Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 26°C

Sicherheit hat ihren Preis

Von

„Ab und an sind die Vereinigten Staaten ungefähr so elegant wie ein Elefant beim Spitzentanz.“ Hätte Sir Peter Ustinov, der geniale britische Mime, den wie ein Trampeltier durch den „internationalen Gemüsegarten“ stolpernden amerikanischen Präsidenten vor Augen gehabt, sein Urteil wäre vielleicht noch krasser ausgefallen.

Andererseits zeigt das durch die Affären von Trump gelähmte Washington, dass die Gewaltenteilung in dieser Demokratie lebt. Justiz und Sicherheitsorgane sind unbestechlich, Kongress und Senat sind sich ihrer Verantwortung bewusst, Qualitätsmedien erleben eine Renaissance.

Kanzlerin Merkel beklagt sich als „überzeugte Transatlantikerin“ über mangelnde amerikanische Verlässlichkeit und mahnt uns „Europäer, das Schicksal endlich in die eigene Hand zu nehmen“. Das in dieser Woche angekündigte deutsch-französische Kampfflugzeug, ein Rüstungsprojekt von gigantischer Dimension, soll der erste Schritt zu mehr europäischer Gemeinsamkeit sein. Das Vorhaben, das Distanz zu den USA und Großbritannien gleichermaßen erkennen lässt, soll eine eigenständige europäische Rüstungsindustrie sichern, die Abhängigkeit von den USA mindern, steckt aber voller Risiken.

Der Kampfjet für den Frieden kann nur gelingen, wenn ein Produkt der Spitzentechnologie entwickelt wird und viele Länder über ihren nationalen Schatten springen und an dem Projekt mitwirken, was von London nach seiner Zurückweisung nicht zu erwarten ist. Bisher waren europäische Gemeinschaftsprojekte allerdings immer Flops. Man denke an das Transportflugzeug A400M, nicht gerade ein Ruhmesblatt für die Industrie hinsichtlich Qualität und Leistung.

Eine Emanzipation der Europäer und mehr Engagement für die eigene Sicherheit sind überfällig, fordern doch gerade auch die Amerikaner mehr Anstrengungen von uns. Das sollte aber großmäuligen Protagonisten von Äquidistanz mit den USA und Russland keinen Vorschub leisten, die Nato infrage zu stellen und das von Deutschland bestätigte Ziel von zwei Prozent Militärausgaben im Bundeshaushalt für das westliche Bündnis zu zerreden. Wenn Außenminister Gabriel den USA die Führungsrolle in der Welt abspricht, ist das taktisch etwa so töricht wie die einstige Abwertung Russlands als „regionale Führungsmacht“ durch US-Präsident Obama .

Bei der Sicherheit sind deutsche Spruchbeutel schnell entlarvt. Die Bundeswehr ist nämlich schlecht ausgerüstet, schwach gemanagt und von internationalen Kriseneinsätzen überfordert. Unsere gut arbeitenden Sicherheitsdienste glichen ohne Amerikaner einer Blindenschule. „There is no free lunch“, heißt es bei den Amerikanern. Frei übersetzt: Nichts ist umsonst.

Gefragt ist ein realistischer Blick auf die künftigen transatlantischen Beziehungen. Zur engen wertegebundenen Partnerschaft mit den USA gibt es keine Alternative. Das weiß man auch in Washington.

Zur Startseite Mehr aus Auch das noch

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse