Ein Mainzer Tag zum Vergessen
Für Tuchel und Co. geht in Frankfurt alles schief
Von Jürgen Heide
Der frustrierte Trainer wahrt nur mühsam die Fassung, Stürmer Bancé gelingt das nicht.
Frankfurt. Wie sehr ihn das 0:2 in Frankfurt wurmte, war Thomas Tuchel anzumerken. «Soll ich ihn dafür bestrafen, dass er unberechtigt vom Platz geflogen ist?», giftete der frustrierte Mainzer Trainer einen Journalisten an, der ihn gefragt hatte, ob Chadli Amri nach seiner Gelb-Roten Karte und höhnischem Applaus für Schiedsrichter Felix Brych Sanktionen seinerseits befürchten müsse.
Dass der 36-Jährige sauer war, weil Amri nach seinem kaum verwarnungswürdigen Foul gegen Zlatan Bajramovic die zweite Gelbe Karte gesehen hatte (68.) und der später härter einsteigende Frankfurter Chris nicht, war verständlich. Indes hatte sich Amri schon in der ersten Halbzeit dreimal unfair eingesetzt, so dass der Feldverweis wegen wiederholten Foulspiels berechtigt war – was Tuchel hätte vermeiden können, wenn er den kleinen Wirbelwind, dem ohnehin alles misslang, ausgewechselt hätte.
«Chadli hat mehr als unglücklich agiert», sagte Christian Heidel. Zwei große Chancen hatte der Algerier vergeben (9./45.) und beim 0:1 durch Maik Franz (29.) «gepennt hat», wie es der FSV-Manager ausdrückte. Doch statt Amri, der auch noch zur Dopingprobe musste, nahm Tuchel zur Pause Linksfuß Andreas Ivanschitz vom Feld. Die Maßnahme des Trainers, den Spielmacher in den ersten 25 Minuten im rechten Mittelfeld aufzubieten, war ein Fehlgriff und auch die Auswechslung von Offensivmann Andre Schürrle nach dem 0:1 nicht unbedingt nachzuvollziehen.
Während Amri keine Strafe zahlen muss, will Heidel Angreifer Aristide Bancé zur Kasse bitten. Der nach 20 Minuten von Eintracht-Fans an der Seitenauslinie mit einer Bierdusche bedachte Stürmer, den Franz mehrfach provozierte, zeigte dem Eintracht-Verteidiger direkt nach dem Abpfiff den Mittelfinger.
«Das geht gar nicht»
«Was Bancé gemacht hat, geht gar nicht. Das passt nicht zu Mainz 05», sagte Heidel, der aber auch sauer auf Franz war. «Alle unsere Spieler haben sich über ihn beschwert. Jetzt weiß ich, warum er sich über seinen Ruf in Fußball-Deutschland nicht zu wundern braucht.» Besonders die «vom Niveau her grenzwertigen Verbalattacken» des Blondschopfs, dessen Nachnamen Heidel nicht aussprach, ärgerten den Manager, dessen Team zur Pause auf Abwehrchef Nikolce Noveski (Brustbeinprobleme nach einem Foul von Patrick Ochs) verzichten musste.
Dass Niko Bungert seinem Kapitän Tim Hoogland den Ball wegköpfte, den dieser nur noch hätte einzunicken brauchen (53.), verstärkte den Mainzer Frust. «Das war mehr als ein Elfmeter», fand Tuchel. «Ich hatte das Gefühl, dass es hier keinen anderen Sieger als uns geben kann», sagte der ehrgeizige Coach noch, bevor er mit starrem Blick die Arena verließ.
Dass er auf seinen ersten Auftritt im ZDF-Sportstudio 30 Minuten länger als geplant warten musste, weil Thomas Gottschalk «Wetten dass» überzog, er dort von Formel-1-Star und Frankfurt-Fan Sebastian Vettel einen Plastikbecher mit Eintracht-Adler als schelmisches Geschenk bekam, das Licht bei seinen Aussagen zweimal dunkel wurde und Tuchel bei null Treffern an der Torwand diese sogar zweimal komplett verfehlte – all das passte zu einem Tag, der aus Mainzer Sicht einer zum Vergessen war.
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