Die Titelseite der Höchster Kreisblatt vom 26.05.2012 als PDF zum Downloaden.
Felix Brych und der Schauspieler
Wieder einmal fehlt einem angeblich guten Schiedsrichter der Durchblick
Hertha BSC fühlte sich nach dem bitteren Viertelfinal-K.o. im DFB-Pokal gegen Borussia Mönchengladbach um seinen Traum vom Finale betrogen.
Berlin. ![]()
Schiedsrichter Fekix Brych schickte den Herthaner Roman Hubnik vom Feld. Foto: dpa Die Fans schrien "Schieber, Schieber!", Michael Preetz war "kotzsauer", dem aufgewühlten Trainer Michael Skibbe platzte der Kragen. 99 quälend lange Minuten war das Pokal-Viertelfinale zwischen Hertha BSC und Mönchengladbach ein trostloser Langweiler, doch dann erhitzte ein Nasenstüber mit fatalen Folgen die Gemüter.
"Ach du lieber Gott! So eine Entscheidung habe ich ja noch nie erlebt! Die geht auf keine Kuhhaut", wetterte Skibbe nach dem unglücklichen 0:2 (0:0, 0:0) nach Verlängerung und nahm sich Schiedsrichter Felix Brych zur Brust: "Er ist auf einen Bauerntrick reingefallen. Es ist ganz, ganz bitter, dass wir aufgrund eines unfassbaren Fehlers aus dem Pokal geflogen sind." Auch am nächsten Tag war Skibbe noch immer bedient. "Es ist schade, dass wir auf unwürdige Weise verloren haben, aber wir müssen jetzt nach vorne schauen", sagte der 46-Jährige am Donnerstag.
Der Stachel über den Aufreger des Pokalabends saß noch immer tief. Nach einem Foul an Roman Hubnik im Berliner Strafraum lief der Hertha-Verteidiger wütend auf Igor de Camargo zu, bis die Köpfe der Zankhähne nur noch Zentimeter voneinander entfernt waren. Als de Camargo dann seinen Kopf senkte, berührte seine Stirn die Nase Hubniks. Grund genug für den Gladbacher, sich fallen zu lassen und Oscar-reif den "sterbenden Schwan" zu spielen.
Schiedsrichter Brych stand etwa 30 Meter entfernt, entschied sofort auf Platzverweis und Elfmeter gegen Hertha. Filip Daems verwandelte sicher (111.), in der Nachspielzeit (120.+2) stellte Oscar Wendt den Endstand her.
Nach dem Spiel wollte sich Brych nicht äußern, laut Berlins Manager Preetz, der den Münchner in dessen Umkleidekabine zur Rede stellte, sei er jedoch "einigermaßen entsetzt über seine Entscheidung" gewesen. "Er hat zu mir gesagt, dass er die Nacht wohl nicht schlafen kann. Aber uns fehlen jetzt die Chance auf das Finale und eine Millionen-Einnahme, da ist unser Schaden wohl größer", sagte Preetz.
Für Andreas Ottl hatte jedoch ein anderer Schuld. Mit bitterböser Ironie sagte der Mittelfeldspieler in die Kamera: "Ich wünsche Igor de Camargo auf diesem Weg gute Besserung." Der belgische Nationalspieler muss sich auch im Internet Hohn und Spott gefallen lassen. Direkt nach dem Abpfiff wurde eine Facebook-Seite mit dem Namen "Pass auf, sonst lässt sich Igor de Camargo auch in deinem Strafraum fallen" gegründet, die sich großer Beliebtheit erfreut. Dort wird der Stürmer nicht nur übel beschimpft, sondern auch als Oscar-Gewinner abgebildet.
Sollte Hertha im Ligaspiel am Samstag beim VfB Stuttgart die fünfte Pflichtspielniederlage unter Skibbes Leitung kassieren, dürften die Diskussionen um den glücklosen Trainer weiter in den Vordergrund rücken.
Die Gladbacher wussten, dass sie nur mit viel Glück vom vierten Pokaltriumph der Clubgeschichte träumen dürfen. "Das war sehr schwer für uns, Hertha war sehr gut organisiert", analysierte Trainer Lucien Favre. Der ehemalige Hertha-Coach befürchtet, sein Team könnte vor dem Liga-Topspiel am Samstag gegen Schalke 04 zu viel Kraft verloren haben: "Es wird schwer, sich rechtzeitig zu erholen."sid


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