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Barkewitz am Mittwoch: Angstwahlkampf

Exodus allerorten. Oder heißt das Exodusse? Klingt komisch, also anders: Evakuierungen allerorten. Kurzer Einschub: Evakuiert werden Orte, nicht Menschen! Also wurde am Sonntag in Frankfurt wegen der Weltkriegsbombe ein Sperrgebiet evakuiert, nicht etwa 60 000 Menschen. Dies hieße sonst im Wortsinne, den armen Leuten sei die Luft herausgelassen worden. Das hätten Ministerpräsident Volker Bouffier und Innenminister Peter Beuth am Sonntag nach erfolgreicher Bombenentschärfung dann ganz sicher nicht als „großartige Leistung unserer Einsatzkräfte“ gefeiert.

Zurück zum Exodus. Am Sonntag also mussten 60 000 Frankfurter ihre Wohnungen verlassen, gestern 1,5 Millionen Bienen im Lahn-Dill-Kreis ihre Körbe. In Ehringshausen ist nämlich die Bienenseuche ausgebrochen, „Faulbrut“ genannt. Auch dort ist der Aufwand enorm: Feuerwehr, Tierärzte und Bienensachverständige waren an der Umsiedlung beteiligt.

Und dabei fährt das Umweltministerium von Priska Hinz doch gerade die Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“. Diese verdammte Faulbrut aber auch!

Sollte die Faulbrut von der AfD in drei Wochen die Fünf-Prozent-Hürde überspringen, so wäre das dann allerdings kein Auszug, sondern vielmehr ein Einzug – in den Bundestag nämlich. Darunter „auch Leute, die wirklich handfeste Halbnazis sind“, wie die dortige Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht gestern Abend in der Wahl-Sendung „Fünfkampf“ der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel vorhielt. Was diese mit dem Hinweis auf „Einzelfälle“ wegnuschelte, und im Übrigen sei das „Akademisierungsniveau“ in der AfD-Wahlliste wohl das höchste. Ach so, ein Doktor-Titel schützt davor, ein „handfester Halbnazi“ zu sein? Wäre mir neu.

Aber jetzt doch noch mal ein Wort zu diesen Wahlkampfsendungen, gleich drei in zwei Tagen mit martialischen Namen wie „TV-Duell“, „Schlagabtausch“ und „Fünfkampf“. Meine Güte, Glückwunsch auch zu dieser Wortwahl!

Zehn Figuren haben wir da auf dem Bildschirm gesehen, die Spitzenleute ihrer Parteien für die Bundestagswahl: Kanzlerin Merkel von der CDU und SPD-Herausforderer Schulz, das Grünen-Spitzenduo Göring-Eckardt und Özdemir, FDP-Chef Lindner, außer Wagenknecht auch ihren Linken-Fraktionskollegen Bartsch, besagte AfD-Weidel und die zwei CSU-Größen Dobrindt und Herrmann.

Und? Wo waren die Hessen? Ist denn kein einziger hessischer Politiker so wichtig, dass er in die TV-Duelle darf? Irgendwie reicht es auf Bundesebene offenbar nur zu Posten als Parteivize – Bouffier bei der CDU, Thorsten Schäfer-Gümbel bei der SPD und Janine Wissler bei den Linken – oder als Zuarbeiterin wie Generalsekretärin Nicola Beer bei der FDP.

Beer hat sich dieser Tage übrigens einen Knaller geleistet. Als Erwiderung auf einen Grünen-Wahlwerbespot twitterte die Frankfurterin „Angstwahlkampf. Und angebliches Auftreten von mehr Extremwetterereignissen ist #FakeNews“. Ein Trump-Tweet erster Güte! Woraufhin ihr die Grünen-Spitzenkandidaten Daniela Wagner und Omid Nouripour auch prompt eine Bewerbung bei US-Präsident Donald Trump empfahlen.

Ach ja, was mir gerade noch einfällt: Diese Seuche bei den Bienen heißt korrekt „Amerikanische Faulbrut“. Weiß jetzt auch nicht, warum ich da gerade beim Stichwort Trump drauf komme . . .

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