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Kolumne: Hessisch für Anfänger

Mancher Hobbygärtner macht als Anfänger die Erfahrung, dass die Tomatensaat prima aufgeht und man den Pflänzchen beinahe beim Wachsen zusehen kann. Doch groß ist die Enttäuschung, wenn die Pflänzchen zu schnell an Höhe gewinnen, ihren Halt verlieren oder gar umfallen, da sie nicht rechtzeitig abgehärtet wurden. Solche Pflanzen sind „ganz gagelich gewachse“.

Die Begriffe „Gagel“ oder „Gaukel“, die die Mundart für eine schmale und hochaufgeschossene Person kennt, sind kaum mehr in Gebrauch. Das Eigenschaftswort hingegen ist umgangssprachlich weit verbreitet und steht für unterschiedliche Arten von Instabilität. „Gagelich“ trifft auf alles Mögliche zu, was schwankt und wackelt. Dies können neben Gemüsepflanzen Bäume, aufgestapelte Kisten, wacklige Stühle oder der zu hoch beladene Erntewagen sein. Auch übertrieben bunte Kleidung oder allzu farbenfrohe Hausfassaden können im übertragenen Sinne „gagelich“ sein.

„Ga(a)gele“ heißt schwanken, schaukeln, gaukeln, wobei Letzteres an den Gaukler erinnert, der seine „Gagelesposse“, also seine Scherze und Späße, treibt. Mit „gagelich Holz“ wird auf die Schlaksigkeit eines großgewachsenen Menschen angespielt, der Festigkeit und Stärke vermissen lässt und vielleicht etwas saumselig wirkt. Ähnlichem Spott sieht sich derjenige ausgesetzt, dessen Liebste um einiges größer ist: „Wo hot er des Gaagelschesholz noor uffgegawwelt?“, heißt es hierzu im Südhessischen Wörterbuch.

Erfahrene Mundartsprecher wie unsere häufig zitierte Leserin Hanni Schreiber kennen auch das Mundartwort für die Körperhaltung, die dem Hochaufragenden gegenübersteht. „Gekauscht“ oder „gekaucht“ hängt mit kauern zusammen und beschreibt den gekrümmten oder gebückten Rücken, mit dem jemand geht oder dasitzt. Wer nicht vom Alter „gekauscht“ ist, weiß, dass wir dagegen etwas tun können und sollten.

Das Buch: Hans Peter Dieterich „Hessisch für Anfänger“, Societäts Verlag, 12,80 .

(hpdie)
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