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Kolumne: Hessisch für Anfänger

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Unsere Eltern und Großeltern kennen noch aus eigenem Erleben die Notzeiten, in denen Schmalhans Küchenmeister war. Als die Redensart im 17. Jahrhundert entstand, ließ wahrscheinlich das Aussehen des Kochs Rückschlüsse auf das Essen zu. Bei einem „schmalen Hans“ erwartete man keine üppigen Speisen.

Das Buffet, das Hotels ihren Gästen anbieten, verstärkt bei manchen die Eigenschaft „nimmersatt“. Automatisch stellt sich der „ferchterliche Hunger“ ein, während sich der „bedeutende Dorscht“ in Grenzen hält, da die Getränke separat abgerechnet werden.

Wer zu Hause mit vielen guten Speisen verwöhnt wird, wird ebenfalls kräftig zugreifen.

Einen, der vom guten Essen nicht genug bekommen kann, beschreibt Peter Geibel in Wetterauer Mundart: “’R oaß ’n ganze Maddekouche, / M’r soah näit mih di Prob, / Ean dear aach noach di Worscht versouche – / Su ungeneusch ean grob.“ Unersättlich und gierig ist der Hannes in Geibels Gedicht „E Gäulskur“, was mit „ungeneusch“ gemeint ist. Andere Mundartvarianten lauten „ungeneiisch“ „ungeneisisch“ oder „ungenäsig“.

Den kompletten Käsekuchen und die Wurst in sich hineinzustopfen, „su eabes douth kah gout“ (geht nicht gut aus). Nach den unvermeidlichen Bauchschmerzen folgt die fast noch schlimmere Rosskur, wenn der Protagonist jedes Hausmittelchen, das Verwandte und Bekannte fürs Auskurieren empfehlen, ausprobieren soll. Tröstende Worte für unmäßige Esser gibt der Mundartdichter Geibel an anderer Stelle: „Eaß m’r noochet ungeneusch, / Solls ahm Goatt verzeihje.“

Das Buch: Hans Peter Dieterich „Hessisch für Anfänger“, Societäts Verlag, 12,80

(hpdie)
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