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Hessisch für Anfänger

Den Anstoß zu unserem heutigen Mundartbegriff „struwweli(s)ch“ gab eine Leserin aus Okriftel. Was gemeint ist, bedarf keiner langen Erklärung, aber es reizt der Blick auf die Zusammenhänge. „Der Struwwelpeter“, Heinrich Hoffmanns altbekanntes Kinderbuch, wurde 1984 von H.P. Müller in Frankfurter Mundart veröffentlicht. „Wir sagen allerdings ,Schtruwwelpeder‘ odder auch ,Strubbelpeter‘“, schreibt Müller einleitend und ergänzt: „Der Johann Wolfgang Goethe hatt’ in seiner Leipziger Zeit, ab 1765, dort den Spitzname ,Frankfurter Strubbelpeter‘.“

Strubbelig heißt das Haar, wenn es wirr durcheinander ist. Das Konterfei vom Struwwelpeter zeigt einen Jungen mit Wuschelkopf und langen Fingernägeln.

Fast starr scheinen die Haare vom Kopf wegzustehen und sich gegen das zu sträuben, was üblicherweise als eine „ordentliche“ Frisur angesehen wird. In der Mundartadaption von H.P. Müller lautet das folgendermaßen: „Wie Butzwoll sehe aus sei Haar! / ,Pfui Deiwel!‘ rieft da jeder, / ,Kerl, was en Struwwelpeter.‘“

In der Tat hängt das Widerstrebende, das bei „struwwelich“ anklingt, sprachlich mit „sträuben“ zusammen. Wirre, ungeordnete Kopfhaare hinterlassen auch bei einer Frau keinen guten Eindruck; „Struwwelliese“, „Struwwellene“ oder ironisch „schäi Struwwelkeppche“ heißen dann die Damen.

Das Raue und Starre, das dem alten Wort „strup“ anhaftet und heute „struppig“ lautet, zeigt sich deutlich in der Redewendung „Die sinn struwwelich menanner“, die liegen miteinander in Streit. In ähnlicher Weise verwenden wir die Redensart „sich in die Wolle (Haare) kriegen“.

Als amüsante Verkörperung des Strubbeligen ist vielen das Putzfrauenduo „Frau Struwwelisch und Frau Babbisch“ bekannt, das von 1952 bis 1982 zu den Stars der Mainzer Fastnacht gehörte, nach dem Motto: „Sage se mal, Frau Babbisch…“

Das Buch: Hans Peter Dieterich „Hessisch für Anfänger“, Societäts-Verlag, 12,80

(hpdie)
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