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Geschäfte rücken zusammen
Ladeninhaber wollen Klein-Karbens Ortszentrum lebendig halten – gemeinsames Auftreten geplant – Sanitätshaus neu
"Gemeinsam sind wir stark!" Nach diesem Motto wollen die Einzelhändler in der Rathausstraße "ihr" Klein-Karbener Ortszentrum lebendig halten. So hoffen sie der Konkurrenz auf der Grünen Wiese und im Internet stand zu halten. Doch der Weg ist steinig. Das zeigte sich schon beim ersten Treffen.
Von Dennis Pfeiffer-Goldmann
Karben. ![]()
Eine schönere Zufahrt in die Rathausstraße mit weniger Schilderwald wünschen sich die Händler. Eines vor allem brenne vielen Kunden noch unter den Nägeln, weiß Matthias Reising. Er ist Inhaber von Elektro 2000 und der Postfiliale in der Klein-Karbener Rathausstraße und sitzt gerade mit seinen Kollegen aus den benachbarten Geschäften zusammen.
"Gemeinsame Schließzeiten fänden die Kunden gut", berichtet Reising. Die große Einigkeit in der Runde weicht leichter Skepsis. Dass alle von morgens um sieben bis abends um sieben aufhaben sollten, das mag doch nicht jeder Ladeninhaber sofort unterstützen.
Dennoch: Die Läden im Ortszentrum von Karbens größtem Stadtteil Klein-Karben wollen künftig zusammenarbeiten, bekunden sie.
Apothekerin Susanne Krill ist mit ihrer Peter-Geibel-Apotheke erst vor wenigen Tagen aus der Homburger Straße herübergezogen. "Die Kunden sind bisher extra zu uns gekommen," berichtet sie. "Jetzt können sie mehr Sachen zusammen erledigen, zum Beispiel auf die Bank gehen und Brötchen holen. Das finden alle toll."
Krill hat 200 Quadratmeter der bisherigen Fläche des Innendeko-, Porzellan- und Gartenmöbelhandels von Wilhelm Trabandt übernommen. Sie verdreifachte ihre Verkaufsfläche, baute ein hochmodernes, platzsparendes "Mini-Hochregallager" für die Medikamente ein.
Trabandt, der Kunden aus einem Umkreis von 50 Kilometern anzieht, verkleinerte sich ein wenig – auch weil mit der Ansiedlung des Möbelhauses in Segmüller in Bad Vilbel große Konkurrenz droht (die FNP berichtete). "Das brauchen wir nicht unbedingt", sagt Trabandt. Wenn sich die Politik dennoch dafür entscheide, seien es "die Zeichen der Zeit" und weil es die Bevölkerung wolle. "Dann müssen wir uns dem stellen."
Konkurrenz aus dem Netz
Trabandts Flächen bilden das Herz der Läden im Ortskern. Elektro 2000 ist seit mehr als 20 Jahren bei ihm Mieter als "Shop im Shop". Der Elektrofachhändler beherbergt seit 2009 auch die Karbener Hauptpost, also quasi als "Shop im Shop im Shop", stellte acht Beschäftigte ein. Allein die Post bringe jeden Tag 200 Kunden ins Ortszentrum, berichtet Inhaber Reising. "Wir hätten uns zwar in unserem Laden dadurch etwas mehr Umsätze gewünscht", räumt er ein, ist aber zufrieden: "Viele mehr Leute kennen uns jetzt, dass hilft Elektro 2000 auf jeden Fall langfristig."
Längst ist die Post unter der Führung von Gattin Anja Reising, einer Bankkauffrau, auch zur Postbank-Filiale aufgestiegen. Und ab März will Reising auch Schreibwaren und Schulsachen anbieten. Vor allem Mütter mit Kindern und ältere Menschen nutzten das Angebot in der Rathausstraße, weiß er. Für sie erledige der Facheinzelhandel wichtige Dienstleistungen und setze sich von Mitbewerbern ab – und besonders vom Handel im Internet.
"Solche Dienstleistungen sind unsere Chance", findet Adeline Schaad-Kliem vom Geschäft "Draußenschön" gegenüber. Darin verkauft sie seit 13 Monaten Pferde-, Hunde- und Wanderzubehör. Die Kundschaft fahre inzwischen aus einem weiten Umkreis her. "Erstaunlich, wie sich das rumspricht", findet Adeline Schaad-Kliem.
Neben der Sparda-Bank vervollständigt seit zwei Jahren der Groß-Karbener Bäcker "Kröger‘s Brötchen" mit einer Filiale samt Café das Angebot im Ortskern. Dagegen steht der Schlecker-Laden leer, seit die Drogeriekette ihren Markt im Januar im Insolvenzchaos räumte. "Das hat mich betrübt", räumt Eigentümer Trabandt ein. Schließlich lägen die Läden im Einzugsbereich des größten Teils der Bewohner der Karbener "Kernstadt".
Ein Doktor wäre perfekt ...
Derzeit versucht Trabandt, den noch bis Ende Mai laufenden Mietvertrag vorzeitig zu lösen. Denn er hat schon einen Nachfolger an der Hand: "Das Friedberger Sanitätshaus Hähn möchte im Sommer hier eine Filiale eröffnen." So etwas gibt es in Karben bislang nicht.
Womit Trabandt nur noch eines fehlt: "Wir wünschen uns noch einen Doktor, oder einen Masseur oder einen Podologen." Platz dafür könne er bieten. So möchte sich Trabandt sein Ortszentrum "Baustein für Baustein zusammensetzen". Mit Wandel kennt er sich aus, wandelte sich das Unternehmen Trabandt doch binnen 370 Jahre mehrfach. "Wenn wir nicht flexibel wären", sagt der Chef, "hätten wir uns nicht so lange gehalten."



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