Trauernden zu helfen ist ihr ein Anliegen

Anna Lammert ist Mitarbeiterin im Friedwald. Sie sucht mit Interessenten Bäume aus, bereitet Beisetzungen vor und begleitet Angehörige. Doch was bewegt eine junge Frau dazu, eine solche, oft schwere Aufgabe zu übernehmen?

Von Gerrit Mai

Weilrod. Anna Lammert mag die Natur im Friedwald. Es ist ihr ein Anliegen, Trauernde ebenso gut zu betreuen wie Menschen, die sich den Baum aussuchen möchten, an dem ihre Urne dereinst einen Platz finden soll. Foto: Mai Der Laubwald ist kahl, Vögel huschen zwischen den blattlosen Ästen hindurch. Zwar herrscht Ruhe im Friedwald Weilrod oberhalb von Altweilnau, aber keinesfalls Grabesstille. "Hier sind Leben und Tod eng miteinander verbunden", findet Anna Lammert. Seit einiger Zeit unterstützt sie im Auftrag des Forstamts Weilrod die Friedwald-Förster bei der Betreuung der Kunden. Sie sucht mit Interessenten Bäume aus, bereitet Beisetzungen vor und begleitet die Angehörigen.

Menschenleer ist es fast nie in dem 60 Hektar großen Gelände. "Im Sommer kommen die Leute manchmal sogar mit einem Picknickkorb." Hier finde eine andere Art von Trauerbewältigung statt als auf einem normalen Friedhof. Die Nähe zwischen Leben und Tod und das Wissen, dass der Tod zum Leben gehört, seien spürbar. "Hierher braucht man auch nichts anderes mitzubringen als seine Zeit." Blumen und Grabschmuck sind laut Vereinbarung zwischen Friedwald und Kunden nicht erlaubt. Die 23-Jährige mag diese ganz besondere Atmosphäre. Sie mag es auch, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, sei es, um einen Baum auszusuchen, sei es im Rahmen der Vorbereitung einer Trauerfeier. Einige seien schon erstaunt, dass ihnen eine so junge Frau begegnet, aber für Anna Lammert gibt es kaum einen besseren Wirkungsbereich.

Sie arbeitet nur samstags als Aushilfe im Friedwald, hat zwei bis drei Termine im Monat. Ihr Haupt-Arbeitsplatz befindet sich in der Onkologie der Universitätsklinik Frankfurt, wo sie seit fünf Jahren als Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung im Einsatz ist. Die gelernte Arzthelferin wollte mehr für Kranke tun, als dies in einer Hausarztpraxis möglich ist, und so entschied sie sich zu einer Fortbildung.

In der Uniklinik die Krankenbetreuung, im Friedwald trauernde Angehörige – für Anna Lammert ist das eine gute Ergänzung. Mutter Susanne ist Pflegedienstleiterin der Diakoniestation Wehrheim und Vater Matthias Friedwald-Förster, von daher sind ihr beide Berufe nicht fremd. "Ich bin mit dem Wald aufgewachsen." Deshalb brauchte die Grävenwiesbacherin nicht lange zu überlegen, als sie vom Forstamt Weilrod gefragt wurde, diese Arbeit samstags zu übernehmen. Sie wurde in das Friedwald-Konzept eingearbeitet, einiges kannte sie ja bereits.

Mit den Kunden bespricht sie auch Sonderwünsche, etwa wenn bei der Beisetzung für Trauernde, die nicht so gut zu Fuß sind, ein Auto gebraucht wird, oder der Andachtsplatz dekoriert werden soll. Die Kontakte mit den Trauernden seien ganz besondere, sagt Anna Lammert. Sie bringt ihnen Verständnis entgegen und viel Feingefühl. "Ich bin dankbar für die Erfahrungen, die ich hier machen darf und bekomme persönlich sehr viel Dankbarkeit zurück."

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