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Kolumne: Der Olympionike

So, die Eintracht bleibt dann also in der Ersten Liga, Relegation gewonnen, das Elend kann nächste Saison weitergehen. Die Bundesliga ist beendet, aber bald startet ja die Europameisterschaft – dummerweise ohne Spieler hessischer Clubs im Deutschland-Trikot. Der in Bad Hersfeld geborene Shkodran Mustafi muss dann wieder das Hessen-Fähnlein hochhalten, auch wenn er in Spanien beim FC Valencia spielt.

Innenminister Peter Beuth hat allerdings weitaus hochtrabendere sportliche Angelegenheiten im Visier als nur eine Fußball-EM. Nicht weniger als die Olympischen Spiele will er wieder mal nach Deutschland holen.

Das Scheitern der Bewerbung Hamburgs für die Ausrichtung der Spiele 2024 bedauere er sehr, so der hierzulande auch für den Sport zuständige Beuth. Olympische Spiele auf deutschem Boden hätten der sportlichen und gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland einen großen Schub gegeben, meint Beuth und leistet sich dann einen aus diplomatischer Sicht kritischen Satz: „Denn anders als Staaten wie China und Russland kann Deutschland friedliche und sichere Spiele in Einklang mit Freiheitsrechten gewährleisten.“

Uhh, heikel! Hoffentlich werden jetzt nicht die deutschen Botschafter in Peking und Botschafter von den dort regierenden lupenreinen Demokraten einbestellt. Wenigstens hat er den türkischen Präsidenten Erdogan nicht erwähnt . . .

Aber es war wohl der historische Ort und der dort wehende berüchtigte Hauch der Geschichte, der Beuth zu dieser kühn-libertären Aussage trieb: Er sprach’s aus in der Frankfurter Paulskirche. Anlässlich der Feier zum zehnjährigen Bestehen des Deutschen Olympischen Sportbundes am vergangenen Freitag, sollte dies auch noch jemand wissen wollen.

Einige Klassen tiefer war Finanzminister Thomas Schäfer am Freitag ebenfalls in sportlicher Mission unterwegs. Nicht olympisch, aber dabei sein ist doch eh alles, so lautet ja vermeintlich der olympische Gedanke: Schäfer also übergab einen Zuwendungsbescheid über 10 000 Euro für die Vereinsarbeit an den „Kurhessischen Luftfahrtverein 1909 e.V. Marburg“. Marburg, das ist sehr praktisch, liegt nämlich in seinem Wahlkreis.

Das Geld soll der Anschaffung eines neuen Schulflugzeugs dienen, das derzeitige Vehikel müsse nach mehr als 35 Jahren, 6800 Flugstunden und 15 000 Landungen ausgetauscht werden, lässt uns der Minister wissen. 15 000 Landungen! Der Flughafen Kassel-Calden hat im vergangenen Jahr auch nicht mehr geschafft. Dort ist der Finanzminister ja Chef des Aufsichtsrats und muss sich nun mit fehlenden und fehlerhaften Ausschreibungen herumplagen, die der Landesrechnungshof bemängelt hat.

Da ist ein Besuch beim Luftfahrtverein doch allemal vergnüglicher: „Egal ob Breiten- oder Spitzensport, Hessens Sportlandschaft ist bunt“, frohlockt Schäfer.

Bunt, bunt, das Wort kenne ich doch irgendwoher? Ach ja, der Hessentag ist mal wieder in vollem Gange, und das diesjährige Motto lautet: „So bunt ist das Leben.“

Der Bund der Steuerzahler sieht wegen des „längsten und teuersten Landesfests Deutschlands“ angesichts von 20 Millionen Euro Subventionen aus öffentlichen Kassen aber eher rot: „So bunt ist das Leben – für die Steuerzahler treibt es das Land aber eindeutig zu bunt!“

Auf Twitter: @DerBarkewitz

(barke)
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