen sieht es nach 30 Jahren noch tipptopp aus. Innen müssten allerdings einige technische Anlagen auf den neuesten Stand gebracht werden. Fotos: Reichwein 1,2 Millionen Euro Zuschuss vom Land, dazu die derzeit begründete Aussicht, durch den Verkauf des städtischen Grundstücks "Wiesengrund" im Idealfall weitere vier Millionen Euro für die Kurbadsanierung zu bekommen – damit ließe sich etwas anfangen. Das meint auch Almut Boller. Entsprechend optimistisch ist die Königsteiner Kurchefin, dass der orange-blaue Badetempel an der Le-Cannet-Rocheville-Straße doch noch in den Genuss der millionenschweren, wie dringend benötigten Generalüberholung kommt.

"Die breite Unterstützung im Parlament für den Verkauf des Wiesengrundes und damit letztlich für die Sanierung macht Mut", betont Boller. "Das Votum zeigt, dass das Bad wie auch der Gedanke der Kur in der Stadt nach wie vor starken Rückhalt genießen." Für Boller, die gemeinsam mit Bettina Brüske die Geschäfte der Kur führt, ein wichtiges und richtiges Signal. Allerdings noch lange nicht der Startschuss für das Anrollen von Baggern und Baumaschinen. Zwar wäre Boller froh, wenn alles optimal läuft und die Arbeiten in der zweiten Jahreshälfte 2012 beginnen könnten. "Wir sind uns unserer Verantwortung jedoch sehr wohl bewusst, machen einen Schritt nach dem anderen und werden nichts überstürzen", unterstreicht die Kurchefin. Bild 2 rechts>

Für die Verantwortlichen seien die jüngsten Entscheidungen des Landes und der Stadtverordneten zunächst einmal wichtige Weichenstellungen gewesen, um die Planungen zu konkretisieren. Boller: "Derzeit sitzen wir mit allen am Projekt Beteiligten – den Architekten, den Technikern und den zuständigen Stellen der Stadt – an einem Tisch und legen die Marschroute und die Zielvorgaben fest." Ob auch ein Projektsteuerer seinen Platz in der Runde hat? Boller lächelt. Sie weiß natürlich um die wenig erfreulichen Erfahrungen, die mit der Projektsteuerung bei der Sanierung des Hauses der Begegnung (HdB) gemacht wurden. Die Antwort fällt entsprechend diplomatisch aus. Gegenwärtig sehe es nicht so aus, dass man auf die Dienste eines externen Steuerers zurückgreifen werde. Ausgeschlossen sei es aber auch nicht. "Es gibt derzeit eine Vielzahl an Gedanken und Ideen. Vielleicht holen wir uns einen Generalunternehmer ins Boot oder es kommt ein Projektsteuerer. Das gilt es in den nächsten Wochen zu klären."

Völlig klar ist für die Kurgeschäftsführerin, dass ihr Bad die Sanierung dringend braucht, wenn es eine Zukunft haben soll. "Von außen betrachtet macht das Haus zwar auch nach über 30 Jahren noch immer einen sehr guten Eindruck, was für die gute Pflege spricht", unterstreicht sie beim Gang durch ein Labyrinth aus Wegen und Räumen. Tief im Bauch des Bades aber, dort, wo das Herz schlägt, tut ein Schrittmacher wirklich not. Lesen Sie weiter: Neue Wasseraufbereitung

Neue Wasseraufbereitung

"Die Kiesfilter, die das Wasser des Innenbeckens permanent reinigen, sind vom Tag der Eröffnung an hier drinnen und tun ihren Dienst", nennt Jürgen Staufert ein Beispiel von vielen in der Technik, die erneuert werden müssen. Zwar kennt und schätzt der Haustechniker sein Equipment. Er weiß aber auch, dass sich die Standards in Sachen Energiesparen und Umweltverträglichkeit in 30 Jahren maßgeblich weiter entwickelt haben. Künftig, so sehen es die ersten Planungen vor, soll die neue Wasseraufbereitung für das Innenbecken in dem Gebäudeteil untergebracht werden, in dem sich bereits die Anlagen für das neuere Außenbecken befinden. Dieser Umzug und alle weiteren Maßnahmen im Maschinenraum und im Bereich der Lüftung werden einen großen Teil der mit 7,6 Millionen Euro projektierten Sanierung verschlingen. Sehen wird der Besucher davon nichts. Und doch wird er die Arbeiten über steigende Eintrittspreise mitfinanzieren. Einer von mehreren Punkten, die von Kritikern – allen voran von der ALK – zuletzt gegen die Generalüberholung ins Feld geführt wurden.

Förderverein wäre schön

Almut Boller ist sich durchaus bewusst, dass es in der Kurstadt nicht nur Befürworter der Sanierung gibt. Allerdings hat sie doch gerade in den vergangenen Wochen, nach eigener Aussage, auch sehr viel Unterstützung von den Bürgern erfahren. "Viele Königsteiner kamen zuletzt auf mich zu, betonten, dass sie das Bad erhalten sehen wollen, auch wenn es viel Geld kosten wird", betont die Kur-Geschäftsführerin, die sich wünscht, dass sich diese verbale Unterstützung noch manifestieren würde – zum Beispiel über die Gründung eines Fördervereins, wie ihn das HdB und das St. Josef-Krankenhaus bereits haben. Potenzial in der Stadt sollte es geben, ist sich die Falkensteinerin sicher.

Befragungen unter den Besuchern haben ergeben, dass gut 20 Prozent der Badegäste aus der eigenen Stadt kommen. Boller: "Das ist ein deutlich besserer Schnitt, als er in anderen Städten erreicht wird." Rechne man die Gäste aus den Nachbarorten wie Bad Soden (11 Prozent) oder Kronberg (9,1 Prozent) dazu, verfestige sich der Eindruck, dass das Bad in der Region verankert sei und gebraucht werde. "Gerade weil wir kein Spaß- und Wellnessbad sind, sondern uns klassisch auf das Angebot vom Baby- bis zum Seniorenschwimmen sowie das Thema Gesundheit verlegt haben, haben wir mit rund 160 000 Besuchern pro Jahr unseren festen Platz in der heimischen Bäderlandschaft", betont die Kur-Chefin.

Um den zu behaupten und den Status Königsteins als Kur- und Gesundheitsstadt zu festigen, führe kein Weg an der Sanierung vorbei. Dass davon letztlich auch die Besucher sicht- und spürbar profitieren werden, davon ist die Kur-Geschäftsführerin überzeugt. Schließlich sehen die Pläne für die Renovierung auch eine Neugestaltung der in die Jahre gekommenen Umkleiden und der Schwimmhalle vor. "Wir werden die Spiegeldecke umgestalten, die Fensterfronten austauschen und zudem den Restaurantbereich modernisieren."

Was die Sauna angeht, musste der große Wurf – der Umzug in den 3. Stock – zwar aus Kostengründen auf Eis gelegt werden. Durch eine neue Aufteilung der vorhandenen Räumlichkeiten jedoch, soll den Gästen weiterhin auf zeitgemäße Art eingeheizt werden.

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