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Patrick muss den Schlüssel wieder herausrücken
Das ist an Aschermittwoch so üblich – Für die Oberurseler bleibt er der „Prinz mit dem großen Herzen“
Prinz Patrick I. ist kein lauter Zeitgenosse – wenn man einmal von den donnernden Helau-Rufen in seiner Kampagne absieht. Nein, er bevorzugt die leisen Töne. "Prinz mit großem Herz", so wird er oft beschrieben. Doch auch für ihn endete am Aschermittwoch die Regentschaft.
Von Christine Šarac
Oberursel. ![]()
Ex-Prinz Patrick I. (Mitte) überreicht beim Katerfrühstück am Aschermittwoch Bürgermeister Hans-Georg Brum den Rathausschlüssel. Mit dabei war nicht nur sein Hofstaat, sondern auch das Bommersheimer Kinderprinzenpaar Ronja I. und Marius I. Foto: Priedemuth "Ich hätte gerne meinen Schlüssel wieder." Diese Bemerkung von Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) lässt die Gäste im Raum St. Ursula in der Brasserie in Gelächter ausbrechen. Natürlich gibt Prinz Patrick I. den Rathausschlüssel, den er Brum beim Rathaussturm abgejagt hatte, wieder ordnungsgemäß zurück. "Aber nicht wieder so weit weg legen, dass er beim nächsten Sturm gesucht werden muss", meint Uwe Eilers, Vorsitzender des Oberurseler Narrenrates, schelmisch.
Das traditionelle Katerfrühstück mit Hering am Aschermittwoch ist auch Anlass, Rückschau auf die Kampagne von Prinz Patrick I. zu halten. "Wir hatten mit ihm einen tollen Prinzen und die Stadtverwaltung war stolz darauf, dass ein Kollege das närrische Zepter hochgehalten hat", lobt Bürgermeister Brum. "Und das Kinderprinzenpaar Ronja I. und Marius I.", ergänzt der Rathauschef, "hat viele Auftritte mit Bravour absolviert und immer frei gesprochen."
Eilers beschreibt Prinz Patrick zudem als ganz Großen. Stephan Remes, Vorsitzender des Karnevalvereins Frohsinn, in dem die Tollität aktiv ist, würdigt ihn als "Prinz mit großem Herzen".
Bemerkenswert ist, dass er in seiner Kampagne nahezu jede Korporation besucht hat. Genau 144 Termine hat er in seiner Kampagne absolviert und kein einziger zugesagter Auftritt wurde von ihm gecancelt. "Für mich war das keine lästige Pflicht, im Gegenteil", sagte der Prinz, der ja nun offiziell keiner mehr ist. "Ich habe mich auf jeden dieser Termine gefreut."
Ins Nichts fallen
Aber wie sieht es jetzt am Aschermittwoch in ihm aus? "Es ist schon bitter, wenn man nach dem großen Trubel ins Nichts fällt", bekennt Patrick Volz, wie der Prinz bürgerlich heißt. "Eine Woche vor dem Taunus-Karnevalszug steigert sich das Tempo immer mehr. Man geht von Termin zu Termin, schaut in strahlende Kinderaugen. Prinz Patrick zu sein wird zur zweiten Identität und plötzlich ist das alles auf einmal abgeschnitten", bedauert er.
Doch die traditionelle Zeremonie des Prinzen-Auszugs, die immer am Abend des Faschingsdienstages um Punkt 24 Uhr stattfindet, habe ihm auch geholfen, mit der Situation umzugehen. Während seiner Kampagne habe er regelmäßig ein "Prinzentagebuch" geführt. "So kann ich noch mal alles Revue passieren lassen."
Aber was wäre ein Prinz ohne seinen Hofstaat? "Wir waren ein ganz tolles Team und hatten sehr viel Spaß", so die ehemalige Hoheit. "Die Pagen haben auf mein Zepter aufgepasst wie die Schießhunde. Auf meinen Hofmarschall war immer Verlass und Ludwig Reuscher hat im Hofmarschall-Büro alle Fäden in der Hand gehalten." Ein Missgeschick gab es allerdings leider auch, denn Pagin Annekatrin wurde am Bein verletzt und musste am Sonntag mit Krücken auf den Prinzenwagen.
Davon einmal abgesehen schwärmt die Ex-Hoheit: "Der Zug war wirklich toll." Und als er auf dem Wagen an seinem Haus am Marktplatz vorbeizog, winkte seine Frau Yvonn von oben herunter. Prinz zu sein, das sei ein Wahnsinnsgefühl, versucht er die Sache zu beschreiben, doch dann wird er von seinen Gefühlen überwältigt und kann nicht weitersprechen.
Diese Woche hat Patrick Volz noch Urlaub genommen. "In dieser Zeit möchte ich helfen, den Prinzenwagen wieder abzubauen und für meinen Nachfolger bereit zu machen", erzählt er.
Zwar ist noch keine Hoheit für die Kampagne 2012/13 gefunden. Doch es gebe mehrere Interessenten, sagt Narrenratschef Eilers.
Für Patrick Volz jedenfalls beginnt kommende Woche wieder das normales Leben und sein Job als hauptamtlicher Gerätewart in der städtischen Organisationseinheit Brand- und Zivilschutz. Und in einigen Wochen stellt er sich dann der nächsten großen Aufgabe, dann wird er nämlich Papa.



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