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Historischer Doktor

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Die Landesregierung hat jetzt ein „wissenschaftspolitisch historisches Ereignis“ gefeiert, „das in Hessen und bundesweit ein Zeichen setzt“. Sagt der zuständige Minister Boris Rhein. Oha, das klingt ja mindestens nach einem Nobelpreis für einen hessischen Forscher. Nun, dermaßen spektakulär ist das Ereignis dann doch nicht, aber für die Hochschule Fulda gewiss ein sehr „wichtiger Schritt“ wie Wissenschaftsminister Rhein staatstragend verkündet oder gar ein „wichtiger Meilenstein“, so der Präsident Prof. Dr. Karim Khakzar.

Die frühere Fachhochschule, mittlerweile als Hochschule für Angewandte Wissenschaften firmierend, darf nämlich als bundesweit erste Institution ihrer Art einen Doktortitel verleihen. Na bitte, „Bildungsland Nummer 1“, wie es in der Roland-Koch-Ära stets aus Hessen tönte! Die Studenten in Fulda können sich nun fortan den Namenszusatz „Dr. rer. soc.“ ergattern, also den Doktor der Sozialwissenschaften. Und zwar in den Studienschwerpunkten Globalisierung, Europäische Integration und Interkulturalität. Und das in Fulda!

Das Promotionsrecht haben sonst nur Universitäten. Die dürfen sogar den Doktor ehrenhalber verleihen. Wie die Uludag-Universität im türkischen Bursa. Als dort die Welt noch in Ordnung war, ist der seinerzeitige Europaminister Jörg-Uwe Hahn oft hingereist und hat den türkischen Freunden mannigfaltige Unterstützung angedeihen lassen. Dafür bekam er dann im Oktober 2014 den „Dr. honoris causa“. Und weil der seinerzeitige Justizminister Hahn mit vielen Millionen Landesgeld intensiv geholfen hat, die private European Business School in Wiesbaden mit einer zusätzlichen „Law School“ auf den Status einer Universität zu hieven, bekam er im Dezember 2015 von dort noch einen zweiten „Dr. h.c.“

Rheins Vor-Vorgänger Udo Corts hat einen solchen Ehrendoktor aus Vietnam. Empfangen von der Vietnamesisch-Deutschen-Universität (VGU) in Ho-Chi-Minh-Stadt. Die hat er auch so unterstützt, beim Aufbau . . . Sie wissen schon . . .

Und jetzt raten Sie mal, wer gerade aus Vietnam zurückgekommen ist? Boris Rhein, als Wissenschaftsminister ist er stellvertretender Vorsitzender des Universitätsrats der VGU. Hat beim Spatenstich für den neuen Campus mit angepackt, Stipendien vergeben, Graduierungsfeiern beigewohnt – und überhaupt, Hessen finanziert die Universität mit 1,5 Millionen Euro im Jahr.

Na, da sehe ich doch schon den nächsten Ehrendoktorhut auf dem Haupte eines hessischen Wissenschaftsministers sitzen!

Einen echten Doktorhut hat übrigens der langjährige Bürgermeister von Fulda, Wolfgang Dippel, heute Staatssekretär im Sozialministerium. Allerdings droht ihm der vom Kopf zu fliegen: Die Universität Kassel hat ihm den „Dr. rer. pol.“ wegen nachgewiesener Plagiate aberkannt. Aber Dippel klammert sich an sein Hütchen und hat Einspruch eingelegt.

Das Promotionsrecht steht dort zwar noch aus, aber Idstein darf sich seit vergangener Woche „Hochschulstadt“ nennen – die private Hochschule Fresenius hat da ihre Heimat. Erstmals werde damit der Sitz einer nicht-staatlichen Hochschule mit diesem besonderen Namenszusatz geehrt, verkündet Innenminister Peter Beuth.

Zweifelsohne ebenfalls ein „wissenschaftspolitisch historisches Ereignis“. Und der Doktortitel wird dann sicher auch bald verliehen – vermutlich der „Dr. fres.“.

 

Auf Twitter: @DerBarkewitz

 

(barke)
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