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Hessisch für Anfänger

Wie die Flut manchmal kleine Überraschungen an den Strand spült, fördern Gespräche ab und zu denkwürdige Begriffe zutage. Auf ein solches Wort macht uns eine Leserin aus Selters-Eisenbach aufmerksam, das sie aus ihrer Kindheit von ihrer Mutter kennt: „Hospes“. Bei dem Begriff kommt mir „Gastfreund“ in den Sinn, was sich beim Büffeln lateinischer Vokabeln in den frühen Schuljahren eingeprägt hatte. Je nach Blickwinkel bezeichneten die Römer damit entweder den Gastgeber oder den Fremden, dem man Gastfreundschaft gewährte.

Spannender als Lateinvokabeln ist aber die Frage nach der gastfreundschaftlichen Aufnahme unseres „Hospes“ in die hessischen Mundarten.

Belege, dass „Hospes“ irgendwann mal „eingeplackt“ wurde, finden wir in den akribischen Wortsammlungen von Mundartwörterbüchern wie dem Frankfurter Wörterbuch. Den „Hospes“ als Gastfreund in Gestalt eines Gastwirts lernen wir dort in Belegstellen aus dem 19. Jahrhundert kennen. Da freut sich beispielsweise der Gast auf einen guten Wein, wenn er beim „Hospes einen Schoppen Deidesheimer probirt“.

Gleichzeitig hat aber die Mundart den lateinischen Ursprungsbegriff in die sprachliche Mangel genommen, weniger lautlich verändert („Hosbel“, „Hoschbes“, „Uschbes“), dafür umso kräftiger in der Bedeutung. Der Satz aus dem Südhessischen Wörterbuch „Guck emol den Hospes, wie er sich widder aaschdellt“ klingt weder gastlich noch freundlich, sondern kritisiert jemanden wegen seiner Schusseligkeit oder Unbeholfenheit.

Die Wörter „Gast“ oder „Wirt“ zu verdrängen, hatte „Hospes“ keine Chance. Aber ein Synonym, um charakterliche Eigenschaften hervorzuheben, konnte man immer gebrauchen. Ein „Hospes“ kann ein lebhafter, munterer Bursche, aber auch ein alberner oder überspannter Mensch sein. Das Eigenschaftswort bedeutet flatterhaft, oberflächlich, unruhig, zerstreut oder unaufmerksam: „Sei doch nedd so hoschbelich“. Und in der Fastnachtszeit begegnen wir dem „Hospes“ als Menschen, der zu närrischen Späßen und Schabernack aufgelegt ist.

Das Buch: Hans Peter Dieterich „Hessisch für Anfänger“, Societäts Verlag, 12,80

(hpdie)
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