Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 23°C

Barkewitz am Mittwoch: Die Siebziger

Jetzt wollen die alle nicht mehr! Oberbürgermeister-Exodus in Hessen! Offenbachs OB Horst Schneider hat dieser Tage erklärt, nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren zu wollen. Im vergangenen Jahr hatte bereits der Kasseler Oberbürgermeister Bertram Hilgen verkündet, nach zwei Amtszeiten nicht noch einmal zur Wahl am 5. März antreten zu wollen.

Interessant ist die Begründung, denn die ist verblüffend ähnlich. Der jetzt 64-jährige Schneider hat erklärt, er sei am Ende einer weiteren (sechsjährigen) Amtszeit 71 Jahre – und damit zu alt. Ähnlich sein nordhessischer Amtskollege Hilgen: Bei Ablauf seiner zweiten Amtszeit im Juli sei er 63, am Ende einer dritten Wahlperiode dann im 70. Lebensjahr. Eine so lange Zeit wolle er bei aller Freude am Beruf nicht mehr auf sich nehmen.

Soso, die beiden wollen also mit 70 nicht mehr arbeiten. Und das, obwohl Finanzminister Wolfgang Schäuble im vergangenen Jahr erst über Bande die Rente mit 70 ins Spiel gebracht hat! Der selbst mit inzwischen 74 Jahren immer noch unermüdlich Deutschlands Finanzen verwaltet.

Vielleicht ist das aber auch der wahre Grund für den Amtsverzicht der beiden Hessen – so eine Art Parteienstreit. Schäuble ist CDU-Mann, die wackeren Oberbürgermeister sind Sozialdemokraten. Nach dem Motto, wenn die Union das will, dann machen wir das doch schon mal gar nicht.

Zumal ja auch die Junge Union hier in Hessen erst im Oktober die Rente mit 70 gefordert hat. Die steigende Lebenserwartung bei der Rentenberechnung müsse endlich berücksichtigt werden, forderte deren Landesvorsitzender Stefan Heck: „Wir brauchen endlich Generationengerechtigkeit in der Rentendebatte.“ Deshalb solle das gesetzliche Renteneintrittsalter bis 2040 auf 70 Jahre steigen. Das Bürschlein hat natürlich gut reden: 34 Jahre alt, sitzt im Bundestag, und wenn er sich in der Union brav verhält, bleibt er da auch noch viele Jahre, ist dann später derartig gut altersversorgt, dass arbeiten bis 70 garantiert nicht nötig ist.

Was würde wohl Donald Trump, – wenn man so will quasi der Oberbürgermeister der Vereinigten Staaten von Amerika – zu den Befindlichkeiten von Schneider und Hilgen sagen? Ich vermute mal angesichts seiner stets drastischen Wortwahl etwas sehr Verächtliches. Der Mann ist 70 und legt jetzt erst so richtig los! Rente mit 70? Diese Frage würde er wohl als „obsolet“ bezeichnen. Und eine zweite Amtszeit als US-Präsident wird er ganz sicher antreten wollen. Was aber ist der Unterschied zwischen dem US-Präsidenten und den hessischen Oberbürgermeistern? Trump darf nach zwei Amtszeiten nicht noch einmal kandidieren, Schneider und Hilgen wollen nach zwei Amtszeiten nicht mehr.

Ganz nebenbei, Ministerpräsident Volker Bouffier ist 65 Jahre alt. Fragen Sie den mal, ob er bei der nächsten Landtagswahl 2018 noch mal antreten will? Ganz gewiss will er! Glauben Sie etwa, der sagt dann, „huch, da wäre ich ja am Ende der Amtszeit über 70!“? Ganz sicher nicht.

Kommen wir von den Männern in den Siebzigern noch schnell zu etwas Erfreulicherem: einer siebzehnjährigen Frau. Die Abiturientin Aleksandra Modic aus Wetzlar ist am Wochenende zur „Miss Hessen“ gewählt worden. Meinen Glückwunsch! Wenn die Arme dereinst ins entsprechende Alter kommt, wird die Rente mit 70 längst beschlossen sein . . .

 

Auf Twitter: @DerBarkewitz

 

(barke)
Zur Startseite Mehr aus Barkewitz am Mittwoch

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse