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Barkewitz am Mittwoch: Göttliche Komödie

Jetzt ist sie weg. Britannia und Europa haben sich also getrennt, zumindest hat erstgenannte Dame die Scheidungspapiere eingereicht. Nun, wenigstens wacht die Germania weiterhin am Rhein bei Rüdesheim – dass auch sie die große Union der Europa verlässt, darf als ausgeschlossen gelten. Hm, alles Frauen, die als Namensgeberinnen für die Nationen und den Kontinent dienen!

Laut der griechischen Mythologie hat der dauergeile Göttervater Zeus die Europa, Tochter eines phönizischen Königs – aus Vorsicht vor seiner zu Recht dauermisstrauischen Gattin Hera als Stier getarnt –, entführt und ist mit der jungen Dame auf dem Rücken mal eben schnell rüber nach Kreta geschwommen.

Ebenfalls angelehnt an die Sagenwelt der alten Griechen ist die Nationalheilige Britannia: Sie ist der Pallas Athene nachempfunden, der griechischen Göttin der Weisheit, des Kampfes und der Kunst. Und so ist auch sie martialisch gerüstet mit Helm und Speer und wurde in der ehemaligen römischen Provinz Britannien als Göttin verehrt.

Und wehe, wenn so eine Göttin zürnt: Das Zusammengehen der beiden Wertpapierhandelshäuser in London und Frankfurt (vulgo Börsenfusion) hat die Britannia dann auch gleich mal blockiert, weil der Haupttempel wohl doch nicht – wie ihr einst versprochen – an ihrem Göttersitz London erschaffen werden sollte, sondern stattdessen in Frankfurt, im Reiche der mächtigeren Germania.

Um das so aber nicht sagen zu müssen, bediente sich Britannia doch wieder der Europa: Sie stellte sich dermaßen bockig an, dass Europa gar nicht anders konnte, als das vermeintliche Wirtschaftswunder mit einem Machtwort zu verbieten. Ja, so ist das mit Göttinnen und Diven – immer ein schwieriges Unterfangen, mit ihnen umzugehen. Aber sind sie weg, ist es auch irgendwie nichts.

Deshalb strömen nun die Gläubigen, Jünger und Bürger allerorten auf die Straße, um den „Pulse of Europa“ zu beschwören: Alle sollen sich doch im Kreise der Europa wieder liebhaben und zusammenbleiben. Angefangen hat das in Frankfurt, dort sind am Sonntag wieder rund 1000 Menschen zum Pilgerzug für Europa aufgebrochen. Außerdem in Wiesbaden, Kassel, Darmstadt, Gießen, Fulda. Diese große Huldigung der Hessen ist ja hoffentlich nicht das schlechte Gewissen, weil diese ihren Frankfurter Börsentempel nicht an die Britannia abgeben wollten?

Nein, der Apostel Pentz, Generalsekretär der Hessen-CDU und mit Vornamen Manfred geheißen, verkündet den „besonders erfreulichen“ Grund, warum „sehr viele Menschen, vor allem auch in Hessen, sich klar sichtbar zur europäischen Einheit bekennen“: Die europäische Einigung habe eine nie gekannte Phase des Friedens, der Freiheit und des Wohlstandes gebracht. Und doch stehe die Einheit Europas verstärkt unter Druck durch Nationalisten und Populisten: „Es ist wichtiger denn je, sich für Europa einzusetzen.“

Dachte sich auch Ministerin Lucia Puttrich, oberste Dienerin der Europa in Hessen, und begleitete jüngst ebenfalls den Zug der Gläubigen: „Hier geht es darum, dass Menschen übergreifend für Europa einstehen und ihre Stimme erheben.“

Ministerpräsident Volker Bouffier ist da pragmatischer: Er sucht Ersatz für Britannia und verspricht jetzt einer gewissen Serbia, sie in Europas Union zu holen . . .

(barke)
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