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Kolumne: Hessisch für Anfänger

Da einem als Junge der Haarschneidetermin eher lästig war, war man froh, ihn hinter sich gebracht zu haben. Darauf, dass der Friseur nicht immer zufriedenstellend geschnitten hatte, wurde man erst durch die Kommentare zu Hause aufmerksam gemacht. In der Mundart fiele eine solche Fehlleistung unter den Begriff „verkrotzt“ („vergrotzt“), verschnitten: „Der Frisör hodd mer die Hoor vegrotschd“, so ein Zitat aus dem Südhessischen Wörterbuch.

Auf dem Land kannte man „grotzen“ oder „grützen“ früher beim „Riewerobbe“ und meinte damit das Abschneiden der Blätter von Futter- oder Zuckerrüben bei der Ernte. Stellte man sich ungeschickt an, waren die Rüben „vergrotzt“. So wie der Bauer die Rüben verunstalten kann, kann der ungeschickte Schneider die Hose verderben oder der unkonzentrierte Friseur die Haare. Wenn so ziemlich alles schiefläuft, ist das ganze Leben „verkrotzt“ oder „vergrotscht“ (verpfuscht).

Auf eine andere Bedeutung von „verkrotzen“ weist Rudolf Schäfer in seinem Mundartwörterbuch aus Frankfurt-Höchst hin, nämlich „feste Speisen (Brot, Früchte) so unordentlich zu essen, dass Reste bleiben“.

„Grotze“ steht im Rhein-Main-Gebiet und Südhessen für das Kerngehäuse von Äpfeln und Birnen, aber auch für Kleingeratenes. In der Frankfurter Mundart ist „en klaane Grotze“ ein kleiner Junge. „Grotze“ wird auch für die Kehle oder Gurgel verwendet, beispielsweise die „Grotze rumdrehen“ oder die „Grotze abgesoffe hawwe“ (totgesoffen). Der Apfel, den Eva ihrem Adam im Paradies reichte, blieb ihm im Halse stecken; das Resultat heißt mundartlich folgerichtig „Adamsgrotze“.

Das Buch: Hans Peter Dieterich „Hessisch für Anfänger“, Societäts Verlag, 12,80

(hpdie)
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